10 000-Euro-Uhr verschwunden

Flughafen - Ein Schweizer hat am Münchner Flughafen seine Uhr liegen gelassen. Rund 10 000 Euro soll sie wert sein, der Finder hat sich noch nicht gemeldet.

Die Armbanduhr ist aus einer Herrentoilette im Terminal 2 verschwunden. Dort hatte sie der 60-Jährige am Sonntag nach dem Händewaschen am Becken liegen gelassen, meldete er der Flughafenpolizei.

„Das ist der Klassiker“, sagt Josef Rankl, Leiter des Fundamtes am Münchner Flughafen. Sehr viele Uhren gingen auf diese Weise verloren. Dem Schweizer konnte er bis gestern noch nicht helfen. Das kostbare Stück sei noch nicht abgegeben worden. Dabei stehen die Chancen gar nicht so schlecht, denn allein im Januar seien schon 16 Chronometer im Fundamt eingegangen. „Täglich eine Uhr – das ist ein üblicher Wert“, sagt Rankl. „Im Dezember waren es 35.“

Nicht ganz so üblich ist dagegen der angebene Wert des Verlustes. Mit rund 2500 Euro war eine Breitling die bisher teuerste Uhr, die jemals abgegeben wurde. Das Schweizer Stück wäre somit ein neuer Rekord. Der Finderlohn ist allerdings vergleichsweise gering. Da das gute Stück in einem öffentlichen Gebäude verloren ging, halbiert sich laut Rankl der rechtliche Anspruch. Für die ersten 500 Euro gibt’s drei Prozent, für den Rest 1,5 Prozent – bleiben dem Finder 155 Euro. Aber das dürfe für diesen ohnehin nicht die Motivation sein. Rankl: „Wer ein Fundstück nicht abgibt, begeht eine Straftat.“

Dass das Fundamt nur bei jeder dritten Uhr den Eigentümer ermitteln kann, liegt laut Rankl auch daran, dass es sich oft um Vielflieger handelt. „Die wissen oft gar nicht mehr, ob sie gerade in München oder Amsterdam waren, als ihre Uhr, ihre Geldbörse oder Tasche liegen gelassen haben.“ Und dann komme noch die Wirtschaftslage hinzu. In Zeiten einer Rezession, so sagen Insider, sind auch Versicherungen strenger, wenn es um den Ausgleich des Verlusts geht. Je schlechter es den Leuten geht, desto eher bemühen sie sich zum Fundamt. Nach einem halben Jahr werden Fundsachen öffentlich versteigert. Nicht immer ist es laut Rankl leicht, den Wert einer Uhr zu ermitteln. „Die Replikate sind heute oft schon so gut, dass nur ein Uhrmacher den Unterschied erkennt, indem er sich das Uhrwerk genau anschaut.“ Auch Fakes dürfen versteigert werden, „wenn sie regulär zu kaufen sind“, erklärt Rankl. Der Großteil aber seien illegale Piraterieprodukte, die zerstört werden müssen. Darum schaue sich die Polizei die guten Stücke auch nochmals vor jeder Versteigerung an. pir

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