Flammender Widerstand: Mahnfeuer gegen die B15 neu

Östlicher Landkreis - Einen Sturm der Entrüstung und erhitzte Gemüter haben die Planungen zur B15 neu im östlichen Landkreis entfacht. Passender hätte das Wetter am Samstag also gar nicht sein können, als viele Mahnfeuer entlang der geplanten Trasse entzündet wurden.

Die Hauptkundgebung fand zwar in Dorfen statt, aber auch im Holzland und in St. Wolfgang ging es heiß her.

Gegen 17 Uhr treffen sich mehrere hundert Menschen bei Großstockach an der bestehenden B15 und äußern ihren Unmut. Ein großes Feuer wird entfacht. Einige tragen sogar Leuchtwesten mit der Aufschrift „Nein zur B15 neu im Holzland“. „Das wäre unvorstellbar. Das gesamte Holzland würde mit einer vierspurigen Trasse durchschnitten und zweigeteilt. Die ganze Ökologie würde kaputt gemacht“, sagt Steinkirchens Bürgermeisterin Ursula Eibl. Das sieht auch der Bayerische Bauernverband (BBV) so und hat die Mahnfeuer, die das Holzland hat leuchten lassen, organisiert. Die VG Steinkirchen hat Druck und Verteilung von Laufzetteln organisiert, um möglichst viele Menschen zusammenzubringen. Und das hat sich ausgezahlt. Nicht nur beim Hauptfeuer in Großstockach, sondern auch um die Nebenfeuer bei Wimmberg, Penk, Amelgering, Reimering, Kögning und Eldering versammeln sich unzählige Menschen, um ihren Unmut über die Planungen kund zu tun - alles Orte, die von einer neuen B 15 unmittelbar betroffen wären.

Zwischen Eldering und Großwimpasing sind es zum Beispiel über hundert Demonstranten. „Eldering hat im Osten schon die Umgehung der B 388. Im Westen würde dann noch die B 15 dazukommen“, sagt Eibl. „Wir sind sehr stark vom Fluglärm betroffen. Unsere Lebensqualität wäre so noch mehr beeinträchtigt. Außerdem wäre die Existenz der Landwirte gefährdet. Das ist der Wahnsinn, welche Flächen da verbraucht würden“, schimpft Eibl, die auch nach Kögning schaut: „Da heißt es immer, das ist eine Splittersiedlung, da darf nicht gebaut werden. Aber eine vierspurige B 15 soll schon gehen. Das begreife ich nicht.“

Auch Hohenpoldings Bürgermeister Heribert Niedermaier ist beeindruckt, wie viele Menschen in Großstockach zusammengekommen sind. Wer etwas später kommt, muss schon weit weg parken und einige Meter zurücklegen, bis er am Mahnfeuer ankommt. „Wir wären von Norden nach Süden vollkommen durchquert“, sagt Niedermaier. Gegen die B 15 neu sei die aktuell durchs Holzland führende Trasse „ein besserer Radlweg. Wir müssen alles gegen die Verwirklichung der B 15 neu tun.“ Großer Dank gelte der Organisation des BBV, sagt der Gemeindechef. Auch seine Inninger Amtskollegin Michaela Mühlen ist begeistert - nicht von den Trassenplanungen, sondern vom Andrang der Demonstranten: „Ich finde das wunderbar. Das zeigt den Zusammenhalt.“

Zur gleichen Zeit brennen auch in der Gemeinde St. Wolfgang Mahnfeuer gegen den Bau der B 15 neu durch den Landkreis Erding. Dort ist der Widerstand sehr groß, wie rund 300 Gemeindebürger zeigen, die sich zu der Demonstration auf der Höhe bei Lappach gegen die geplante West-Trasse einfinden.

Ein Gemisch aus totalem Unverständnis, Wut und Entschlossenheit gegen diesen „Wahnsinn B 15 neu Westtrasse“ zu kämpfen, ist in den vielen kleinen Gesprächsgruppen zu hören. Das bekommt auch der CSU-Stimmkreisabgeordnete für den Bundestag, Andreas Lenz, zu spüren. Er hat sich, wie auch St. Wolfgangs Bürgermeister Ullrich Gaigl, unter die Menschenmenge gemischt und sucht das Gespräch. „Ich kann das verstehen und habe volles Verständnis“, dass die Bürger eine Wut auf die CSU-Regierung in München und besonders auf Staatsminister Marcel Huber hätten, räumt Lenz ein. Er sei damit auch „nicht glücklich”.

Der Bundespolitiker erklärt vor der Menge, dass die neue Trasse der Raumerschließung gelten solle. Der Landkreis sei aber genügend erschlossen. Lenz sei „verwundert, wie das gelaufen ist“ und über Köpfe der Leute hinweg entschieden wurde. „Wir werden uns das nicht gefallen lassen“, macht Lenz Mut und erntet Beifall. Es müsse bei der angemeldeten Trasse bleiben. Die St. Wolfganger könnten „sicher sein, dass ich an euer Seite kämpfen werde, auch in Berlin“. Demnächst werde es ein Spitzengespräch mit allen Verantwortlichen und CSU-Regierungspolitikern in München geben.

Gaigl spricht nur kurz und fordert dabei: „Wir müssen z’amm steh, dass ma die Trasse ned herkriegen.“ Den Vorwurf, hier im Landkreis werde das Floriansprinzip bemüht, will der FW-Bürgermeister nicht gelten lassen. „Dasselbe macha doch jetzt de da unten, die schiebn’s a bloß do rauf. Die kennen auch keine Gnade“. Führer oder später werde die B 15 neu vierspurig und sei in Wahrheit als Nord-Süd Verbindung geplant. Gaigl freut sich, dass nun „alle miteinander z’ammhalten, in der Politik, über alle Parteien hinweg, und auch die Menschen hier“. Man sehe mit der großen Beteiligung an dem Mahnfeuer, „dass die Wolfganger z’amm stehn. Hoit ma z’amm, steh ma z’amm, dann pack ma des scho“, motiviert Gaigl unter Beifall.

Lob gibt’s dann auch noch von Landrat Martin Bayerstorfer, der in den Lappacher Sturmböen ebenfalls kurz zu den Menschen spricht. Auch in St. Wolfgang sei der Widerstand „hervorragend gelungen. Das ist ein ausdrucksstarkes Signal.“

Markus Schwarzkugler

Hermann Weingartner

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