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Panne: Lufthansa-Airbus nach München plötzlich im Sturzflug

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Erding - 109 Passagiere in einem Lufthansa-Airbus auf dem Weg nach München haben einen Alptraum erlebt: Die Maschine sauste plötzlich im Sturzflug gen Boden, die Piloten waren erst einmal hilflos.

Flug LH 1829 startete am 5. November vergangenen Jahres planmäßig um 7.40 Uhr in Bilbao. Flugziel war der Flughafen München, geplante Ankunft um 10 Uhr. Etwa 15 Minuten nach dem Start, die Maschine befand sich noch im Steigflug, aber kam es zu einer schwerwiegenden Störung.

Der Autopilot, so berichtete das Fachmagazin aero.de, habe den Airbus A 321 auf einer Flughöhe von rund 9.450 Metern in einen abrupten Sinkflug geschickt. Die Sinkrate betrug etwa 4000 Fuß – umgerechnet 1200 Meter – in der Minute. Etwa eine Minute lang sank die Maschine unkontrolliert, die Piloten konnten nicht eingreifen.

Nach Informationen von „Aviation Herald“ waren beim Start in Bilbao zwei Sensoren eingefroren, die den Anstellwinkel des Flugzeugs messen. Dadurch habe der Autopilot so reagiert, als ob dem Airbus ein so genannter Strömungsabriss drohe. Als Gegenmaßnahme wurde automatisch der Sinkflug eingeleitet. Die Piloten hätten diesen Zwischenfall aber „souverän“ gemeistert, berichtet das Fachmagazin weiter. Sie schalteten den Bordcomputer ab und brachten so den Airbus wieder unter Kontrolle.

Sinkflug habe unter den 109 Passagieren zu keiner Panik geführt

Lufthansa meldete die Störung umgehend bei der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung an, bestätigte der Sprecher dieser dem Bundesverkehrsministerium unterstellten Behörde, Gernout Freitag. Dort spricht man von einer „schweren Störung“ und einem „Beinaheunfall“. Der Sinkflug habe unter den 109 Passagieren des Airbus zu keiner Panik geführt, er habe nicht um 90 Grad abrupt nach unten geführt, sondern sei eher zu vergleichen „mit einem Landeanflug“.

Trotzdem: Die Bundesstelle leitete eine Untersuchung ein, ein Zwischenbericht soll Mitte kommender Woche veröffentlicht werden. Angaben zur Unfallursache macht der Sprecher nicht. Die Piloten seien befragt worden, die Bordcomputer ausgewertet, auch die Wetterlage und die Wartungsintervalle des Flugzeugs überprüft worden. „Das ist wie ein großes Puzzle.“ Als Sofortmaßnahme seien bei der kompletten A320-Familie – insgesamt 80 Flugzeuge – die Sensoren ausgetauscht worden.

Der Betroffene Airbus wurde drei Tage lang durchgecheckt. Die Lufthansa bestätigte den Vorfall. Die beiden Piloten hätten „sehr gut reagiert“ und die Maschine sicher bis nach München gebracht, wo sie ohne Probleme gelandet sei, erklärte Sprecherin Bettina Rittberger. In Pilotenkreisen hat der Vorfall schon die Runde gemacht. „Das ist kein Wartungsproblem, sondern ein Konstruktionsproblem des Flugzeugs“, erklärte ein Lufthansa-Pilot unserer Zeitung. Es zeige sich einmal mehr, dass gut ausgebildete Piloten unverzichtbar seien.

Lufthansa hat gerade ganz andere Probleme

Die Lufthansa hat gerade noch ganz andere Probleme: Die Fluggesellschaft findet keinen Ausweg aus dem Tarifkonflikt mit ihren Piloten. Insider sprechen von "dem schlimmsten Konflikt in der Geschichte der Lufthansa". Die Piloten fürchten demnach auch, dass gut ausgebildete Piloten durch schlechter ausgebildete und billigere Piloten ersetzt werden.

dw/kg

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