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Er wollte nur seiner schwer verletzten Freundin helfen. Doch dabei brachte sich ein Brite selbst in Lebensgefahr.

Alles für seine Freundin

Brite schluckt 80 Koks-Päckchen - als er am Flughafen München ankommt, schwebt er in Lebensgefahr

Ein 40-Jähriger ließ sich als Drogenkurier anheuern und schluckte 80 Fingerlinge voller Kokain - insgesamt 860 Gramm mit einem hohen Wirkstoffgehalt.

Flughafen/Landshut – Er wollte nur seiner schwer verletzten Freundin helfen. Doch dabei brachte sich ein Brite selbst in Lebensgefahr. Der 40-Jährige ließ sich im Mai dieses Jahres als Drogenkurier anheuern und schluckte 80 Fingerlinge voller Kokain – insgesamt 860 Gramm mit einem hohen Wirkstoffgehalt. Später stellte sich heraus, dass sich der Grafiker dabei eine schwere Darmverletzung zugezogen hatte. Ohne die rasche Behandlung im Klinikum Erding wäre er daran vermutlich gestorben.

Nun musste sich der Mann vor dem Landgericht Landshut verantworten – und wurde zu vier Jahren und drei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.

Aufgeflogen war der Brite nach seinem Flug von Punta Cana in der Dominikanischen Republik. Bei der Einreise stellten Zoll und Bundespolizei fest, dass der Passagier Koks-Päckchen geschluckt hatte. Bereits im Flieger hatte er einen der Fingerlinge ausgeschieden. Dass er in Lebensgefahr schwebte, stellte sich im Erdinger Klinikum heraus, wo sein Darm ausgeräumt werden musste.

Wegen seiner schwer verletzten Freundin wurde der Brite wieder zum Drogenkurier

Vor Gericht gab der 40-Jährige alles zu. Er sei unter schlimmen Verhältnissen in einem sozialen Brennpunkt aufgewachsen. 2008 sei er schon einmal als Drogenkurier verurteilt worden – zu sechs Jahren Gefängnis, von denen er aber nur zehn Monate habe verbüßen müssen.

Erneut zum Koks-Boten sei er geworden, als seine Freundin mit Messerstichen schwerst verletzt wurde. „Ich habe noch die erste Operation bezahlt, aber dann ist mir das Geld ausgegangen. Ich konnte den weiteren Aufenthalt, die Medikamente und noch eine ausstehende Operation nicht bezahlen“, erzählte der Grafiker. 6000 Euro seien ihm für die 100 Fingerlinge geboten worden, von denen er aber „nur“ 80 habe schlucken können. Zielort sei Köln gewesen.

Die Kammer blieb mit der verhängten Freiheitsstrafe unter dem Antrag von Staatsanwalt Johannes Putz, der fünf Jahre gefordert und auf die erhebliche Menge ebenso verwiesen hatte wie auf die einschlägige Vorstrafe, „die sich der Angeklagte nicht zur Warnung dienen ließ“.

Der Verteidiger sprach von einer „Verzweiflungstat“

Verteidiger Dr. Thomas Krimmel führte dagegen ins Feld, dass es sich um eine „Verzweiflungstat“ seines Mandanten gehandelt habe, der nur seiner Freundin habe helfen wollen und dafür die falsche Entscheidung getroffen habe. Der Anwalt hielt eine Freiheitsstrafe von knapp unter vier Jahren für schuldangemessen.

Vorsitzender Richter Ralph Reiter verwies in der Urteilsbegründung darauf, dass man beim Strafmaß für die illegale Einfuhr und die Beihilfe zum Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge die individuellen Besonderheiten des Falles berücksichtigt habe. Allerdings könne er im Vergleich zu anderen Kurieren keinen größeren Bonus geben.

Sie handelten fast ausnahmslos aus Geldnot, nicht um sich Luxus leisten zu können. Bei Bodypackern liege zudem eine gewisse kriminelle Energie vor, sie nähmen sogar – wie in diesem Fall – Lebensgefahr in Kauf. Den Reibach machten die Hinterleute, skrupellose Dealer, denen das Schicksal der Kuriere, aber auch das der Konsumenten egal sei, empörte sich Reiter. 

Von Walter Schöttl

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