+
Spaß und Ernst: Mehrmals täglich rücken die Spürhunde der Bundespolizei an, um an herrenlosem Gepäck mögliche Hinweise auf Sprengstoff zu erschnüffeln.

„Immer erst mal vom Schlimmsten ausgehen“

Das macht die Bundespolizei mit herrenlosem Gepäck

  • schließen

Täglich bleiben am Münchner Flughafen Koffer und Taschen zurück. Das ist jedes Mal ein Sicherheitsbüro. So reagiert die Polizei. Und Achtung: Nachlässigkeit kann jetzt sehr schnell sehr teuer werden.

Flughafen – Wer auch nur einmal am Flughafen war, kennt diese Durchsage, die gefühlt jede Minute wiederholt wird: „Bitte lassen Sie Ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt.“ Vielleicht ist das immer noch zu wenig, denn herrenlose Taschen, Koffer und Rucksäcke sind am Münchner Airport Alltag. Kehren die Eigentümer nicht rechtzeitig zurück, läuft jedes Mal ein nicht selten größerer Einsatz an. Und der kann für die Verursacher sehr unangenehm werden.

Christian Köglmeier, Sprecher der Bundespolizei am Flughafen, will nicht mal schimpfen. „In 99 Prozent der Fälle sind es Vergesslich- oder Nachlässigkeit.“ Und genau die beschert den Beamten 25 bis 30 Einsätze am Tag. „In der Regel sind es Mitarbeiter der Airlines oder des Flughafens, die ein abgestelltes Gepäckstück melden.“ Auch wenn es den Fall hier noch nie gegeben hat: Es könnte im Extremfall eine Bombe sein. „Und in einem Hochsicherheitsbereich, wie es ein Flughafen nun mal ist, müssen wir immer erst mal vom Schlimmsten ausgehen“, berichtet Köglmeier.

Herrenloses Gepäck: Meist sind die Eigentümer gleich wieder da

Und doch herrscht nicht den ganzen Tag Krisenstimmung. „In den meisten Fällen kommt der Eigentümer schnell wieder zurück“, sagt der Sprecher, oft bevor ein Einsatz angelaufen ist.

Zunächst einmal sperren die Beamten den Bereich um ein Fundstück ab. Sieben bis acht Mal täglich werden die Hundeführer alarmiert. Über 15 Herrchen-Tier-Gespanne verfügt die Bundespolizei. Und in zwei bis drei Fällen pro Tag schwärmen auch die Entschärfer aus.

Bei der Bundespolizei sind überwiegend Schäferhundrassen im Einsatz. Für sie ist der möglicherweise brisante Einsatz ein Spiel. „Die Hunde suchen passiv“, erklärt Köglmeier. Entweder laufen sie alleine los, oder der Führer lotst sie zum Objekt. Erschnüffeln die feinen Nasen etwas, verhalten sich die Tiere ruhig – „sie setzen oder legen sich zum Beispiel hin“, berichtet der Sprecher. Keinesfalls dürfen sie auf das Gepäck springen oder bellen.

Einen Attentatsversuch gab es bislang nicht

Auch wenn es am Moos-Airport noch keinen Attentats-Versuch gab, kommt es doch vor, dass ein Hund einen der Stoffe riecht, auf den er jahrelang und immer wieder trainiert wird, „zum Beispiel Glycerin“, informiert Köglmeier. Das sei in Sprengstoffen, aber eben auch (und häufiger) in diversen Cremes.

Dann kann ein herrenloses Gepäck ein Fall für die Entschärfer werden. Sie rücken mit technischem Gerät an. Liegt ein Koffer so ungünstig, dass der Hund gefahrlos nicht herankommt, übernehmen den Job ebenfalls die Entschärfer.

Sie verfügen auch über Roboter, die sich auf Ketten einem verdächtigen Gepäck nähern, ohne Menschen zu gefährden. Entscheidet sich der Einsatzleiter, einen Koffer oder Rucksack unschädlich zu machen, geht es nicht gerade zimperlich zu. „Wir können den Gegenstand ja nicht mitnehmen und auf freiem Feld sprengen – zu gefährlich.“ Das passiere an Ort und Stelle – auch wenn dann schon mal eine Scheibe zu Bruch gehe. Probates Mittel: ein harter Wasserstrahl.

Roboter kommen in ganz Bayern zum Einsatz

Die Roboter kommen in ganz Bayern zum Einsatz. Jeder größerer Flughafen hat sie. Zwei Größen gibt es am Moos-Airport, die auf einem Lkw stehen. Ist es für den zu weit, kommt die Hubschrauberstaffel der Bundespolizei aus Oberschleißheim.

Nachlässigkeit kann Reisende teuer zu stehen kommen. „Seit Oktober stellen wir solche Einsätze in Rechnung. Je nach Aufwand kommen da mehrere hundert bis mehrere tausend Euro zusammen. Ein Auge auf sein Gepäck zu haben, schont also auch die Urlaubskasse“, rät Köglmeier.

Er kann sich in diesem Zusammenhang an einen Fall erinnern, als eine arabische Familie am Airport vorfuhr, mehrere Gepäckstücke ins Terminal schaffte und sich dann wieder entfernte. „Da herrschte natürlich höchste Alarmstufe“, so der Kommissar. Der Hintergrund: Die Familie wollte den Mietwagen zurückgeben und danach keine Koffer schleppen.

Was auch immer wieder vorkommt: Am Flughafen wird ein neuer Koffer gekauft, der alte bleibt zurück. Das ist ebenso fahrlässig wie etwa einen größeren Karton neben einem Abfalleimer abzustellen. Köglmeiers Bitte: Auch in solchen Fällen helfen die Servicemitarbeiter des Flughafens weiter. Das alles steckt hinter der Endlosschleife: „Please do not leave your luggage unattended at any time.“

Auf dem Weg zum Flughafen München haben Beamte einen 42-Jährigen aufgegriffen. Bei der genaueren Kontrolle stellten sie fest, dass der Mann schon lange gesucht wurde.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Beamten landen Coup am Flughafen: Passagierinnen mit „Luxus-Ware“ in neun Koffern abgefangen
Am Flughafen München haben Zollbeamte zwei Türkinnen kontrolliert. Insgesamt neun Gepäckstücke stellten die Beamten sicher und dürften nicht schlecht gestaunt haben.
Beamten landen Coup am Flughafen: Passagierinnen mit „Luxus-Ware“ in neun Koffern abgefangen
Hubertus Fraunberg: Neuer Vorstandsposten und eine Rüge vom Gauschützenmeister
Hubertus-Vorsitzender Gerhard Zehetner hat seine erste Amtszeit perfekt gemeistert. Nach der einstimmigen Wiederwahl von ihm und seinem Vize Günther Eschbaumer in der …
Hubertus Fraunberg: Neuer Vorstandsposten und eine Rüge vom Gauschützenmeister
Moosinnings CSU-Bürgermeisterkandidat Manfred Lex: „Es gibt einen Weg, oder wir machen einen“
Entschlossen und souverän präsentierte Manfred Lex, Bürgermeisterkandidat der CSU Moosinning,  sein Wahlprogramm. Der 64-Jährige hat klare Ziele für die Gemeinde. 
Moosinnings CSU-Bürgermeisterkandidat Manfred Lex: „Es gibt einen Weg, oder wir machen einen“
Berglerns Bürger-Solarkraftwerk: Wer macht mit?
Altbürgermeister und Ehrenbürger Herbert Knur war der Erste: Er griff sich eines der Formulare, die Helmut Babinger mitgebracht hatte, um abzuklopfen, wie viele …
Berglerns Bürger-Solarkraftwerk: Wer macht mit?

Kommentare