Der Herr der Fische: Peter Breth in seiner Künstlerwerkstatt beim Druck der letzten sechs Stück. Foto: Renner

Fische, Freundin, Federvieh

Dorfen - Er ist so etwas wie der Karl Valentin der heimischen Künstlerszene. Peter Breth paart handwerkliches Geschick mit hintersinnigem Humor. Seine Kunstwerke haben meist etwas skurriles an sich. Jetzt hat Breth seinen Fisch-Zyklus beendet. Über acht Jahre lang hat er daran gearbeitet.

Breth selbst bezeichnet den Fisch-Zyklus „eigentlich als Blödsinn“. Doch dieser Blödsinn hat eine mathematische Ordnung. Das Grüntegernbacher Original schnitzte ein Druckmodel von sechs unterschiedlichen Fischen. Breths selbstgestellte Aufgabe war es: „Wie oft kann diese Sechsergruppe in einem Rahmen unterschiedlich positioniert werden, ohne dass sich eine Kombination wiederholt?“ Zur Berechnung dieser Fakultät von sechs brauchte der frühere Lehrer Breth mehr als seinen Grips - ein Freund schrieb ihm dazu ein Computerprogramm, das die Fakultät von sechs berechnete. Es sind 720 verschiedene Varianten möglich. Über acht Jahre hinweg hat Breth nun diese 720 Varianten zusammengestellt und mit einer Handpresse je zwei Abzüge gedruckt. Herausgekommen sind 1440 Blatt zu je sechs Fischen - also insgesamt 8640.

Mit der riesigen Anzahl von Fischen ist Breths Haus in Grüntegernbach ein wahrer Tiergarten geworden. Denn zu den Fisch-Drucken gesellen sich noch weit über 3000 Hähne. Die hat der gebürtige Wormser über viele Jahre hinweg mit seiner verstorbenen Ehefrau Ursula gesammelt. Ob Pfefferstreuer, Weinflaschen, Blumentöpfe, Geschirrtücher, Schmuckstücke - es gibt nichts im Brethschen Eigenheim, wo sich nicht ein Hahn darauf findet. Aus aller Herren Länder stammen die Stücke, unter anderem ist auch Federvieh der Antike dabei, das Breth von Ausgrabungen in Griechenland erstanden hat.

Breth mag Hähne, weil „sie Kämpfer sind“. Doch das Geflügel muss jetzt aus dem Haus. Denn noch lieber als seine Hähne hat Breth seine neue Lebensgefährtin Hannelore Stephani. Und die soll zu ihm nach Grüntegerbach ziehen, wünscht er sich. Doch Hannelore hat ihrem „Hahn“ unmissverständlich deutlich gemacht, dass sie nicht in einem „Hahnmuseum“ wohnen will. Breth hat sein Geflügel daher mittlerweile in Kisten verpackt und will seine skurrile Sammlung zum symbolischen Preis von einem Euro verschenken. Der Grüntegernbacher will aber vermeiden, dass die Sammlung auseinandergerissen wird - denn irgendwie bilden die Hähne eine riesige Familie. Doch der Familienerhalt ist nicht so ganz einfach.

Der frühere Dorfener Stadtrat kontaktierte zuerst das Dorfener Rathaus. Doch da winkte man angesichts der „Intensivgeflügelhaltung“ ab. Daraufhin wandte sich der Hahnensammlungsauflöser über die kubanische Botschaft an die Stadt Morón - deren Symbol ist ein Hahn. Die Kubaner zeigten zwar Intersse, stellten aber zwei Bedingungen: Zum einen müsse Breth den Transport selbst organisieren und bezahlen, darüberhinaus sollte er den Wert jedes einzelnen Hahnes beziffern. Soviel Bürokratie für eine Schenkung - das ist selbst Breth zu verrückt.

Der Grüntegernbacher hat sich schließlich auf der Suche nach einer neuen Heimat für seine Hähne auch an die Gemeinde Hahnheim gewandt, die einen Hahn im Wappen führt. Die Bürgermeisterin der Kommune in Rheinhessen war anfangs auch recht interessiert - bis sie von der Stückzahl erfuhr. Laut Breth entfuhr der Gemeindechefin der Seufzer: „Um Gotteswillen, wo sollen wir die denn unterbringen.“ Einen Teil seiner Sammlung könnte Breth 2014 aber anlässlich der 1250-Jahr-Feier der Gemeinde ausstellen. Doch damit ist das Problem Hähne-Hannelore nicht gelöst.

Vielleicht bleibt aber das Federvieh nun doch in der Heimat. Der Dorfener Anzegier hat nämlich bei Bürgermeister Heinz Grundner nachgefragt und ihn auf die Einmaligkeit der Sammlung hingewiesen. In ganz Deutschland und wohl auch darüber hinaus gibt es kein Hahnenmuseum. Das wäre doch für Dorfen etwas - gerade, wo die Stadt auch in Sachen Tourismusförderung etwas unternehmen will. Grundner will sich nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub dem Hahnenproblem persönlich annehmen . . .

Anton Renner

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