Bangt um Finanzhilfe: Flughafen-Chef Jost Lammers.
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Bangt um Finanzhilfe: Flughafen-Chef Jost Lammers.

Rettungspaket für Flughafengesellschaft FMG

Flughafen München: Online-Petition soll Druck auf Stadtrat machen - 58 Millionen Euro Corona-Hilfe gefordert

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Mit einer Online-Petition wollen Mitarbeiter des Flughafens München Druck auf den Stadtrat ausüben, in der Sitzung am 24. März finanziellen Hilfen zuzustimmen. Es geht um 58 Millionen Euro.

München – Im November hatte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer zum Luftverkehrsgipfel geladen. Es ging es um Finanzhilfen für die von der Corona-Krise gebeutelten Flughäfen. Zeitweise brach die Luftfahrt um über 90 Prozent ein. Dennoch müssen sie als Teil der kritischen Infrastruktur offen bleiben. Die Kosten laufen weiter, die Reserven gehen zur Neige.

Die Flughafengesellschaft FMG gehört zu 51 Prozent dem Freistaat Bayern, zu 28 Prozent dem Bund – und zu 23 Prozent der Stadt München. Nach dem Beschluss auf dem Gipfel stünden dem Airport im Erdinger Moos 253 Millionen Euro zu. Bundes- und Staatsregierung haben ihren Anteil zugesichert. Doch das Geld fließt nur, wenn auch die Stadt dabei ist. Ihr Anteil beträgt 58 Millionen Euro. Die Europäische Union hat dem Rettungspaket nur unter dieser Maßgabe zugestimmt.

Corona-Krise trifft Münchner Flughafen hart: Nur 100 Starts- und Landungen am Tag

Bisher hatte sich OB Dieter Reiter (SPD) reserviert gezeigt, einer Diskussion im Stadtrat gegenüber aber offen. Am 24. März soll der einen Beschluss fassen. Um das Gremium von der Notwendigkeit der Finanzspritze zu überzeugen, haben FMG-Mitarbeiter zum Wochenende eine Online-Petition gestartet. Ihre beiden Initiatoren sind Marcus Mengel und Marco Druschinski. Beide arbeiten im Bereich Aviation und sind für die Gepäckförderanlage zuständig. Wie sehr der Flughafen darbt, erleben sie jeden Tag.

Denn auf dem kilometerlangen Labyrinth aus Förderbändern sausen viel weniger Koffer über das Gelände als sonst. Gerade einmal 100 Starts und Landungen finden derzeit pro Tag statt. In normalen Zeiten sind es 1200. „Wir fertigen täglich so viele Gepäckstücke ab wie sonst in einer Stunde“, beklagt Mengel. Er macht deutlich, dass die FMG gar nicht die Möglichkeit hätte, zuzusperren. „Wir gehören zur krisenrelevanten Infrastruktur und müssen deshalb immer geöffnet sein“, erklärt Mengel. Denn neben dem geringen regulären Aufkommen an Starts und Landungen muss die FMG Vorsorge treffen, sollte eine Maschine im Erdinger Moos notlanden müssen.

Flughafen München: Online-Petition läuft bis 21. März

Mengel weist auch darauf hin, „dass wir Drehscheibe für Tonnen von Schutzausrüstung sind, die zur Bekämpfung der Pandemie dringend erforderlich sind“. Für ihn ergibt sich die Pflicht der Eigentümer zur Hilfe aus der Betriebspflicht des Flughafens. „Wenn die öffentliche Hand will, dass wir offen sind, muss sie auch etwas dafür tun.“

Die Online-Petition, erreichbar unter www.hilfe-fuer-den-flughafen.de, lief am Donnerstagabend an und kann bis 21. März unterstützt werden. Bis zum Sonntag waren es 1400 Unterschriften. Über eine haben sie sich die Initiatoren besonders gefreut: die von Ex-Flughafenchef Michael Kerkloh. „Schön, dass er weiter zu uns hält“, kommentiert Mengel diese Solidarität.

Am Flughafen arbeiten etwa 38 000 Menschen, die zunehmend um ihre Jobs bangen. Knapp 11 000 leben in der Landeshauptstadt. Vor der Sitzung wollen Mengel und Druschinski den Packen mit den Unterschriften OB Reiter übergeben – und ihn persönlich überzeugen.

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