„Druck auf kranke Mitarbeiter“

Flughafen - Die Vorwürfe der Gewerkschaft Verdi sind heftig: Die Geschäftsführung der Flughafen München GmbH (FMG) übe auf kranke Mitarbeiter des Bodenverkehrsdienstes Druck aus.

Nach Darstellung der Gewerkschaft zweifle der Airport-Betreiber Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen der Ärzte an und drohe damit, die gesetzliche Lohnfortzahlung zu kürzen, sollten die Beschäftigten ihre Hausärzte nicht von der Schweigepflicht entbinden. „Dieses Vorgehen ist zynisch und unverschämt“, erklärt der Verdi-Projektsekretär am Moos-Airport, Jürgen Emmenegger. Er spricht von „einer Reihe von Fällen“, in denen die Drohung, das Krankengeld zu kürzen oder einzubehalten, bereits wahrgemacht worden sei. Eine genaue Zahl konnte Emmenegger auf Nachfrage der Heimatzeitung nicht nennen. „Aber in mindestens einem Fall ist die Klage beim Arbeitsgericht eingereicht und wird demnächst verhandelt“, so der Verdi-Sekretär.

Dem Vorsitzenden des Betriebsrates, Willy Graßl, ist nicht bekannt, dass der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung einbehalten habe. „Wir haben eine vernünftige Betriebsvereinbarung, die noch vom Betriebsrat unter dem Vorsitz meines Vorgängers Ralf Krüger vereinbart wurde. Der Schutz der Beschäftigten ist sehr groß“, so Graßl.

Der Arbeitgeber habe das Recht, in Einzelfällen die Lohnfortzahlung zu verweigern. „Das muss aber auch dem Betriebsrat vorgelegt werden. Bei strittigen Angelegenheiten entscheidet das Gremium“, so Graßl. Beispielhaft führt er an, wenn ein Mitarbeiter im Ausland erkranke und dadurch seinen beantragten Urlaub verlängere. „Da ist der Arbeitgeber berechtigt, den Beschäftigten zum Vertrauensarzt zu schicken“, meint Graßl.

Völlig vom Tisch wischt der FMG-Pressesprecher Ingo Anspach die Verdi-Vorwürfe. „Das ist nicht neu, dass von unmenschlichen und familienfeindlichen Arbeitsbedingungen gesprochen wird. Wenn das alles so furchtbar im Unternehmen ist, muss gefragt werden, warum die Mitarbeiter nicht gehen. Innerhalb der letzten mehr als zwölf Monate gab es nur sieben Kündigungen. Im Rahmen der geltenden gesetzlichen Regelungen werden nach bestimmten Fehlzeiten Gespräche mit den Mitarbeitern geführt. Das ist ein normales Verfahren im Rahmen des Gesundheitsmanagements. Uns ist daran gelegen, die Fehlzeiten zu minimieren“, so Anspach. (nie)

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