Mähgut-Abtransport: Nadja Herzer (FFF) und Christian Magerl (BN Freising) gehen flächenschonend per Hand vor.
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Mähgut-Abtransport: Nadja Herzer (FFF) und Christian Magerl (BN Freising) gehen flächenschonend per Hand vor.

Einziger grüner Fleck in Riesenbaustelle

Widerstandszone am Flughafen München: Naturschützer und Fridays for Future halten eisern an Grünfläche fest

  • Markus Schwarzkugler
    VonMarkus Schwarzkugler
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Mit dem Flughafen und dem Bund Naturschutz verhält es sich ein bisserl so wie mit den Römern und den Galliern. Seit fast einem halben Jahrhundert halten die Naturschützer der Kreisgruppe Freising-Erding, inzwischen mit Unterstützung der Freisinger Fridays for Future-Gruppe (FFF), an einer Grünfläche fest.

Flughafen München - Besagtes Grundstück, also quasi das gallische Dorf, ist laut Pressemitteilung des BN nun der einzige grüne Fleck in einer Riesenbaustelle – eingekreist von Betonflächen des Vorfelds Ost, der Startbahn Süd und den 180 000 Quadratmetern des erweiterten Vorfelds Ost. Bis vor rund einem Jahr war die Widerstandsfläche noch von einem Landwirt gemäht worden, was jedoch wegen infrastruktureller Veränderungen nicht mehr möglich war.

Flughafen München: Naturschützer und Fridays for Future pflegen Grünfläche

Nun war es bei einem gemeinsamen Ortstermin Zeit für BN und Fridays for Future, selbst Hand anzulegen auf dem 1000 Quadratmeter umfassenden Areal. Ausgestattet mit Motorsensen, Gabeln und Rechen machten sie sich an die Pflegearbeiten, „um trotz Beton und Flugverkehr dieses kleine Stück Natur zu erhalten“, wie es BN-Kreisgeschäftsführer Manfred Drobny formuliert. Er und seine Mitstreiter fordern eine Zukunft für die Mooswiesen, gemäß dem Motto: „3. Startbahn raus, Klimaschutz rein!“

Laut Drobny leben auf der Wiese nach wie vor „bemerkenswerte Tiere“ wie die Hausmutter, ein großer Nachtfalter, oder auch Bachstelzen. Mähe man die Fläche nicht, verfilze sie, viele typische Wiesenarten würden verschwinden.

In der Pressemitteilung machen Bund Naturschutz und Fridays for Future auch darauf aufmerksam, dass der Flugverkehr und erst recht jeglicher Ausbau alles andere als nachhaltig seien. Und: „Wir können es uns nicht mehr leisten, noch mehr Fläche und noch mehr Moorboden zu opfern“, sagen Erdings BN-Kreisvorsitzende Gabriele Betzmeir und Freisings Kreischef Wolfgang Willner unisono. Katharina Klimm von Fridays for Future Freising fordert: „Moorboden renaturieren und so CO2 einsparen statt einer 3. Bahn.“

Flughafen München: Bund Naturschutz und Fridays for Future fordern Regierung zum Handeln auf

BN und Fridays for Future fordern die bayerische Staatsregierung zum Handeln auf. Der Planfeststellungsbeschluss der 3. Bahn solle aufgehoben, der Flugverkehr zum Schutz des Klimas reduziert und auch Lärm sowie Schadstoffe zurückgefahren werden.

Ein Instrument hierfür sei die aktuelle Fortschreibung des Landesentwicklungsplans. „In diesem gesetzlichen Planungsinstrument ist die geplante 3. Bahn als sogenannte Vorrangfläche drin. Diese muss bei der Fortschreibung raus“, betont Drobny. „Angesichts des Klimawandels und der Entwicklung im Flugverkehr wäre alles andere unverantwortlich. Stattdessen muss der dortige Moorboden geschützt und regeneriert werden.“ Die Staatsregierung und der Landtag seien gefordert.

Bund Naturschutz gehört Grundstück am Flughafen München: „Werden auf keinen Fall freiwillig verkaufen“

Bereits 1973 hat der BN das Grundstück gekauft, auch um eine Klageberechtigung gegen den Flughafenbau zu haben. Das wäre heute nicht mehr zwingend nötig, aber BN-Vorstandsmitglied Christian Magerl denkt trotzdem keinesfalls an eine Veräußerung: „Wir werden das Grundstück freiwillig auf keinen Fall verkaufen. Und es soll eine dauerhafte Mahnung bleiben: Klimaschutz ist wichtiger als unbegrenzter Flugverkehr.“

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