Elf Verstöße am Flughafen

Obdachloser ignoriert Hausverbot

Er drückte vor der 2. Strafkammer des Landshuter Landgerichts auf die Tränendrüse. Aber es nutzte nichts: Für sechs Monate muss ein 62-jähriger Obdachloser für beharrliche Verstöße gegen das Hausverbot im Flughafen-Zentralbereich hinter Gitter.

VON WALTER SCHÖTTL

Flughafen – Bereits seit 2016 hat der 62-Jährige Hausverbot am Flughafen, das ihm zunächst mündlich und dann auch schriftlich erteilt wurde. Weil er das beharrlich negierte, handelte er sich bereits in der Vergangenheit zahlreiche Verurteilungen ein. Zunächst Geldstrafen und schließlich, als auch noch Beleidigungen der Sicherheitskräfte und eine falsche Verdächtigung dazu kamen, sogar Freiheitsstrafen.

Nichtsdestotrotz wurde er auch am ersten Weihnachtsfeiertag 2018 im Zentralbereich gesichtet und in der Folge bis Januar 2019 noch weitere zehn Mal – teilweise am Vormittag, aber auch spät in der Nacht. Die insgesamt elf Verstöße gegen das Hausverbot brachten ihm beim Strafrichter des Amtsgerichts Erding eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten ein.

Dagegen legten er, aber auch die Staatsanwaltschaft, die eine höhere Strafe gefordert hatte, Berufung ein. Vor der 2. Strafkammer beim Landgericht Landshut drückte der 62-Jährige, der am 11. Februar dieses Jahres festgenommen wurde und inzwischen in der JVA Aichach Ersatzfreiheitsstrafen wegen nicht bezahlter Geldstrafen verbüßt, auf die Tränendrüse. Er habe, so berichtete er, 1983 sein Diplom als Maschinenbauingenieur erworben und sei bis 2003 in seinem Beruf tätig gewesen, ehe er sich dann für die Selbstständigkeit im Bereich erneuerbare Energien entschieden habe. Ab 2008 habe er dann allerdings finanzielle und juristische Probleme bekommen. Seit über sieben Jahre sei er nun schon obdachlos.

„Ich lebe auf der Straße, aber aus dem aufgeheizten Milieu halte ich mich heraus. Da versucht jeder, sein Ego aufzumöbeln“, erklärte der 62-Jährige seine Abneigung gegen Obdachlosenunterkünfte. „Außerdem heißt es dort zumeist: Morgen haust du wieder ab...“

Inzwischen habe er auch große gesundheitliche Probleme, sei 100 Prozent schwerbehindert, so dass bei ihm quasi ein „Notstandsrecht“ vorliege, zumal er sich keine Wohnung leisten könne. Wie oft er bereits verurteilt worden sei, wisse er nicht: „Da habe ich keine Kontrolle mehr.“

Vorsitzender Richter Peter Pöhlmann machte dem Obdachlosen klar, dass es in seinem Fall kein Notstandsrecht gebe: „Schließlich gibt es zahlreiche Unterkünfte.“ Und dann seien noch eine Reihe weiterer einschlägiger Verfahren offen, die vorläufig eingestellt worden seien. Auch Staatsanwältin Jacqueline Wallinger machte dem 62-Jährigen klar, dass eine Strafaussetzung zur Bewährung nicht infrage komme. Angesichts der zahlreichen Vorstrafen und der hohen Rückfallgeschwindigkeit sehe sie vielmehr eine Freiheitsstrafe im Bereich von neun Monaten als angemessen an.

So lange wollte der Obdachlose offenbar die „freie Kost und Logis“ in der JVA nicht in Anspruch nehmen, nach kurzer Rücksprache mit seinem Verteidiger nahm er die Berufung zurück. Ebenso die Staatsanwältin. Vorsitzender Richter Pöhlmann gab ihm noch den Rat mit auf den Weg, sich an den Sozialdienst in der JVA zu wenden: „Von dem erhalten Sie sicher Unterstützung auf der Suche nach einer Bleibe nach der Entlassung.“

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