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Bei einer Radarkontrolle liefen zwei der litauischen Raser in betrügerisch erlangten Mietwagen den Ermittlern zufällig in die Falle. (Symbolbild)

Teurer Fahrzeugklau am Flughafen: Litauer (41) vor Gericht

Autoschieber muss ins Gefängnis - „Kommissar Zufall“ hat geholfen

Ein 41-jähriger Litauer ist wegen betrügerischer Autoanmietungen unter anderem am Flughafen München verurteilt worden. „Kommissar Zufall“ hat bei seiner Verhaftung geholfen. 

FlughafenWegen betrügerischer Anmietungen bei Autovermietungen an den Flughäfen München und Stuttgart ist ein 41-jährige Litauer von der 6. Strafkammer des Landgerichts Landshut zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Der verursachte Schaden beläuft sich auf 360 000 Euro.

2015 und 2016 hatte sich der Litauer, der in Österreich geschnappt und im Dezember 2018 ausgeliefert wurde, laut der von Staatsanwältin Helen Ludwigs vertretenen Anklage mit drei inzwischen namentlich bekannten und weiteren unbekannten Mittätern zusammengetan, um in Deutschland und Österreich unter falschem Namen Autos anzumieten. Dabei hielt die Anklage den 41-Jährigen zunächst für den Kopf der Bande. Er soll die für die Anmietung genutzten Papiere beschafft, die Autos in Empfang genommen und weiterverteilt haben.

Die Serie begann am 31. Juli 2015 bei einer in Oberding ansässigen Autovermietung, wo ein Komplize mit gefälschten Personalien einen Daimler-Benz im Wert von 70 000 Euro anmietete, der nie mehr auftauchte. Bereits einen Tag später wurde ein BMW 316d im Wert von 30 000 Euro betrügerisch von einem bisher unbekannten Mittäter angemietet. Es folgten ein VW Tiguan für 35 000 Euro und ein Mercedes für 35 000 Euro.

Nach diesen erfolgreichen Coups verlegte die Bande ihre Tätigkeit in den Stuttgarter Bereich. Dort wurde ein Benz für 55 000 Euro und ein weiterer für 35 000 Euro angemietet – wie schon in Oberding unter falschem Namen.

Ein vom Verteidiger Robert Funk ins Spiel gebrachter Härteausgleich für die bereits in Österreich verbüßte Freiheitsstrafe – von 30 Monaten musste er die Hälfte absitzen, der Rest wurde zur Bewährung ausgesetzt – komme nicht infrage. Allerdings könne dieser Umstand beim Strafmaß berücksichtigt werden, erklärte Vorsitzender Richter Ralph Reiter.

Zu Lasten des Angeklagten gingen die Vielzahl der Fälle, der hohe Schaden und einschlägige Vorstrafen. In seiner Wahlheimat England sei er wegen Verkehrsdelikten, aber auch schon wegen Betrügereien verurteilt worden.

Über eine Erklärung seines Verteidigers räumte der Litauer die Anklagevorwürfe ohne Abstriche ein. Er habe, so berichtete er, in England zuletzt als Bauingenieur für Innenausstattung rund 4000 Euro verdient. „Aber das Leben in London ist teuer“, so der 41-Jährige. Allein rund 1700 Euro habe er für Miete, dazu noch 1600 Euro für die Kinder aus erster Ehe berappen müssen. Ab seiner zweiten Eheschließung 2014 sei es dann finanziell rapide bergab gegangen.

Den Erfolg bei der Zerschlagung der Bande konnte sich die österreichische Landespolizei ans Revers heften. Wie ein Ermittler berichtete, waren immer wieder Serien von betrügerischen Anmietungen mit einem Gesamtschaden von rund 300 000 Euro über die Bühne gegangen. Am Ende habe „Kommissar Zufall“ geholfen: Bei einer Radarkontrolle wurden zwei litauische Raser in ihren betrügerisch erlangten Mietwagen gestoppt und festgenommen.

Auf ihren Handys liefen dann ständig Anrufe des jetzigen Angeklagten ein. Von einem der Festgenommenen wurde er auch als der Mann identifiziert, an den er die Pkw übergeben habe. In Zusammenarbeit mit der bayerischen Polizei sei dann anhand von Videoaufzeichnungen an den Ausfahrten der entsprechenden Parkhäuser festgestellt worden, dass der 41-Jährige auch am Münchner Flughafen aktiv war.

Dass er allerdings eine Führungsposition in der Bande gehabt hätte, sei eher zweifelhaft. Dagegen spreche beispielsweise, dass er bei den Anmietungen an „vorderster Front“ gewesen sei, teilweise danach selbst am Steuer gesessen habe. Einige Fahrzeuge seien später sichergestellt worden, der Rest unter anderem in Russland oder, in Einzelteile zerlegt, über das Internet verkauft worden.

Die Kammer verhängte für sechs Fälle des gewerbsmäßigen Betrugs eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten und blieb damit unter dem Antrag der Staatsanwältin, die auch einen bandenmäßigen Betrug gesehen hatte. Verteidiger Funk dagegen hielt zweieinhalb Jahre für schuldangemessen. Sein Mandant sei, berief er sich auch auf die Feststellungen der Fahnder, nicht der „große Chef“ gewesen. Zudem verwies der Anwalt auf die Haftempfindlichkeit seines Mandanten, der in der U-Haft bereits 25 Kilogramm verloren habe.

Richter Reiter betonte in der Urteilsbegründung, dass man es mit einer professionellen Autoschieberbande zu tun habe, einem Netzwerk, das angefangen von der Fälschung der Kreditkarten über die Fahrzeugreservierung bis hin zur Anmietung mit falschen Papieren und zum lukrativen Verkauf bestens eingespielt gewesen sei.

Allerdings, so der Vorsitzende Richter, sei durch die Ermittlungen eher widerlegt, dass der Angeklagte der große Organisator gewesen und deshalb auch wegen bandenmäßigen Betrugs zu verurteilen sei. Eher symbolischen Charakter dürfte die von der Kammer angeordnete Einziehung von Wertersatz in Höhe von 261.000 Euro haben.

Walter Schöttl

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