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Stromerzeuger und Selbstversorger: In die Glasfassade sind 1650 Solarzellen eingearbeitet.

Viertes Testzentrum am Airport ist komplett nachhaltig – Größte E-Tankstelle Europas

Audis neue Klimaschutz-Keimzelle

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Das grüne Herz von Audi schlägt an der schmucklosen Wartungsallee am Münchner Flughafen. Vordergründig haben die Ingolstädter Autobauer hier ihr viertes Testcenter mit großen Präsentationsflächen für neue Modelle in Betrieb genommen. Tatsächlich handelt es sich um ein Zentrum für Nachhaltigkeit – in jeder Hinsicht.

Flughafen –  Für steigende Zahl der Fahrer von Elektro- und Hybridfahrzeugen stehen hier nicht nur 80 Ladesäulen zur Verfügung – die Rede ist von Europas größter E-Tankstelle –, auch das gesamte Gebäude und seine Bewirtschaftung ordnen sich der Nachhaltigkeit unter.

Darüber wacht Projektleiterin Sophie Scholl. Auf ihr 3580 Quadratmeter großes „Baby“ mit drei hohen Geschossen ist sie sichtlich stolz. Dabei ist es nicht einmal ein besonders hübsches Baby. Viele Wände sind so, wie sie die Maurer verlassen haben – nackter Beton, teils noch mit Bleistiftvermerken der Arbeiter. Die Lüftung schlängelt sich an den Decken entlang, der Boden ist kahl und grau.

Schlichtes Aussehen ist bewusst - auch das ist nachhaltig

„Darauf werde ich immer wieder angesprochen“, erklärt Scholl mit einem Schmunzeln. „Das ist Absicht“, verrät sie. „Wir beschränken und bewusst auf das Notwendige, denn auch das ist nachhaltig.“ Sie lenkt den Blick auf die Dreifach-Sonneschutzverglasung. Auch die kleinen schwarzen Rechtecke in der Fassade sind kein Zierrat. Vielmehr handelt es sich um 1650 Solarzellen, zusammengenommen 450 Quadratmeter. Sie bilden das Herz des „Audi Brand Experience Centers“, so der offizielle Name. Denn sie liefern laut Scholl 45 000 Kilowattstunden Strom im Monat. „Damit sind wir in der Lage, den gesamten Strom für unsere Ladesäulen, aber auch für das Gebäude selbst zu erzeugen,“ sagt die Projektleiterin buchstäblich elektrisiert. Wer hier lade, fahre tatsächlich emissionsfrei.

Damit immer ausreichend Energie zur Verfügung steht, wird die Sonnenenergie in Second-Life-Batterien gespeichert, ausgemusterten Auto-Akkus – ebenfalls nachhaltig.

Die Wärme kommt aus der Erde, der Strom aus der Fassade

Und noch einmal zu den Rohren unter der Decke. Sie sind nur die Spitze des Eisbergs. Denn Audi nutzt die im Erdinger Moos gespeicherte Erdwärme, wie sie etwa auch die Therme Erding verwertet. Heißes Wasser wird aus über 2000 Metern Tiefe geholt. Die Wärme wird herausgenommen, das kalte Wasser zurückgeleitet.

Scholl ist stolz, dass das Brand Experience Center das erste vollständig nachhaltig gebaute Haus am Flughafen ist. Die FMG schaut gerne vorbei, „und holt sich Anregungen für den benachbarten Hochtechnologie-Standort Lab Campus“, verrät sie.

Sie geht noch einen Schritt weiter: Plastik, Einweggeschirr und Strohhalme sind hier tabu, dafür kommen die Produkte für Café und Catering aus der Region.

Audi hat jetzt vier Testzentren am Airport

Drei Testzentren gibt es am Flughafen bereits. Auch das vierte ist Anlaufstelle vor allem für Händler, wenn Audi mit einem neuen Modell auf den Markt kommt. „Dann haben wir hier schon mal 300 Fahrzeuge stehen, vor allem die mit Elektro- oder Hybridantrieb“, erklärt Scholl. Wie praktisch: Ums Haus gibt es zwei Trainingsflächen.

Nicht nur Audi ist hier vertreten. „Auch unsere anderen Konzernmarken können sich hier präsentieren, etwa VW, Skoda, Seat oder Ducati“, versichert die Projektleiterin. Und man vermiete auch an Firmen für Feiern oder Kongresse. Rund 50 000 Besucher werden es jährlich sein.

Gratis-Aktion bis 20. Dezember

Aber auch der gewöhnliche E-Mobilist ist hier willkommen. Bis 20. Dezember gibt es für alle Modelle eine Aktion: Bei „Charge & Fly“ kann man hier für die Dauer einer Reise kostenlos parken und seinen Wagen laden. Das findet in einem futuristisch anmutenden Gebäude statt, dem Meteoriten, der zu Jahresbeginn zur Markteinführung des e-tron im München Airport Center stand. Zu den Terminals gibt es einen Shuttle. 2020 wird aus dem Meteoriten eine öffentliche Ladestation mit den gängigen Bezahlsystemen, aber auch Service während der Wartezeit.

Bis 2025 will Audi übrigens alle Produktionsstandorte CO2-neutral stellen, spätestens 2050 soll der Konzern insgesamt CO2-Neutralität erreichen. HANS MORITZ

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