Unterirdisch zum Airport: FMG-Geschäftsführer Jost Lammers zeigte der bayerischen Verkehrsministerin Kerstin Schreyer und Klaus-Dieter Josel, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn (v. l.), die Tunnelbaustelle.
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Unterirdisch zum Airport: FMG-Geschäftsführer Jost Lammers zeigte der bayerischen Verkehrsministerin Kerstin Schreyer und Klaus-Dieter Josel, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn (v. l.), die Tunnelbaustelle.

Erdinger S-Bahn-Ringschluss

Die vierte Schienenanbindung zum Flughafen München

  • vonTimo Aichele
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Der Erdinger Ringschluss kommt ein Stück voran. Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer und Bahn-Bevollmächtigter Klaus-Dieter Josel haben am Mittwoch den Realisierungsvertrag für  das Teilstück vom Flughafen bis nach Schwaigerloh unterzeichnet.

Flughafen – Neun Minuten von Erding zum Flughafen –davon kann man nur träumen. Dieser Traum heißt Erdinger S-Bahn-Ringschluss. Ein Schritt Richtung Wirklichkeit ist am Mittwochvormittag passiert. Verkehrsministerin Kerstin Schreyer und der DB-Konzernbevollmächtigte für den Freistaat, Klaus-Dieter Josel, haben am Flughafen München den Realisierungs- und Finanzierungsvertrag zum Bau des Abschnitts vom Flughafen bis Schwaigerloh unterzeichnet. „Damit kommen wir dem Ringschluss ein gutes Stück näher“, sagte Josel über das 4,5 Kilometer lange Teilstück.

Man müsse die Kräfte bündeln, damit diese Erschließung fertig wird, „wenn der Flughafen seinen 40. Geburtstag feiert“, erklärte FMG-Geschäftsführer Jost Lammers. Das wäre im Jahr 2032. Für den nun auf den Weg gebrachten Abschnitt nannte Josel einen früheren Zeitpunkt. Die Vergabe werde etwa ein Jahr dauern, der Bau viereinhalb Jahre. „Wir dürfen uns also auf eine Inbetriebnahme 2025 freuen.“

Der Abschnitt zwischen Erding und Schwaigerloh sei nach der 2018 in Betrieb gegangenen Neufahrner Kurve nun der zweite Schritt zur Realisierung des Ringschlusses, erklärte Schreyer. Vollendet werde die Schienenanbindung des Airports mit der Walpertskirchener Spange und dem zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke München–Mühldorf–Freilassing.

Ein Zukunftsprojekt ist die Schienenanbindung des Flughafens mit dem Ringschluss (orange und grün), verbunden mit der Walpertskirchener Spange (rot). Bereits realisiert ist die Neufahrner Kurve (blau), auf der Züge aus Regensburg anrollen.

Die Gesamtkosten des S-Bahn-Ringschlusses liegen bei 95 Millionen Euro, der Freistaat übernimmt 26 Millionen, die Bahn zwölf Millionen und der Bund 57 Millionen Euro. Hinzu kommen noch 115 Millionen Euro, die sich die Flughafen München Gesellschaft (FMG) den zweigleisigen Bahntunnel im Osten des Airports kosten lässt – unterm Strich sind es also 210 Millionen Euro. „Bei dem Tunnelprojekt sind wir als Flughafenbetreiber in Vorleistung gegangen“, sagte Lammers bei der Unterschriftenzeremonie. Die Arbeiten lägen „voll im Zeit- und Kostenplan“. Mitte 2021 soll der Rohbau fertiggestellt werden, danach folgt die technische Ausstattung durch die Deutsche Bahn. In dem Tunnel, dessen Gleise in etwa zehn Meter unter der Oberfläche liegen, werden die Züge überwiegend in Bereichen unterwegs sein, in denen über ihnen Flugzeuge rollen.

Bei der Eröffnung vor 28 Jahren sei der Flughafen mit der S 8 angebunden worden, sechs Jahre später sei die S 1 dazugekommen, blickte Josel zurück. Dann die Neufahrner Kurve, über die Passagiere aus dem Raum Regensburg über Freising im Stundentakt anreisen können. Etwa 30 Prozent der Fluggäste würden den Airport über die Schiene erreichen, so Josel.

Die vierte Schienenanbindung wäre dann der S-Bahn-Ringschluss, der auch die Kreisstädte Freising und Erding miteinander verbinden und vor allem den Bahnanschluss des südostbayerischen Raums an das Luftfahrt-Drehkreuz im Erdinger Moos bringen soll. Ein wichtiger Baustein dafür ist auch die Walpertskirchener Spange, die vorgesehene Verbindung des Bahnstrecke München–Mühldorf mit Erding und seinem S-Bahnhof. Dafür läuft das Planfeststellungsverfahren seit März 2019.

Ebenso wie MdB Andreas Lenz (CSU) und MdL Benno Zierer (FW) waren die beiden Oberbürgermeister von Erding und Freising auch bei der Vertragsunterzeichnung dabei. „Ich hoffe schon sehr, dass wir in den 30er Jahren darauf fahren werden“, sagte OB Max Gotz (Erding) auf Nachfrage unserer Zeitung über den Ringschluss. Es sei aber schon „ein Wahnsinn, wenn man sich die Planungshorizonte anschaut. Die Leute glauben ja schon nicht mehr daran.“ Der Freisinger Stadtchef Tobias Eschenbacher sagte dazu: „Ich hoffe, dass der Kollege Gotz und ich uns bei der Inbetriebnahme die Hände schütteln können – im Amt.“

Trotz Corona sei der Bereich Bau bisher stabil, erklärte Schreyer. „Am Ende wird es aber um die Frage gehen: Sind auch die Bauarbeiter und das Material da?“, sagte sie. „Wir haben täglich 100 bis 120 Bauarbeiter auf der Baustelle. Die kommen aus halb Europa“, erläuterte Jens Arndt, bei der FMG Leiter des Bereichs Real Estate. Bisher habe es hier noch keine Probleme gegeben. Um den schärferen Hygiene-Anforderungen gerecht zu werden, hätten die Baufirmen schon reagiert, ergänzte Projektleiter Thomas Hausruckinger auf Nachfrage: „Die Unterkünfte wurden kleinteiliger und dezentral organisiert.“

Der Flughafen habe seinen Anteil der Bauarbeiten schon zu 65 Prozent erledigt, berichtete Arndt den politischen Gästen vor Ort auf der Baustelle. 400 000 Kubikmeter Erdreich seien bewegt worden. „Mit dem Bewehrungsstahl, den wir hier verbauen, könnten wir eineinhalb Eiffel-Türme bauen“, verdeutlichte Arndt.

Nach den Tunnelarbeiten ist das Neun-Minuten-Ziel ein Stückchen näher. Nach dem Abschnitt Flughafen–Schwaigerloh muss dann aber erst einmal das deutlich längere Teilstück bis Erding in Angriff genommen werden. Bis dahin dauert die Fahrt im Flughafenbus der Linie 512 noch 36 Minuten.

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