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Endlich in Sicherheit: Während Umweltministerin Ulrike Scharf (r.) den Erdinger Fliegerhorst besuchte und Geschenke an die Helfer überreichte, traf eine Familie mit sechs kleinen Kindern aus Afghanistan ein. Begrüßt wurden sie von Günther Geiger vom DRK und Volker Grönhagen, Camp-Leiter des BAMF (hinten, 2./3. v.l.). 

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Flüchtlinge: Erding wird neue zentrale Drehscheibe

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Erding - Die großen Flüchtlings-Zwischenstationen („Warteräume Asyl“) in Erding und Feldkirchen werden neue zentrale Aufnahmestellen für Flüchtlinge, die an der südostbayerisch-österreichischen Grenze aufgegriffen werden.

Seit Oktober sind die Warteräume Asyl im Fliegerhorst Erding und in der Gäubodenkaserne bei Straubing in Betrieb. Bislang dienten die Camps des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) mit Kapazitäten für jeweils 5000 Menschen als „Überlaufbecken“. Mit Bussen werden Flüchtlinge direkt von der Grenze dorthin gebracht, die nicht sofort auf das Bundesgebiet verteilt werden können. Das soll sich nun ändern.

Beim Besuch der bayerischen Umweltministerin und Erdinger Stimmkreisabgeordneten Ulrike Scharf (CSU) kündigte Campleiter Volker Grönhagen am Samstag eine grundlegend neue Vorgehensweise an. „Es ist geplant, dass künftig alle Asylbewerber von der Grenze entweder nach Erding oder nach Feldkirchen gebracht werden. Erst hier erfolgt dann die Aufteilung auf die Bundesländer.“ In Erding wird weiter nur eine Vorakte angelegt. Die offizielle Antragstellung erfolgt dann in den Erstaufnahmeeinrichtungen.  Lesen Sie auchFlüchtlingsstreit: CDU-Spitze findet Kompromissformel 

Für die bestehenden zwei Warteräume – zwei weitere große Aufnahmeeinrichtungen entstehen in Donauwörth und Manching – bedeutet das mehr Arbeit. „Bislang hatten wir maximal 2500 Menschen auf einmal. In aller Regel kommen sie abends in Bussen an und werden am nächsten Morgen auf dem gleichen Weg ausgeschleust“, erklärt Grönhagen das Procedere. „Sehr bald werden alle 5000 Plätze dauerhaft belegt sein – an beiden Standorten“, ist der frühere Soldat überzeugt. Besonders Erding dürfte mit seinen 18 Flugzeughallen und zehn beheizten Bierzelten stark beansprucht werden, denn in der Gäubodenkaserne sind nicht alle Zelte winterfest. Dann dürfte auch die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von 24 Stunden steigen. Zulässig sind maximal 72 Stunden.

Die Erfassung der Flüchtlinge erfolgt durch BAMF-Mitarbeiter

Damit alle Verfahren offiziell im Warteraum begonnen werden können, plant Grönhagen die Vergrößerung der Registrierkapazitäten. Derzeit stehen 20 Container zur Verfügung, „es besteht aber die Möglichkeit, auf 40 Module aufzustocken“, versichert der Camp-Leiter. Die Erfassung erfolgt durch BAMF-Mitarbeiter und Soldaten, aktuell vom Gebirgsaufklärungsbataillon 230 aus der Allgäu-Kaserne in Füssen. Mit der neuen Struktur reagiert das BAMF auf die aktuellen Flüchtlingszahlen. „Es kommen nur noch 2000 bis 3000 pro Tag in Bayern an, es waren schon einmal 10 000“, zitiert Scharf aus aktuellen Lageberichten. Warteraum-Leiter Grönhagen und der fürs DRK verantwortlich Günther Geiger glauben nicht, dass das am Winter liegt. „Es gab zuletzt Probleme auf der Balkanroute. Hinzu kommt, dass einige Grenzübergänge geschlossen wurden.“

Auch die Zuwanderung hat laut Camp-Leiter ihr Gesicht verändert. „Bis vor kurzem kamen vor allem allein reisende Männer aus Syrien, aber auch aus Afrika. Seit ein paar Tagen sind es sehr viele Frauen mit Kindern“, schildert er. Seine Erklärung: „Es ist nach der ersten Welle die Zeit gekommen, in der die Familien nachgeholt werden.“

Viele Flüchtlinge sind laut Grönhagen in einem gesundheitlich bedenklichen Zustand. „Die Erkrankungsrate ist hoch. Oft sind die Flüchtlinge stark erkältet oder dehydriert.“ Nicht selten müssten Ermüdungsbrüche behandelt werden. Als Scharf aufs Gelände fährt, rauscht gerade ein Krankenwagen ab – darin ein Flüchtlingsmädchen, das sich das Leben nehmen wollte. Die Jugendliche wird gerettet.

Hans Moritz

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