Die Karte aus dem „Stanly Track“-System der DFS zeigt den Flugverkehr und -höhe am 17. Juni zwischen 6 und 21 Uhr.

Hohes Flugzeugaufkommen

Viele Münchner genervt: Darum fliegen so viele Jets über der Stadt

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„Seit wann gehört München-Laim zur Einflugschneise des Flughafens?“, fragt Marija G. genervt. Derzeit düsen jeden Tag Flugzeuge über ihr Haus. Und sie ist nicht die Einzige im Münchner Westen, der das hohe Flugzeugaufkommen auffällt.

Wann, wo und wieso fliegen Jets eigentlich über dem Münchner Stadtgebiet? Und warum sind es momentan im Münchner Westen gerade so viele? Wir haben nachgefragt.

Anders als viele vermuten, gilt zunächst einmal: Der Flugraum ist frei, es gibt kein Überflugverbot, auch nicht über Millionenstädten. Wichtig sei zu wissen, dass das Lotsen der Flugzeuge zum Franz-Josef-Strauß-Flughafen genauen gesetzlichen Regelungen folge, sagt Sandra Teleki, Sprecherin der Deutschen Flugsicherung (DFS), die für die „sichere, geordnete und flüssige Abwicklung des Luftverkehrs“ verantwortlich ist. „Die Piloten entscheiden nicht selbst, auf welcher Route sie zum Erdinger Moos fliegen.“

Flugaufkommen über Stadtteilen verändert sich ständig

Besonders häufig bewegen sich Flugzeuge über dem Norden: Die Bewohner von Freimann, Feldmoching, Milbertshofen, Garching, Ismaning und Fröttmaning bekommen relativ viel Verkehr mit. Aber auch der Westen, also Pasing, Laim, Hadern, Aubing und Gräfelfing werden überflogen.

Das Flugaufkommen über bestimmten Stadtteilen verändert sich ständig. „Der Jet, der heute über das Stadtgebiet fliegt, kann eine Woche später außen an München vorbei gelotst werden“, sagt Teleki. Wie sich Flugzeuge bewegten, sei von mehreren Faktoren abhängig. So entscheidet zum Beispiel die Frage, ob Ost- und Westwind herrscht, über die Flugroute. Denn: Flugzeuge starten und landen grundsätzlich gegen die vorherrschende Windrichtung. „In den vergangenen Wochen gab es aufgrund der Schönwetterlage oft Ostwind“, erklärt Teleki. Dann sei die Wahrscheinlichkeit, dass über dem Münchner Westen Jets auftauchen, höher als sonst.

München: Lotsen müssen Flugzeuge am Himmel staffeln 

Die Standardrouten führen weder bei Ost- noch bei Westwind über die Stadt. Doch es gibt natürlich Ausnahmen. 2012 hieß es in der Antwort auf eine Stadtratsanfrage, dass etwa 120 bis 150 Anflüge auf die südliche Landebahn des Flughafens pro Tag über die Landeshauptstadt geführt werden. Und: Auch bei Landungen in Richtung Osten sind Überflüge über den Münchner Westen möglich.

Wie viele Flieger über die Stadt fliegen, hängt zudem von der Menge der Flugzeuge ab, die sich insgesamt am Himmel befindet. In München haben es die Lotsen der DFS mit zwei Hauptströmen zu tun: Flüge aus dem Süd-Westen, etwa Italien, und Flieger aus dem Süd-Osten, etwa aus Österreich. Ist viel los, gilt es, die Flüge zu staffeln. Denn: Sie müssen horizontal und vertikal bestimmte Abstände einhalten. Ist auf dem Süd-Ost-Strom viel los, kann dieser Abstand nur eingehalten werden, wenn manche Flieger Routen über die Stadt nehmen.

Vor allem Flugzeuge, die nicht mehr besonders hoch fliegen, fallen in der Stadt auf. So sind einige Jets, gerade über dem Westen der Stadt, in einer Höhe von nur mehr 1800 bis 2700 Metern unterwegs, weil die Strecke zur Südlandebahn des Flughafens nicht mehr lang ist. Die Mindestflughöhe liegt generell bei 1100 Metern.

Dass die Zahl der Flugbewegungen insgesamt am Münchner Flughafen zugenommen hat, spielt natürlich auch eine Rolle. 1993, im Jahr nach Inbetriebnahme des Flughafens im Erdinger Moos, wurden dort 192 000 Flüge abgewickelt, 2018 starteten und landeten 413 000 Flugzeuge am Münchner Airport.

Wer will, kann jeden Tag nachsehen, wie viele Flugzeuge über ihn hinweg geflogen sind. Auf der Seite der Deutschen Flugsicherung im Internet (www.dfs.de) kann man das System „Stanly Track“ (unter Flugsicherung, Flugverläufe online) aufrufen. Dieses zeigt dann jeweils für die vergangenen 14 Tage alle Flugbewegungen über München an. Mit der App Flugradar24 lässt sich sogar zusätzlich bestimmen, wo der Jet, der über einem hinweg düst, gerade herkommt.

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Die Landeshauptstadt wächst rasant. Das hat nicht nur Folgen für Mietmarkt und Nahverkehr –sondern auch für das Klima. Und zwar fatale.

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