Einen heißen Job trotz Klimaanlage hat Rettungssanitäter Fabian Gehrke aus Landshut (l.) mit seiner Schutzausrüstung im Test Center im MAC. Immerhin tauschen er und sein Malteser-Kollege Nico Refeld aus Wartenberg jede Stunde.
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Einen heißen Job trotz Klimaanlage hat Rettungssanitäter Fabian Gehrke aus Landshut (l.) mit seiner Schutzausrüstung im Test Center im MAC. Immerhin tauschen er und sein Malteser-Kollege Nico Refeld aus Wartenberg jede Stunde.

2000 Abstriche am Tag: Immer mehr Betrieb im Corona-Testzentrum am Flughafen München

  • vonTimo Aichele
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Mit einer Handy-App will die Firma Ecolog für schnelle Testergebnisse für Flugreisende sorgen. Die Startschwierigkeiten sollen damit vorbei sein.

Flughafen – App runterladen, kurzes Warten am Test-Zentrum, Registrierung, Rachenabstrich – und schon ist der freiwillige Corona-Test fertig. So soll es am Test Center im München Airport Center (MAC) laufen. „Ein normaler Durchlauf dauert acht Minuten“, sagt Christoph Schäfer von der Firma Ecolog, die seit 30. Juli für die Tests verantwortlich ist – Startschwierigkeiten inklusive. Die gesamte Datenverarbeitung geschieht mittlerweile digital. Damit seien die Probleme Vergangenheit, die einzelne getestete Flugreisende hatten. Niemand soll mehr lange oder gar ergebnislos auf sein Resultat warten müssen.

Teilweise war es zu Chaos bei den freiwilligen Tests gekommen. Unterm Strich seien es „unter 100 solcher Fälle, die nachverfolgt werden müssen“ – bei bisher 13 000 bis 14 000 Tests an den drei bayerischen Flughäfen, bilanziert der Projektleiter. Diese Probleme seien ausschließlich in einer Übergangszeit aufgetreten, erklärt Schäfer.

+++ Neuer Ecolog-Skandal, diesmal am Flughafen Nürnberg: Corona-Tester selbst infiziert - Mitarbeiter werden nicht informiert.

Auftrag für Corona-Testzentren an allen bayerischen Flughäfen

Denn das Testzentrum in drei Zelten im MAC hatte das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) unter Mithilfe von Rotem Kreuz und Malteser Hilfsdienst gestartet. „Das LGL hat uns am 29. Juli informiert, dass wir den Auftrag bekommen, dann haben wir die Testzentrale und auch Teile vom Personal übernommen“, berichtet Schäfer. Der Experte für Krisen-Logistik ist seit dem ersten Corona-Ausbruch in der Ecolog-Taskforce für die Pandemie. Der Militärdienstleister mit Hauptsitz in Dubai und Zentrale in Düsseldorf hat bis Ende September den Auftrag vom Freistaat, Corona-Tests an den Airports München, Nürnberg und Memmingen durchzuführen.

Einen einzigen kleinen Zettel müssen getestete Passagiere aufheben. Projektleiter Christoph Schäfer zeigt ihn am Registrierungsschalter im Inneren des Test Centers.

Die Übernahme des Dienstes in 24 Stunden sei herausfordernd gewesen, so Schäfer. Am ersten Tag habe man das System der handschriftlichen Datenerfassung noch so belassen. Doch all das musste anschließend in den Computer eingegeben werden – mit allen möglichen Fehlerquellen. Außerdem habe Ecolog noch einen Rückstau an Daten aufzuarbeiten gehabt. „Wir haben ein digitales Reservierungssystem eingeführt“, sagte der 55-jährige Krisen-Manager über die Test-App, die seit Sonntag zur Verfügung steht.

Die Passagiere können sich nun schon am Abreiseort digital registrieren. Erfasst werden Name, Kontaktdaten, Flugnummer und sogar der Sitzplatz in der Maschine („Das ist wichtig für die Nachverfolgung“). Das Programm kann man sich zum Beispiel auf den Flughafen-Websites downloaden. Am Test Center scannt der Passagier einen QR-Code mit dem Smartphone ein. Das einzige Dokument, das er am Ende aufheben muss, ist ein Zettel.

Corona-Testergebnis kommt datengeschützt per E-Mail

Wichtig ist nun, dass Ecolog sowohl die E-Mail-Adresse als auch die Handynummer hat. „Wir müssen die Testresultate datengeschützt übermitteln“, erläutert Schäfer. Der getestete Fluggast bekommt die Ergebnisse zwar per E-Mail, braucht zum Öffnen aber ein Passwort, das er per SMS erhält.

Am 2. August ist die gesamte Einrichtung im MAC eine Ebene nach oben gezogen, ins Audi Forum, in dem zuvor Autos ausgestellt gewesen waren. „Die Teststation mit Zelten war als temporäre Lösung gedacht“, sagt Schäfer. Es sei für die Passagiere ohnehin nicht so angenehm gewesen, „in einen umzäunten Bereich reinzumüssen“. Es gehe schließlich darum, das für die Passagiere so angenehm wie möglich zu gestalten. „Das soll ein Teil des neuen Reisens sein“, sagt Schäfer. „Es geht ja auch darum, dass Leute wieder das Vertrauen kriegen: Wir können fliegen.“

Ecolog beschäftigt nun knapp 100 Menschen am Flughafen München; etwa 20 eigene Angestellte, Mitarbeiter des Malteser Hilfsdienstes und Kräfte von Zeitarbeitsfirmen. Sie betreiben insgesamt vier Corona-Testzentren: das im MAC sowie eines im Terminal 2 und zwei im Terminal 1. Diese sind für die verpflichtenden Tests, die Passagiere aus Risikogebieten seit Samstag machen müssen.

Schon in der Schlange sprechen Mitarbeiter die Passagiere an, um ihnen bei den Formalitäten für den Corona-Test zu helfen.

Aktuell würden am Flughafen München 2000 bis 2200 Abstriche pro Tag gemacht, berichtet Schäfer. Davon seien zum Beispiel am Montag 650 Pflichttests gewesen. „Es gibt schon auch Diskussionen, aber die meisten Leute sind sehr diszipliniert. Viele sagen: Ich will mich einfach testen lassen.“

Aktuelle Kapazität für maximal 7000 Corona-Tests

„Wir sind am Flughafen jetzt schon auf 6000 bis 7000 Tests ausgelegt“, erklärt der Projektleiter. Das werde aber täglich neu bewertet. „Flughäfen sind etwas sehr Dynamisches.“ Bei Bedarf habe Ecolog die Möglichkeit, binnen 24 Stunden weitere Kapazitäten aufzubauen. Mehrmals täglich fährt ein Transport die Teststäbchen ins Eurofins-Labor in Ebersberg. „Wir bekommen die Laborergebnisse 24 Stunden später mitgeteilt“, so Schäfer. Negative Tests erhalten nur die Passagiere. Positive Befunde gehen an die jeweiligen Gesundheitsämter.

„Uns ist gesagt worden, dass wir die Ergebnisse in drei bis fünf Tagen bekommen“, erzählt Judita Korvasova aus München, die am Dienstag mit ihrer Schwester nach einem Venedig-Trip am Flughafen München angekommen ist. Den Rachenabstrich fand sie nicht sonderlich unangenehm: „Es ist auszuhalten.“ Allerdings kämpft sie gerade mit ihrem Handy. „Anscheinend ist die App gerade überlastet.“

Ein großes Manko bei der Ecolog-Corona-Teststation am Flughafen München ist offenbar die Telefon-Hotline. Eine Mutter ließ sich dort Ende August testen und erlebte Schockierendes.

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