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Bei der Einreise am Flughafen ließ die Bundespolizei bei einem Deutsch-Russen die Handschellen klicken. 

Festnahme am Flughafen mündet in spektakulärem Prozess

Pro-russischer Kämpfer im Gefängnis

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Fast täglich gehen der Bundespolizei am Flughafen international gesuchte Straftäter ins Netz. Doch als Beamte einen 49 Jahre alten Russen mit deutschem Pass bei der Einreise festnahmen, konnten sie nicht ahnen, dass sie einen deutschlandweit bislang wohl einzigartigen Prozess in Gang setzen sollten.

Flughafen/Landshut – Der Mann wollte dem russischen Bevölkerungsanteil in der Ukraine helfen und schloss sich deshalb vor über sechs Jahren einer Organisation an, um auf Seiten pro-russischer Rebellen an Kampfhandlungen in der früheren Sowjetrepublik teilzunehmen. Dass sich nun deutsche Gerichte mit dem Fall auseinandersetzen mussten, liegt an der Tatsache, dass der Mann seit 2012 ausschließlich die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt. In Landshut landete der Fall wegen der Festnahme am Airport

Vor dem Landshuter Schwurgericht wies der Generalstaatsanwalt auch auf den präventiven Aspekt hin: „Es ist nicht zu akzeptieren, dass sich ein deutscher Staatsangehöriger an Bürgerkriegshandlungen im Ausland beteiligt.“

Der Täter war bereits voriges Jahr von der Staatsschutzkammer München I wegen Vorbereiten einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Dieses Urteil bezog sich auf die Vorbereitungen in Sankt Petersburg. Nun erhielt der 49-Jährige eine weitere Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten wegen versuchten Totschlags in zwei Fällen für die Kriegshandlungen selbst.

Der gebürtige Russe räumte ein, dass er in der Ukraine während eines fünfeinhalb Stunden andauernden Gefechts in Starobeschowo mehrere Schüsse aus einem Sturmgewehr auf den Feind abgegeben habe. Zudem hatte er laut Anklage einen Panzer beschossen, der daraufhin ausbrannte. Immerhin: Es wurde niemand getötet, und die Panzerbesatzung konnte ins Freie retten.

Durch einen anonymen Hinweis kamen die Ermittlungen ins Rollen. Die Fahnder sahen sich auch ein Interview des Täters im russischen Fernsehen an, in dem er die Kampfhandlungen selbst beschrieb.

Das Geständnis ebnete den Weg zu einer Verständigung, auf der das Urteil dann auch basierte. Der 49-Jährige bat vor dem Schwurgericht um Entschuldigung. Er habe sich „ideologisch komplett von seiner damaligen Einstellung distanziert“. Er habe nur helfen und niemals auf Menschen zielen wollen, beteuerte er. Aber als sich ukrainische Truppen auf seine Gruppe zubewegt hätten, sei die Situation eskaliert.

Als er sich entschlossen habe, in die Ukraine zu gehen, habe er gedacht, es funktioniere wie in seinem Job als Türsteher: „Da reicht es auch oft, wenn man einfach nur Präsenz zeigt.“  nig

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