Drei Menschen auf der betonierten Fläche.
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Im Tunnel-Rohbau: Auf der Rampe zum Tunnel stehen v.l. Finanzminister Albert Füracker, Flughafen-Chef Jost Lammers und Verkehrsministerin Kerstin Schreyer.

Tunnel unter dem Flughafen im Rohbau fertig

Flughafen München: S-Bahn-Tunnel im Rohbau fertig - „Meilenstein“ im ÖPNV-Ausbau

  • Dirk Walter
    VonDirk Walter
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Der Erdinger S-Bahn-Ringschluss als Gesamtbauwerk liegt noch in ferner Zukunft. Doch eine wichtige Etappe ist geschafft: der Bahntunnel unter dem Flughafen.

München – Der Freisinger Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher hat eine Vision: Er möchte einst mit der S-Bahn von Freising nach Erding fahren. Obwohl die Städte kaum 20 Kilometer Luftlinie entfernt liegen, sind sie nicht per Bahn verbunden. Sondern nur mit Straßen. Manchmal, wenn er Lust hat, schwingt sich Eschenbacher aufs Rad. „Auf einen Kaffee.“

Doch das mit der S-Bahn ist kein ganz unrealistischer Gedanke: Gestern hat der Flughafen mit einem kleinen Festakt die Fertigstellung einer wichtigen Etappe bekannt gegeben: Der Bahntunnel unter dem Flughafen ist im Rohbau fertig.

Am Ostende des Flughafens kann man in die Röhre blicken: Eine 300 Meter lange Betonrampe führt sanft nach unten in den Tunnel. Mitten auf der Rampe unter einem Zeltdach hält Bayerns Finanzminister Albert Füracker (CSU) als Aufsichtsratschef des Flughafens eine Rede. Der Flughafen hat den Tunnel mit 115 Millionen Euro finanziert. Endlich mal „ein freudiges Ereignis“ für den durch die Corona-Krise gebeutelten Flughafen, sagt Füracker. Auch das unvermeidliche Wort vom „Meilenstein“ fällt.

Erdinger Ringschluss bei S-Bahn rückt näher: Meterdicke Betonwände

Es ist ein Tunnel in Massivbauweise: „Wir stehen hier auf 2,4 Meter Beton“, sagt Bauleiter Jens Arndt von der Flughafen München GmbH. Das Grundwasser im Erdinger Moos machte den Bauleuten zu schaffen. Sogar Taucher wurden eingesetzt, die unter Wasser betonierten. Oben an der Decke ist der Beton einen Meter dick, an den Seiten 50 Zentimeter. 19 000 Mal lieferten Betonmischer ihren flüssigen Matsch an, 33 000 Lkw-Fahrten waren notwendig, um den Erdaushub wegzukarren.

Unsere Grafik zeigt das Gesamtprojekt des Ringschlusses.

Der 1,5 Kilometer lange Tunnel ist das erste Stück des Erdinger Ringschlusses. Nun ist die Deutsche Bahn am Zug, sagt Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU). Gleise und Oberleitung fehlen noch. Außerdem: Knapp hinter der Rampe ist derzeit Ende Gelände – es wächst dichter Wald. Den muss die Deutsche Bahn fällen, um die Strecke die restlichen zwei Kilometer bis Schwaigerloh, einem Ortsteil von Oberding, weiter zuführen. In Schwaigerloh mit seinem großen Gewerbegebiet entsteht ein Bahnhof sowie eine Wende- und Abstellanlage für Züge. Der Ausbau der Strecke kostet weitere 100 Millionen Euro. Ende 2025 sollte das fertig sein, mahnt Schreyer. In ihrer Rede klingt die Sorge mit, dass die Bahn ihren Zeitplan nicht einhält. Nicht ohne Hintersinn unterstreicht Flughafen-Chef Jost Lammers, dass der Flughafen ohne Zeitverzögerung geliefert hat: drei Jahre nach dem Spatenstich. „Das ist ein echtes Aufbruchsignal“, sagt Lammers, der auch die Hoffnung auf einen Fernbahnhof mit ICE-Anschluss nicht aufgeben mag. Eine Machbarkeitsstudie soll, nach Verzögerungen, in diesem Jahr vorgestellt werden.

Erdinger Ringschluss bei der S-Bahn: Nächste Etappe steht an

Doch Vorrang hat der Ringschluss: Nächste Etappe wäre eine Schienenverbindung von Schwaigerloh bis Erding für 390 Millionen Euro mit Anschluss an die bestehende S2-Strecke. Während Flughafen-Chef Lammers mit der Fertigstellung bis 2029 rechnet, ist der Erdinger Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) vorsichtiger. „Ich hoffe, dass das so eintritt.“ Aber Klagen gegen das Projekt seien möglich. Sieben waren am Verwaltungsgericht München schon anhängig, drei wurden abgewiesen, drei zurückgenommen. Die Klage eines Landwirts ruht. Doch es könnten weitere Klagen kommen – dann, wenn die 200 Einwendungen gegen die Planfeststellung behandelt sind.

Als Schlusspunkt soll ein neun Kilometer langes Gleis („Walpertskirchener Spange“) von Erding zur Bahnstrecke Mühldorf-Salzburg führen. Dann könnten die Züge von Nürnberg bis Salzburg über den Flughafen fahren – und viele Kurzstreckenflüge entfallen. Zum Zeitpunkt der Fertigstellung macht die Bahn vorsichtshalber keine Angaben.

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