+
Ein knappes Kilo Kokain stellte der Zoll am Flughafen sicher. Ein Österreicher muss dafür ins Gefängnis (Symbolfoto)

Zusammenschau aller Indizien reichen für Verurteilung aus

Kokainhändler muss fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis

2018 war eine Kurierin verurteilt worden, nun muss auch ihr Auftraggeber hinter Gitter. Er ließ 911 Gramm Kokain schmuggeln.

Flughafen/Landshut Als die 5. Strafkammer des Landshuter Landgerichts ihr Urteil verkündete, rasteten die Angehörigen eines Salzburger Elektrohelfers aus. Türen knallten. Nach sieben Verhandlungstagen verhängte die Kammer gegen den 33-Jährigen wegen Rauschgifteinfuhr und -handels eine Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren.

Am 5. Mai 2018 war eine 25-jährige Kurierin – eine zweifache Mutter mit spanischem Pass – aus der Dominikanischen Republik kommend am Flughafen festgenommen worden. Zollfahnder hatten in ihrem Koffer 911 Gramm Kokain gefunden. Schon bei den ersten polizeilichen Vernehmungen berichtete die Fabrikarbeiterin, dass sie im Auftrag des Salzburgers, der in der gleichen Maschine geflogen sei, das Koks schmuggeln sollte.

Kurierjob für 8000 Euro

Sie habe ihn im März 2018 über einen Freund in einer Bar in Santo Domingo kennen gelernt und ihm bei weiteren Treffen von ihren finanziellen Problemen erzählt. Da habe er ihr für 8000 Euro den Kurierjob angeboten, den sie nach längerem Zögern und gegen die Bedenken ihres Freunds angenommen habe. Den Koffer sollte sie später dem 33-Jährigen übergeben.

Diese Version hatte sie in ihrem eigenen Prozess, in dem sie zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und acht Monaten verurteilt worden war, ebenso bestätigt wie nun als Kronzeugin. Der Elektrohelfer war am 13. Januar am Airport festgenommen worden, als er wieder einmal in die Dominikanische Republik fliegen wollte. In einer Reisetasche hatte er zwei Geldbündel mit jeweils 75 100-Euro-Scheinen bei sich.

Angeklagter will nichts vom Schmuggelgeschäft gewusst haben

Er beteuerte seine Unschuld. In der besagten Bar habe er Bekannte des Besitzers, darunter auch die Fabrikarbeiterin und ihren Freund, kennen gelernt. Als er erzählt habe, dass er in wenigen Tagen nach München fliege, habe ihn der Freund gefragt, ob er nicht auch für seine Partnerin einen Flug buchen könne. Darauf habe er sich eingelassen. Allerdings habe er weder die Kurierin angeheuert, noch habe er Kenntnis vom Inhalt ihres Koffers gehabt.

Die 15 000 Euro, die er bei sich gehabt habe, seien für den Kauf von Maschinen gedacht gewesen. Das Geld stamme aber nicht, wie die Staatsanwaltschaft vermute, aus Drogengeschäften, sondern aus einem Musikfestival in Österreich.

Umfangreiche Beweisaufnahme

Im Rahmen der umfangreichen Beweisaufnahme wurden unter anderem Untersuchungshäftlinge aus der JVA Landshut, die mit dem 33-Jährigen in einem Gang untergebracht waren, vernommen.

Ein Schausteller (22) berichtete dabei, dass ihm der Elektrohelfer seine Geschichte erzählt und die Anklageschrift gezeigt habe. Dabei habe er ihm bestätigt, die Kurierin angeworben zu haben. Aber, so habe er „jeden Tag aufs Neue“ geprahlt, er werde frei kommen, weil man ihm nichts beweisen könne. Das hatte der Schausteller dann auch in einem Brief an seine Freundin, der über die gerichtliche Zensur ging, in wenigen Sätzen geschildert.

Belastung durch Mitgefangen aufgrund angespanntes Verhältnis?

Zwei Mitgefangene allerdings konnten nur bestätigen, dass der Elektrohelfer bei jeder Gelegenheit seine Unschuld beteuert habe.

Staatsanwältin Lina Schneider beantragte eine Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren. Die Verteidiger Florian Alte und Johann Kohlschmidt forderten Freispruch wegen fehlender Beweise. Die 25-Jährige habe nachweislich in ihrer Aussage die Unwahrheit gesagt, um ihren Freund zu schützen. Die Belastung durch den Mitgefangenen basiere auf einem angespannten Verhältnis.

Die Kammer entsprach dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Eine Zusammenschau aller Indizien lasse keine Zweifel, dass der Elektrohelfer für den Drogentransport verantwortlich gewesen sei. Zudem sei der Salzburger zwei Monate später erwischt worden, als er eineinhalb Kilo Schmerzmittel, wie man es zum Strecken von Kokain verwende, einführen wollte. Die Drogenkurierin habe zwar nicht in allen Punkten die Wahrheit gesagt. Aber es sei verständlich, dass sie ihren Freund, der wohl hinter dem Deal stecke, schützen wollte. 

Walter Schöttl

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Flughafen München: Gesuchter Sexualstraftäter gefasst - weil er einen groben Fehler machte
Am Flughafen München ist ein Mann festgenommen worden, dem eine Sexualstraftat zur Last gelegt wird. Der Mann war zunächst geflohen - beging dann aber einen groben …
Flughafen München: Gesuchter Sexualstraftäter gefasst - weil er einen groben Fehler machte
100 Jahre Krieger Kirchasch: Kirchenzug und neues Trauerband
Den Krieger- und Soldatenverein Kirchasch gibt es seit mittlerweile 100 Jahren. Entsprechend groß fiel das Programm am gestrigen Volkstrauertag aus.
100 Jahre Krieger Kirchasch: Kirchenzug und neues Trauerband
Das Internet-Fenster zu Dorfens Geschichte
Dorfen hat eine reiche Geschichte. Der Historische Kreis erforscht und bewahrt sie. Die Erkenntnisse sind auf der neu gestalteten Internet-Seite des Vereins …
Das Internet-Fenster zu Dorfens Geschichte
Anita II. und Herbert III. – Beim dritten Mal endlich Ja gesagt
Dorfen hat ein neues Prinzenpaar: Anita Herz und Herbert Kiefinger wurden zum dritten Mal gefragt und sagten endlich zu.
Anita II. und Herbert III. – Beim dritten Mal endlich Ja gesagt

Kommentare