Zweieinhalb Jahre Haft für Schleuser

19 Flüchtlinge in Kleintransporter gepfercht

Erding/Flughafen - Der Anblick erschreckte selbst erfahrene Ermittler: Im Juli stoppte der Zoll einen Kleintransporter. Auf der Ladefläche: 19 eingepferchte Flüchtlinge, darunter zwei Kinder. Nun stand der Schleuser vor Gericht.

Offensichtlich von Geldgier, Skrupellosigkeit und Brutalität getrieben war ein 41-Jähriger, der am 15. Juli 2015 am Flughafen in eine Kontrolle des Zolls geriet. Die Beamten wiesen den ungarischen Fahrer an, den Laderaum zu öffnen. Was die Zöllner dann sahen, werden sie lange nicht vergessen: Auf wenigen Quadratmetern waren 19 Flüchtlinge, darunter zwei Kleinkinder im Alter von etwa einem und drei Jahren, eingepfercht. Die Flüchtlinge konnten sich nur dank einiger Wasserflaschen notdürftig versorgen.

Am Freitag musste sich der Fahrer vor dem Schöffengericht Erding verantworten. Laut Anklage hatte jeder Flüchtling 500 Euro für die Fahrt von Budapest aus bezahlt. Nach einem Rechtsgespräch seines Pflichtverteidigers Thomas Fauth aus Landshut mit dem Schöffengericht und der Staatsanwaltschaft wurde dem Angeklagten im Falle eines Geständnisses ein Strafmaß zwischen 26 Monaten und zweieinhalb Jahren zugesichert. Der Kraftfahrer räumte daraufhin die Anklage ein, betonte jedoch, dass er lediglich 100 Euro je Person bekommen habe. Außerdem sei er nur der Fahrer gewesen, das Fahrzeug gehöre jemand anderem.

Die Umstände der Fahrt schilderte ein 22-jähriger syrischer Flüchtling mit palästinensischer Staatsbürgerschaft. Ihm gelang die Flucht, die ihn zunächst nach Serbien führte. Von dort aus fuhr er mit dem Taxi nach Budapest und fand mit 20 anderen Personen Unterschlupf in einem Hotel. Bis man ihn am 15. Juli abholte und zu einer Stelle brachte, wo er in den schon vollbesetzten Kleintransporter einstieg. An die Drahtzieher hatte er zuvor 450 Euro zahlen müssen.

Die Fahrt in dem dunklen, fensterlosen Laderaum dauerte acht Stunden. Verpflegung gab es nicht, die Wasserflaschen, die der Zoll fand, hatten sich einige der Flüchtlinge mitgebracht. Ebenso wenig gab es einen Zwischenstopp, um die Notdurft zu verrichten. Sie konnten sich zwar leise unterhalten, hatten aber allgemein die Anweisung, sich möglichst ruhig zu verhalten. Für die Staatsanwältin war der Angeklagte „sicher nicht der Anführer der Schleuserbande. Doch ohne Fahrer, die bereit sind, selbst für einen kleinen Obolus die Fahrt auf sich zu nehmen, könnten Schleuser nicht arbeiten“.

Ihrem Strafantrag auf zweieinhalb Jahre Freiheitsstrafe setzte Anwalt Fauth entgegen, das für die Flüchtlinge keine Lebensgefahr bestanden habe. Der Laderaum sei vergleichbar mit dem Kofferraum eines Autos gewesen. Er forderte eine Haftstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Björn Schindler berücksichtigte dagegen die „unmenschliche Behandlung“ und verurteilte den Angeklagten zu zweieinhalb Jahren Gefängnis.

Gert Seidel

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