Flughafen München: „Mission Corona“ am Flughafen München gestartet - im Auftrag von Söder
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Das Beschaffungsteam der FMG (hinten, v. l.): : Iskra Hadjiska, Sebastian Kollmannsberger, Tobias Lüttich, Tanja Fürmetz, Christiane Huber sowie (vorne, v. l.): Denise Brust und Martina Fischer.

Bereits erste Erfolge

“Mission Corona“: Spezielles Projekt am Flughafen München gestartet - im Auftrag von Markus Söder

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Der Auftrag kam von höchster Stelle: Markus Söder forderte die Flughafen München Gesellschaft auf, die Märkte nach wichtigen Gütern in Zeiten des Coronavirus zu durchforsten.


  • Am Flughafen München läuft derzeit ein spezielles Projekt.
  • Der Auftrag dazu kam vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder.
  • Seit Ausbruch der Corona-Pandemie hat sich am Flughafen viel geändert.
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Flughafen München – Der Auftrag kam von höchster Stelle: In seiner zweiten Regierungserklärung zu Corona forderte Ministerpräsident Markus Söder am 20. April neben der Messe München und dem Verband der Bayerischen Wirtschaft (VBW) den Flughafen München auf, die Märkte nach zusätzlicher Schutzausrüstung und Medizintechnik zu durchforschen und dem Freistaat bei der Versorgung mit Masken aller Schutzklassen, Anzügen Gesichtsschilden, Mundschutz, Teststäbchen, aber auch Beatmungsgeräten zu helfen. Vor allem die asiatischen Märkte sollten abgegrast werden. Der Auftrag landete am Flughafen München auf dem Schreibtisch von Tobias Lüttich.

Der wusste schon, was auf ihn zukommt, denn bereits am 1. April hatte Flughafenchef Jost Lammers höchstpersönlich ein Hilfeersuchen des Gesundheitsministeriums bekommen: „Wir brauchen Schutzausrüstung in großer Stückzahl.“

„Mission Corona“ am Flughafen München: Siebenköpfiges Einkaufsteam durchforscht die Märkte

Der 48-Jährige, der in Fraunberg lebt und seit 2005 für die Flughafen München Gesellschaft (FMG) arbeitet, leitet die Abteilung Beschaffung. Sein 60-köpfiges Team, darunter 40 Einkäufer, besorgt im normalen Leben alles, was ein Flughafen braucht, Bleistifte und Computer, Möbel, aber auch Fluggastbrücken, Flugzeugschlepper, Baustellen-Infrastruktur, Rechtsberatungen und Dienstleistungen. 600 Millionen Euro werden allein hier jedes Jahr umgesetzt.

Doch seit Ausbruch der Corona-Pandemie ist auch am Moos-Airport nichts mehr normal. Lüttich hat ein siebenköpfiges Einkaufsteam zusammengestellt, das nun ganz neue Märkte durchforscht. Es soll rund um den Globus Angebote einholen, damit Bayern im Kampf gegen das tödliche Virus stets gewappnet ist.

Flughafen München: FMG und Partner unterstützen bei der Suche

Lüttich berichtet, dass ein Weg ausgerechnet über die Hersteller der vielen Werbegeschenke führte, die die FMG bei Veranstaltungen und Festen ausgibt. „Die meisten sind in China ansässig. Wir haben unsere Partner gebeten, uns bei der Suche zu helfen.“

Lüttich freut sich, dass auch die Chefetage von Deutschlands zweitgrößtem Flughafen ihre Fühler ausstreckte. „Wir haben von Jost Lammers Kontakte bekommen, aber auch von Theresia Fleidl, die den Draht zu den weltweiten Schwester-Flughäfen hält, sowie von der Konzerntochter MAI, die die internationalen Beteiligungen managt.“

Söder vergibt Auftrag im Landtag - 300 Ansprechpartner in drei Tagen

Nachdem Söder den Auftrag im Landtag vergeben hatte, meldeten sich zahlreiche Lieferanten von sich aus bei Lüttichs Abteilung. Verbindungen gibt es aber auch zu Wirtschaftsverbänden und -kammern, zu Botschaften und Auslandsvertretungen, zur Außenhandelskammer in Peking. „Wir haben uns binnen kürzester Zeit neu aufgestellt. Schon nach drei Tagen hatten wir an die 300 Ansprechpartner“, berichtet der Chefeinkäufer.

Die Tinte auf den ersten Kontaktlisten war noch feucht, da setzten sich die Einkäufer an ihre Computer, um Angebote einzuholen.

Flughafen München: 350 Beatmungsgeräte geordert - für schwer am Coronavirus Erkrankte besonders wichtig

Einen großen Erfolg kann Lüttich bereits vermelden: Auf Initiative seiner Task Force konnten 350 Beatmungsgeräte geordert werden – für schwer Covid-19-Erkrankte oft die letzte Rettung und in diesen Zeiten mit das knappste Gut. Anfang Juni will der deutsche Hersteller Löwenstein liefern.

In einem wesentlichen Punkt unterscheidet sich die „Mission Corona“ von Lüttichs üblicher Tätigkeit. Denn sein Team bestellt nicht, sondern sondiert die Angebote, prüft sie und die Anbieter. „Im Moment ist der Preis zweitrangig, aber die Qualität muss stimmen, es geht hier um den Schutz von Menschen“, stellt Lüttich klar. „Wir müssen die Schwarzen Schafe herausfiltern.“ Deswegen würden immer auch zunächst Zertifikate angefordert. „Dabei unterstützen wir die Firmen auch, die erforderlichen Zeugnisse zu bekommen“, erklärt der Abteilungsleiter.

Flughafen München in Zeiten des Coronavirus: Kerngeschäft zurückgefahren

280 Kontakte hat die Task Force schon zusammen, 70 konkrete Angebote schickte Lüttich ans Landesamt für Gesundheit. Das LGL, das alle Angebote sammelt, ist mit dem Gesundheitsministerium für den Kauf zuständig.

Zuvor muss eine weitere Instanz durchlaufen werden. Eine aus Polizei, Technischem Hilfswerk und der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) zusammengesetzte Stabsstelle in Geretsried (Kreis Bad Tölz-Wolfratshauen) prüft die Offerten final.

„Wir haben bereits die ersten Rückmeldungen über erfolgreiche Bestellungen erhalten“, ist Lüttich stolz. Er freut sich über den engen Zusammenhalt aller Beteiligten. „Jeder leistet einen wichtigen Beitrag, dass wir Corona dauerhaft in den Griff bekommen.“ Sein Kerngeschäft, den Einkauf, hat Lüttich ohnehin zurückgefahren. Durch den massiven Einbruch in der Luftfahrt muss auch die FMG den Rotstift ansetzen. Viele Projekte liegen auf Eis, jede Bestellung muss besonders genau begründet werden.

Hans Moritz

Video: Flughafen München: Security-Mitarbeiter im März positiv auf Coronavirus getestet

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Ein 49-Jähriger ließ seinen Koffer einfach am Flughafen München zurück - zusammen mit einer kuriosen Nachricht. Was er damit auslöste, war ihm wohl nicht klar.

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