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Lange Zeit eine Seltenheit im Erdinger Moos: startende und landende Flugzeuge.

Desaströse Halbjahresbilanz – Luftfahrt fordert Lockerungen

Starthilfe von der Politik

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Der Flugverkehr in Deutschland ist im ersten Halbjahr um 66 Prozent zurückgegangen. Damit ist die Branche hier stärker von der Corona-Pandemie betroffen als der weltweite Durchschnitt.

Flughafen – Global sank der Flugverkehr um 53 Prozent. Diese Zahlen nennt der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL).

Im März und April starteten und landeten so gut wie gar keine Flugzeuge. Seit Juni nehmen die deutschen und ausländischen Fluggesellschaften nach BDL-Statistiken ihre Flugverbindungen schrittweise wieder auf. Ab europäischen Flughäfen fanden im Zeitraum von Juli bis August im Vergleich zum Vorjahr wieder 40 Prozent der Passagierflüge statt. In Deutschland ist diese Entwicklung allerdings noch geringer. Hier wurden nur 33 Prozent der Passagierflüge wieder angeboten.

Die Flughafen München GmbH (FMG) zählte im Februar knapp 30 000 Flugbewegungen und annähernd drei Millionen Passagiere. Im März, als der Lockdown begann, waren es im Erdinger Moos nur noch 18 000 Flugbewegungen und 1,3 Millionen Passagiere, im April gerade einmal 2000 Flüge und 23 000 Gäste, im Mai 2300 Flüge und 40 000 Passagiere, im Juni 4800 Flüge und 220 000 Passagiere und im Juli dann schon wieder 10 000 Flüge und 667 000 Passagiere.

Nun wirkt sich bundesweit das Ferienende negativ aus: Die Wiederaufnahmerate sinkt wieder, hat der BDL festgestellt. Das liegt nach Auffassung des Branchenverbands auch an den Restriktionen der Politik. „Wenn wir wollen, dass der Luftverkehr sich wieder selber finanzieren kann, müssen die Blockaden enden. Eine Nachfrage ist da. Deswegen müssen wir weiter daran arbeiten, Reisebeschränkungen aufzuheben und gesundheitlich verantwortbare Alternativen für die derzeitigen blockierenden Regeln zu finden“, sagt BDL-Chef Peter Gerber.

Bereits im April habe die Luftverkehrswirtschaft Maßnahmen entlang der gesamten Reisekette mit den Behörden in Bund und Ländern etabliert, um gesundheitlich sicheres Fliegen zu gewährleisten. „Jetzt braucht es insbesondere Maßnahmen für die Wiederaufnahme des Transatlantikverkehrs“, so Gerber.

Derzeit befinden sich bei deutschen Airlines und Flughäfen 83 000 Beschäftigte in Kurzarbeit. Gerber sagt tiefe Einschnitte in Belegschaften, Flotten und Flughafeninfrastruktur voraus. Die Forderungen des BDL aus diesem Grund: Die Kurzarbeiterregelung müsse bis 2022 verlängert werden. „Zudem ist sicherzustellen, dass auch die Flughäfen, die während der gesamten Krise ihren Betrieb aufrechterhalten haben, jetzt zügig Zugang zu Finanzierungsbrücken erhalten. Und der Bund muss Vorsorge treffen, um die massiven Einnahmeausfälle der Flugsicherung mit Mitteln aus dem Bundeshaushalt auszugleichen“, verlangt Gerber.

Er geht davon aus, dass im Jahr 2023 etwa 90 Prozent des Niveaus von 2019 erreicht sein werde. Erst ab 2024 könne mit – marginalen – Zuwächsen über die Ergebnisse des vergangenen Jahres hinaus gerechnet werden. ham

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