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Seit 2010 Bodenverkehrsdienstleister am Flughafen München: Swissport Losch fertigte in guten Zeiten mit 900 Mitarbeitern 85 000 Flugzeuge pro Jahr ab. 

Lockdown und Reisebeschränkungen: Swissport Losch gerät unter Druck

Verdi besorgt: „Tickende Zeitbombe“ am Flughafen

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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„Wir verfolgen die Entwicklung am Flughafen München mit großer Sorge.“ Andreas Faltermaier, Sprecher der Gewerkschaft Verdi in der Airport-Region, sieht aufgrund der nicht enden wollenden Corona-Pandemie Tausende Stellen in Gefahr.

Flughafen – Dass Faltermaiers Sorge nicht unberechtigt ist, beweist Swissport Losch. Der Bodenabfertiger ist seit 2010 im Erdinger Moos, der Vertrag wurde vor genau vier Jahren um weitere sieben Jahre verlängert. Nun wurde bekannt, dass das Unternehmen, das Flugzeuge abfertigt, also vor allem Koffer und Fracht be- und entlädt, in massiven Schwierigkeiten steckt. Das Wirtschaftsportal Business Insider spekulierte bereits über eine Insolvenz des Joint Ventures, was dieses unkommentiert ließ. Ein Sprecher des Unternehmens mit Schweizer Wurzeln bestätigte jedoch massive wirtschaftliche Probleme.

Swissport Losch beschäftigte im Erdinger Moos in guten Zeiten 900 Mitarbeiter, die pro Jahr 85 000 Maschinen abfertigte und dabei 40 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete. Im ersten Corona-Jahr brach die Zahl der abgefertigten Passagiere um 75 Prozent ein, in den ersten beiden Monaten 2021 waren es sogar 90 Prozent.

Doch Verdi fragt sich mit wachsender Sorge: „Was wird mit den 38 000 Beschäftigten, die am Flughafen in München gearbeitet haben? Bis jetzt gibt es den gewünschten Sozialpakt nicht“, erklärt Faltermaier, der in der Gemeinde Fraunberg im Landkreis Erding zu Hause ist. Seit Monaten beschäftige man sich damit.

Nur die Beschäftigten der Lufthansa und der Flughafen München GmbH seien „einigermaßen abgesichert“. Faltermaier erinnert daran, dass Tausende Familien an den Arbeitsplätzen hingen. Es gebe zwar (noch) Kurzarbeitergeld, dennoch bedeute das einen deutlichen Lohnabzug. Der Verdi-Sprecher erinnert daran, dass auch das Flughafen-Umland von dem – jetzt stark stotternden – Wirtschaftsmotor profitiere. „Die Auswirkungen könnten also gigantisch sein“, vermutet Faltermaier.

Nicht in allen Bereichen gebe es die Aufstockung des Kurzarbeitergeldes. Zusätzlich fielen bei dessen Berechnung die Zuschläge weg. „Bei vielen hat sich das Einkommen halbiert, die Mieten sind natürlich nicht gesunken“, so Faltermaier.

Er appelliert an die Politik, hier Verantwortung zu übernehmen. Bislang sei man jedoch auf taube Ohren gestoßen. Faltermaier berichtet, dass man sich unter anderem an Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Münchens OB Dieter Reiter (SPD) als Vertreter von zwei der drei Flughafeneigentümer gewandt habe. „Wir haben um einen Gesprächstermin gebeten, aber eine Abfuhr erhalten“, berichtet der Gewerkschaftssprecher, der auch Zweiter Vorsitzender von Verdi in der Flughafenregion ist.

Faltermaier und Vorsitzende Monika Ludwig erhöhen jetzt den Druck. „Wir müssen mehr Öffentlichkeit herstellen und die Problematik sichtbar machen. Sonst wird aus der Boomregion bald ein Armenhaus.“ Es sei eine „tickende Zeitbombe“, warnen die Gewerkschafter. 

ham

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