Jahrelanger Streit 

Flughafen München: Die dritte Startbahn - ein umstrittenes Projekt

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Das Projekt spaltet. Die dritte Startbahn sorgt seit 2005 für Unruhe in den Landkreisen des Flughafen Münchens. Wir geben eine Chronologie über die Entwicklungen.

  • Seit Jahren wird über eine dritte Startbahn am Flughafen München diskutiert.
  • Gegner der Startbahn sehen keine Notwendigkeit.
  • Die dritte Startbahn bleibt aber weiterhin Streitpunkt.

Erding/Freising - Es ist ein Thema, das den Großraum München schon seit geraumer Zeit beschäftigt. Und kaum Thema spaltet die Meinungen ähnlich stark. Die dritte Startbahn wurde schon in den ursprünglichen Bauplänen des neuen Münchner Flughafens im Erdinger Moos im Jahr 1969 ausgezeichnet. Damals wurden die Pläne aber wieder eingestampft, weil die ausgewiesene Fläche zu groß war. Jahre später wurde das Projekt wieder ausgegraben.

Im Juli 2005 erteilte die Flughafen München GmbH, kurz FMG genannt, die Freigabe dafür, die Planungen zur dritten Startbahn aufzunehmen. Die dritte Startbahn soll laut der FMG die steigenden Luftverkehrsbewegungen decken. Dabei sollen die Bewegungen von 90 auf 120 pro Stunde gesteigert werden. Der Flughafen München, der den Namen „Franz-Josef Strauß“ trägt, gilt mit seinen zwei Terminals und dem Satellitenterminal als zweitgrößter Deutschlands.

Flughafen München: Dritte Startbahn großer Streitpunkt

Das im Jahr 2002 gegründete Aktionsbündnis AufgeMUCkt sorgte 2007 mit einer großangelegten Demonstration in München für Gegenwind gegen die dritte Startbahn. AufgeMUCKt setzte sich zum Ziel, die Startbahn im Schwaigermoos zu verhindern, da sie vor allem die Bürger und die Umwelt um Freising und Erding mit Lärm und Schmutz belasten würde. Ebenfalls im Jahr 2007 stellte die FMG bei der oberbayerischen Regierung einen Antrag auf die Planfeststellung. Drei Monate später wurde das Konzept öffentlich in den Gemeinden ausgelegt. Am Ende des gleichen Jahres lief die Einwendungsfrist ab. Über 57 500 Einwände wurden eingereicht.

Viel Gegenwind für dritte Startbahn am Flughafen München

Fast zwölf Monate später, im November 2008, begannen die öffentlichen Anhörungen im Ballhaus Unterschleißheim, bei denen die Einwände erörtert wurden. Bis zum 31. März 2009 liefen insgesamt 59 Erörterungstage. Doch all der Protest nutzte schlussendlich nichts und die Regierung von Oberbayern erließ im Sommer 2011 den offiziellen Planfeststellungsbeschluss. Der damalige Freisinger Oberbürgermeister Dieter Thalhammer hatte nach Bekanntgabe des Entschlusses sofort rechtliche Schritte angekündigt. 

So sieht eine der zwei Start- und Landebahnen am Flughafen München aus

Im Juni 2012 gab es einen Erfolg für die Startbahn-Gegner: Bei einem Bürgerentscheid im Streit über die dritte Startbahn sprach sich die Mehrheit der Münchner gegen das Riesen-Projekt aus. Die Entscheidung war mit 54,3 zu 45,7 Prozent zwar knapp, dennoch musste sich die Stadt München als Miteigentümerin des Flughafen Münchens an das Ergebnis des Entscheids halten. Aus diesem Grund musste sie gegen den Bau der dritten Startbahn stimmen. Die Gegner blickten aber trotzdem sorgenvoll in die Zukunft, denn der Entscheid war nur ein Jahr bindend und die Startbahn-Befürworter wollten das Projekt nach Ablauf dieser Frist dingfest machen.

Gegen den Planfeststellungsbeschluss der dritten Startbahn wurden insgesamt 16 Klagen vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof eingereicht. Diese wies das Gericht 2014 aber ab und setzte damit die rechtliche Erlaubnis für das Großprojekt. 

Klagen gegen dritte Startbahn am Münchner Flughafen abgewiesen

Die Gegner ließen sich davon aber nicht unterkriegen. Über 82 000 Bürger unterschrieben im Januar 2015 eine Petition gegen die dritte Startbahn, die aber im Bayerischen Landtag mit 71 zu 88 Stimmen niedergeschmettert wurde.

Juli 2015: Sechs Kommunen, Privatleute sowie der Bund Naturschutz klagten erneut gegen das Projekt. Sie wollten die Entscheidung über die nicht zugelassene Revision von 2014 anfechten. Das Ergebnis war für die Kläger ernüchternd. Das Gericht wies die Klagen wieder ab.

2016 verbuchte der Flughafen München ein Rekordjahr. Über die Summe von 135 Millionen frohlockten die Flughafen München GmbH, die Stadt München und der Bund. Das bot den Befürwortern erneut Bestätigung zum Bau der Startbahn. Auch die Passagierzahl legte um drei Prozent zu.

Moratorium zur dritten Startbahn am Flughafen München

Der damalige bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer sprach sich September 2016 erstmals für das Projekt Startbahn aus. Als Begründung nannte er die Passagierentwicklung. Der Bau sollte seiner Meinung nach zeitnah umgesetzt werden. Ziel sei ein Ratsbegehren und ein neuer Bürgerentscheid gewesen. Der wurde vom Münchner Stadtrat abgelehnt. Die steigenden Passagierzahlen des Flughafen Münchens lösten eine Debatte aus, da die Gegner dachten, dass die Zahlen durch die Subventionen für neue Flugverbindungen aufgehübscht wurden. 

Mit der bayerischen Landtagswahl 2018 legten die CSU und die Freien Wähler in ihrem Koalitionsvertrag ein Moratorium fest, das Projekt während dieser Legislaturperiode auf Eis zu legen. Die Lufthansa sah dem Beschluss gelassen entgegen, da sie bis 2030 sowieso keinen Bedarf für eine dritte Startbahn sieht. Die FMG hält aber mit dem neuen Flughafen-Chef Jost Lammers trotz Moratorium weiterhin an den Plänen fest. Lammers hat sich als Fan der dritten Startbahn gezeigt. 

Unabhängig von den Plänen der dritten Startbahn haben die Fluggäste ihre eigenen Meinungen zu dem Airport im Erdinger Moos. Sie haben den Flughafen mit Rezensionen auf Google bewertet.

Am Flughafen München sorgte ein offensichtlich verwirrter Mann für Unruhe. Der Mann saß völlig unbekleidet am S-Bahnsteig. Auf einen helfenden Polizisten reagierte er aggressiv.

Am Flughafen München haben Beamte eine Chinesin aus dem Verkehr gezogen. Das allerdings nicht wegen des Coronavirus - sondern wegen des fehlenden Visums und mehrerer Lügen.

ly/BR24

Rubriklistenbild: © dpa / Frank Leonhardt

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