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Flughafen München: Bürgerverein kritisiert günstige Nachtflüge

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Von: Andreas Beschorner

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Besonders sensibel reagieren die Menschen im Flughafenumland auf nachts startende und landende Flugzeuge. Werden es wieder mehr?
Besonders sensibel reagieren die Menschen im Flughafenumland auf nachts startende und landende Flugzeuge. Werden es wieder mehr? © FMG

Im Vergleich zu anderen deutschen Flughäfen werden in München geringere Nacht-Aufschläge auf Start- und Landegebühren erhoben. Das ärgert den Bürgerverein Freising. Dort hat man Sorge vor mehr nächtlicher Lärmbelastung.

Flughafen/Erding – Der Nachtflug am Münchner Flughafen nimmt zu. Der Bürgerverein Freising spricht von einer „schleichenden Erhöhung“. Dahinter könnte sogar, so die Vermutung, ein „Geschäftsmodell“ stehen, wie Wolfgang Herrmann sagt. Anlass für diese Vermutung sind die Start- und Landegebühren, die die FMG von den Fluggesellschaften verlangt.

Diese seien, so hat BV-Vorstandsmitglied Thomas Enghofer herausgefunden, im Vergleich zu anderen Airports niedrig. Laut BV zu niedrig – und das vor allem auch nachts. Zwischen 2008 und 2018, so legte Herrmann am Donnerstag bei einem Pressegespräch dar, sei die Zahl der Nachtflüge um 25 Prozent gestiegen und das dem MUC zugebilligte Lärmkontingent von 56 Prozent in 2008 auf 71 Prozent in 2018 ausgeschöpft worden. Und das trotz insgesamt zurückgehender Flugbewegungen.

Woran diese laut Bürgerverein für die Anwohner bedenkliche Entwicklung liegen könnte, hat sich Enghofer angesehen: die Start- und Landegebühren am Moos-Airport, die zwischen FMG und Fluggesellschaften ausgehandelt würden. Diese sind – wie an anderen Flughäfen auch – nach Lärmklassen gestaffelt: je lauter ein Flieger desto höher die Gebühren.

Beispiele für die „Grundentgelte“, die bei jedem Start und bei jeder Landung fällig werden: Lärmklasse 1 kostet 185,71 Euro, Lärmklasse 3 liegt bei 204,28 Euro, Lärmklasse 6 bei 352,85. Flieger höherer Lärmklassen (7 bis 13) gebe es praktisch nicht mehr – oder nur noch sehr vereinzelt. Eine alte B 747-400 wäre beispielsweise Lärmklasse 9 und müsste 1021,41 Euro für Start oder Landung berappen.

Schon bei diesem Grundentgelt, so haben Enghofers Recherchen ergeben, gebe es frappierende Unterschiede zu anderen Flughäfen. Beispiel: Frankfurt. Dort ist die Lärmklasse 3 mit 148,70 Euro zwar billiger, Lärmklasse 6 und andere höhere Lärmklassen auch, allerdings mit 688,06 Euro wesentlich teurer.

Und dann das für den Nachtflug Entscheidende: Am MUC werden je nach Zeit zwischen 20 und (von 0 bis 5 Uhr) 120 Prozent Nachtaufschlag auf die Grundentgelte erhoben. Und in Frankfurt? Da kommen für Starts und Landungen zwischen 23 und fünf Uhr satte 300 Prozent Nachtaufschlag drauf.

Wie extrem unterschiedlich dann die Start- und Landegebühren sind, hat Enghofer an einigen Exempeln herausgerechnet: Für einen A 320, der um kurz nach 23 Uhr in München landet, muss die Fluggesellschaft 286 Euro bezahlen. Würde dieselbe Maschine zur selben Zeit in Frankfurt aufsetzen, wären 594,80 Euro fällig. Übrigens: In Berlin müssten 375 Euro, in Düsseldorf 517, in Hamburg 572,85 und in Stuttgart 480 Euro bezahlt werden.

Noch deutlicher werde der Unterschied, so der Bürgerverein, wenn man einen A 340 (Lärmklasse 6) berechnet, der um kurz nach 23 Uhr landet: In München zahlt die Fluggesellschaft dann 352,85 Euro Grundentgelt plus 141,14 Euro Nachtaufschlag – zusammen also 494 Euro. In Frankfurt werden dafür 688,08 Euro Grundentgelt und 2064,17 Euro Nachtaufschlag fällig – insgesamt also 2752,25 Euro.

Das Fazit, das Enghofer und der Bürgerverein daraus ziehen, ist klar: „Die Nachtaufschläge sind in München im Vergleich zu anderen Flughäfen viel zu niedrig.“ Am besten wäre es – und das ist eine der Forderungen eines Positionspapiers der Bundesvereinigung gegen Fluglärm, wie Reinhard Kendlbacher erläuterte –, den Nachtflug ganz zu verbieten. Doch ein Vorschlag zur Novellierung des Fluglärmgesetzes liege seit geraumer Zeit beim Bundesrat.

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