Erdingerin (47) mit Behindertenausweis fühlt sich mürbe gemacht

Schon wieder eine Klage gegen Lufthansa

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Sie klappte bei der Arbeit am Check-In im November zusammen. Der Notarzt brachte sie ins Klinikum: „Ich habe keine Luft mehr bekommen“, erzählt die Erdingerin (47). Sie arbeitet bei Lufthansa, hat schweres Asthma und eine Duftallergie: „Allein, wenn jemand stark raucht, und ich atme das ein, bekomme ich keine Luft mehr.“

VON ANNA SCHWARZ

Flughafen – Ein Lufthansa-Betriebsarzt habe ihr bescheinigt, dass sie vom Check-In-Schalter weg müsse und einen Bürojob brauche. Die Lufthansa wollte das nicht einsehen. 2015 kam der Streit vor das Arbeitsgericht München, die Erdingerin mit Schwerbehindertenausweis bekam Recht. Aber am heutigen Mittwoch beginnt ihr Kampf von vorn.

Seit fast 20 Jahren arbeitet die Frau bei der Lufthansa. Zwei Jahre nach dem Prozess lief beruflich alles so, wie sie es sich vorgestellt hatte. Der Konzern und sie einigten sich, dass sie einen Job in der Ticketkontrolle im Büro bekommt. Aber im Januar 2018 teilte ihr die Personalabteilung „aus heiterem Himmel“ mit, dass sie wieder in der Passage, also dem Check-In, arbeiten solle. „Die Begründung war, dass ich Kollegen gemobbt hätte.“ Die 47-Jährige bestreitet das: „Als Grund wurden Lappalien genannt: Dass ich verboten hätte, die Stehlampe im Büro anzumachen oder Kollegen nicht gegrüßt hätte.“ Eine Abmahnung oder ein Schlichtungsgespräch habe es nie gegeben. Die Lufthansa will zu dem Arbeitsstreit nichts sagen, so Pressesprecherin Bettina Rittberger: „Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, ist es leider nicht möglich, dass wir uns zu dem Vorgang äußern.“

Die Erdingerin hofft, nach dem Prozess wieder einen Bürojob zu bekommen, denn sie könne nicht zurück in die Passage: „Das geht nicht.“ Das habe der Einsatz am Check-In mit anschließendem Krankenhaus-Aufenthalt im November gezeigt. Der Betriebsarzt und weitere Fachärzte hätten ihr bestätigt, „dass ich einen Arbeitsplatz brauche, wo ich lüften kann und wenig Publikumsverkehr habe“.

Stattdessen habe sie die Lufthansa im November auch am Curbside Check-In eingesetzt – für am Parkplatz aussteigende Business- und First-Class-Kunden: „Da war ich über vier Stunden eingeteilt“, sagt die Erdingerin – obwohl die Maximalarbeitsdauer bei herbstlicher Witterung dort nur zwei Stunden betrage: „Es war November und ziemlich kalt.“ Sie bekam starken Husten und Atemnot: „Das hat meine Lunge wieder ziemlich geschädigt. Danach war ich bis Ende Januar krankgeschrieben.“

Es folgten Eingliederungsgespräche mit der Personalabteilung: „Aber das lief wieder ins Leere, die haben mir keinen Job im Büro vermittelt.“ Deshalb beschloss sie im Februar, erneut gegen ihren Arbeitgeber zu klagen – „wegen Versetzung/leidensgerechter Beschäftigung“. Außerdem habe sie die Abteilung für Menschenrechte der Lufthansa eingeschaltet, erzählt sie, denn: „Hier wird mit Absicht gegen meine Gesundheit und die vorgelegten Atteste verstoßen.“

Seit Ende Februar wird die Erdingerin immerhin nicht mehr am Check-In eingesetzt: „Mittlerweile hatte ich den dritten Check-In-Kurs“, immer wieder lerne sie dort von Grund auf, was ein Gepäckstück ist, und wie Passagiere abzufertigen sind: „Und das nach 20 Jahren Berufserfahrung: Das ist demütigend und völlig sinnbefreit.“ Schließlich könne sie aus gesundheitlichen Gründen nie wieder am Check-In arbeiten.

Den Arbeitgeber zu wechseln, kommt für die Erdingerin nicht infrage. Die Lufthansa habe ihr eine Abfindung von 45 000 Euro angeboten, die hat sie abgelehnt: „Das war mir zu wenig.“ Sie ist alleinerziehend und hat eine 18-jährige Tochter. Außerdem gehe es ihr ums Prinzip: „Das ist ein Riesenkonzern.“ Sie habe das Gefühl, „dass die Schwerbehinderte mürbe machen wollen, um sie kostengünstig zu entsorgen“.

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