Corona-Krise

Langsamer Re-Start am Flughafen München: Bittere Aussicht für Airbus - „Es ist schon deprimierend...“

  • Hans Moritz
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Nach dem Hoch der Corona-Krise gibt es am Flughafen München nun einen langsamen Re-Start. Der Ausblick der Lufthansa-Mitarbeiter für das Reisen und die Airbus-Flotte fällt eher bitter aus.

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  • Die Corona-Krise hat den Flughafen München schwer getroffen.
  • Die Lufthansa musste fast die gesamte Flotte am Boden halten.
  • Nun gibt es sogenannte Bewegungsflüge - und einen Ausblick auf das Reisen nach Corona.
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Flughafen München – Wer rastet, der rostet. Das gilt auf der Couch ebenso wie auf den Vorfeldern des Münchner Flughafen. Als die Corona-Pandemie den Luftverkehr fast vollständig zum Erliegen brachte, musste auch der Lufthansa-Konzern fast alle seiner 120 im Erdinger Moos stationierten Maschinen am Boden lassen, auch die der Töchter Eurowings und CityLine. Von den 80 Kranichen sind 24 noch im Nest. Auf Dauer tut ihnen das nicht gut. Deswegen müssen die Maschinen immer wieder überprüft werden, alle drei Monate steht ein Bewegungsflug an. Wir waren bei einem dabei. Die Corona-Auswirkungen am Flughafen München sind deutlich spürbar. Die Airlines Lufthansa und Emirates haben den Riesen-Flieger A380 vorerst aus dem Programm genommen.

Flughafen München: Wegen Corona-Pause - Lufthansa-Flotte in Bewegung halten

Andreas Jasper und Matthias Kirchgasser sind Piloten auf der A350, das neue Lufthansa-Flaggschiff, das deutlich leiser ist und viel weniger (Kerosin-)Durst hat. „Das ist unser Hochleistungssportler. Dem geht es wie einem echten Athleten. Wenn er nicht trainiert, gerät er aus der Form“, sagt der 49-Jährige schmunzelnd. „Normalerweise sind diese Flieger 16 Stunden am Tag im Einsatz. Deswegen war die Vorgabe des Herstellers, dass er spätestens nach drei Monaten Stillstand einen Bewegungsflug machen muss, bisher reine Theorie“, sagt Jasper. Seit Monaten ist es bittere Realität. Die Lufthansa braucht wegen der Corona-Krise sogar staatliche Hilfe. Vor Kurzem flog der Konzern zudem aus dem Dax. Seinen Kunden macht er nun aber ein großzügiges Angebot.

Unter Extrembedingungen testen die Piloten Andreas Jasper (l.) und Matthias Kirchgasser den Airbus A 350. Dazu reicht ein 20-minütiger Flug. Doch der hat es in sich.

Re-Start am Flughafen München: Bewegungsflüge für Lufthansa Maschinen

18 Langstreckenflieger dieses Typs sind in München stationiert, die Hälfte wartet noch auf ihre Reaktivierung. Eine von ihnen ist die Erfurt.

Sie parkt vor dem Satelliten des Terminals 2. Schon seit fünf Tagen werkeln Mitarbeiter von Lufthansa Technik an dem Airbus. „Sobald ein Flugzeug länger als ein paar Tage steht, müssen die Triebwerke verhüllt und alle Einlässe abgeklebt werden“, berichtet Sven Pawliska, Chef der Interkont-Technik. Keinesfalls dürften Feuchtigkeit oder Insekten ins Innere oder in die hochsensible Bordtechnik gelangen. Die Erfurt hat die Verkleidung schon abgelegt. Gleich geht’s los.

Kirchgasser, Jasper und Pawliska unternehmen noch einen letzten Rundgang um die Maschine. Sind wirklich alle Folien weg? Laufen irgendwo Flüssigkeiten aus? Sind die Reifen fit? Danach klettern sie ins Cockpit. Hinter ihnen nicht, wie sonst, knapp 300 Reisende auf dem Weg nach Hongkong oder Amerika, sondern nur Purserin Ariane Meda-Hoppe in der gähnend leeren Kabine. Bloß ein paar Journalisten sind dabei. 45 Tonnen Kerosin haben die beiden Piloten in die Tragflächen pumpen lassen, nur gut eine Tonne werden sie auf dem gerade einmal 20-minütigen Flug durch die Turbinen heizen.

Flughafen München nach Corona-Pause: Bewegungsflüge der Lufthansa zum Re-Start

LH 9923 F lautet die Flugnummer dieses Sprints. Ein Pushback-Fahrzeug schiebt die A 350 von der Parkposition. Kirchgasser lässt die beiden übermannshohen Triebwerke an. Es wird ein Flug, über den sich normale Passagiere beschweren würden, denn komfortabel geht anders. Doch darum geht es beim Bewegungsflug nicht. Kaum ist Jasper losgerollt, haut er beherzt die Bremse rein. Es ruckelt. „Funktioniert“, murmelt er zufrieden. Es geht vorbei an Dutzenden Maschinen an den Fluggastbrücken. Doch von Passagieren ist nichts zu sehen. „Es ist schon deprimierend, die alle hier so rumstehen zu sehen“, sagt Pawliska und schnauft durch.

Corona-Krise am Flughafen München: Allmählich ist wieder was los am Himmel

Gähnende Leere auch auf den Taxiways, den Betonpisten zur Startbahn. Es ist kurz nach 11 Uhr. „Normalerweise hätten wir jetzt Stau“, sagt Kirchgasser. Immerhin: Ehe es auf die Nordbahn geht, muss Jasper zwei landende Maschinen durchlassen. Es tut sich wieder ein bisschen was am Himmel über dem Erdinger Moos. Lufthansa-Sprecherin Bettina Rittberger verbreitet Optimismus: „Wir sind schon wieder bei 40 Prozent der Flugbewegungen vom Vorjahr.“

Nach dem Abflachen der Corona-Pandemie wird am Flughafen München wieder geflogen. Die Flughafen-Bilanz des aktuellen Jahren ist die schlechteste seit Jahren.

Augenblicke später zeigt die Nase der Erfurt in den Himmel. Rechts bleibt Erding zurück. In einer weiten Rechtskurve steuert Jasper die A350 über München. Am Horizont taucht Minuten später der Starnberger See auf. „Festhalten“, rät der Pilot, dabei ist das Wetter schön, der Airbus liegt ruhig in der Luft. Plötzlich leitet Jasper eine 45-Grad-Kurve ein. Hätte er Passagiere an Bord, hätte er sich nicht mehr als die Hälfte getraut. Der Blick nach links geht in den blauen Himmel, der nach rechts fast senkrecht auf den Starnberger See, auf dem gerade ein Dampfer unterwegs ist. Wenig später die nächste scharfe Kurve, diesmal nach links.

Lufthansa startet Bewegungsflüge am Flughafen München: Große Aufgabe für Piloten

Und warum das Ganze? „Auf diese Weise bemerken wir, ob irgendetwas undicht ist. Wenn Öl ausläuft, würden wir das riechen“, versichert Jasper. Und liefert damit auch die Erklärung, warum er und sein Co-Pilot keinen Mund-Nasenschutz tragen, trotz Enge im Cockpit. „Das dürfen wir nicht“, erklärt der Chefpilot. „Im Ernstfall müssen wir auch die Mimik des Kollegen sehen und uns sofort unmissverständlich austauschen können.“

Doch die beiden sehen und riechen nichts, der Topsportler der Kranich-Flotte ist noch fit. Den Rückflug nutzen die Piloten, um einmal voll durchzustarten und dann ganz plötzlich das Gas komplett rauszunehmen.

Fliegen in der Corona-Krise: Einige Lufthansa-Maschinen „schlafen“ in Spanien

Nach einer knappen halben Stunde setzt die A350 wieder am Moos-Airport auf. Langsam rollt sie über die Vorfelder zum Wartungsbereich. Jetzt hat die Erfurt wieder viel Zeit zum Verschnaufen. Die Triebwerke werden ausnahmsweise nicht verhüllt, denn es steht ein größerer Triebwerkscheck an. Doch wann die Erfurt wieder in die fliegende Flotte eingeklinkt wird, weiß niemand.

Immerhin, dass sie im Erdinger Moos bleiben durfte, zeigt, dass es schnell gehen kann. Schlechter ergeht es da den Maschinen der Typen Typ A340 und A380, Letzteres mit zwei Etagen das größte Passagierflugzeug der Welt. „Einige haben wir nach Spanien geflogen“, berichtet Pawliska. Und er klingt so, als würde das Schmerzen bei ihm auslösen. Dort sei das trockene, heiße Klima besser, und vor allem die Parkgebühren günstiger. Auf einem Flugplatz 150 Kilometer östlich von Madrid wurden sie ins Koma versetzt.

Ausblick am Flughafen München: Riesenflieger A380 nach Corona noch lange nicht im Einsatz

Rittberger geht davon aus, dass die A 380 erst in zwei Jahren wieder eingeflottet werden. Deswegen müssen sie auch nicht alle drei Monate zum Bewegungsflug. „Ihr Re-Start ist dann aber deutlich aufwändiger“, sagt der Technik-Chef, der 70 Prozent seiner Belegschaft in Kurzarbeit schicken musste. Die Wartungshallen sind fast leer. 30 Prozent der Techniker sind geblieben, um die Flotte am Boden fitzuhalten. Der Traum vom Fliegen ist zurzeit eher eine Hoffnung, endlich wieder fliegen zu dürfen. 

Ausbleibende Flüge wegen Corona bedeutet keine Einnahmen für den Flughafen München. Nun sind möglicherweise Entlassungen nötig. Muss rund ein Fünftel der Belegschaft gehen?

Am Flughafen München und weiteren bayerischen Flughäfen kann man sich nun kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Ministerpräsident Markus Söder hat eine weitere radikale Forderung.

Platzt für viele Deutsche der Traum vom Urlaub im Sommer 2020 doch noch? Das Coronavirus breitet sich in Urlaubsländern wie Kroatien, Spanien und Italien wieder stärker aus. Einige Deutsche hält das aber nicht vom Sommerurlaub ab. Welche Regeln sollten an Flughäfen beachtet werden?

Rubriklistenbild: © Hans Moritz

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