Drogenkurier oder Drahtzieher?

Flughafen - Mit 39 Monaten Haft kam ein Drogenschmuggler gut davon.

Auch nach vier Verhandlungstagen war einem Kraftfahrer nicht nachzuweisen, dass er der Initiator des gescheiterten Transports von elf Kilogramm Marihuana war. Das Landgericht Landshut verurteilte ihn als einfachen Kurier.

Am 8. Dezember 2009 war eine im bulgarischen Petric lebende vierfache Mutter mit der Maschine aus Amsterdam auf dem Münchner Flughafen gelandet. Ihr Gepäck stank dermaßen nach Marihuana, dass die Reise abrupt zu Ende ging. Als die Zollbeamten den Koffer öffneten, fanden sie 24 Päckchen mit insgesamt 11,1 Kilogramm Marihuana. Die Frau wurde nach einem umfassenden Geständnis zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. Dabei war ihr der Kronzeugenbonus strafmildernd angerechnet worden, denn sie hatte den 42-jährigen Landsmann als ihren Auftraggeber benannt, der im Juni letzten Jahres ausgeliefert wurde.

Der zuletzt Arbeitslose wehrte sich aber vehement gegen diesen Vorwurf. Er hätte selbst als Kurier aktiv werden sollen, habe es aber mit der Angst bekommen und den Koffer der 39-Jährigen zurückgebracht. Tatsächlich wollen Zeugen gesehen haben, dass sie ihm nicht nur das Flugticket und ein Handy, sondern auch noch 1000 Euro übergeben habe.

Angesichts der widersprüchlichen Aussagen, so resümierte Staatsanwältin Barbara Haseitl, lasse sich nicht mehr klären, wer welchen Part gehabt habe. Die Anklagevertreterin forderte für die Beihilfe zum illegalen Drogenhandel in nicht geringer Menge eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren, während der Verteidiger eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren für ausreichend erachtete.

Die 6. Strafkammer folgte der Argumentation der Staatsanwältin, machte aber beim Strafmaß Abstriche. Es bestehe kein Zweifel, dass es sich um einen Coup einer internationalen Drogenbande gehandelt habe, so Vorsitzender Richter Robert Mader, allerdings habe der Kraftfahrer nur einen geringen Tatbeitrag geleistet. (ötl)

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