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Sehr naiv: der Angeklagte mit seinem Verteidiger Dr. Georg Karl (r.).

Prozess: Heroin statt Millionen-Erbe

Auf der Jagd noch einer vermeintlichen 15 Millionen-Erbschaft reiste er um die Welt. Am Münchner Flughafen, wo nach der Landung aus Johannesburg drei Kilo Heroin in seinem Koffer entdeckt wurden, klickten bei dem 58-Jährigen aus Schleiz (Thüringen) die Handschellen. Jetzt musste er sich vor dem Landgericht Landshut verantworten. Der Mann wurde zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt.

Flughafen/Landshut– Angeklagt war er wegen Beihilfe zum Drogenhandel. Der Thüringer war bemüht, sich als Opfer zu präsentieren. An Weihnachten 2017 habe ihn ein englischer Anwalt per E-Mail kontaktiert, dass es in Spanien einen Nachlass von 15 Millionen Euro, aber keine Erben gebe. Im Anhang seien eindrucksvolle Urkunden mitgeliefert worden. „Da der Erblasser den gleichen Nachnamen wie ich hatte, schlug er mir einen Deal vor“, so der 58-Jährige. „Jeder 45 Prozent und zehn Prozent für wohltätige Zwecke. Darauf habe ich mich eingelassen.“

Er sei zunächst nach Ecuador geschickt worden, um Unterschriften zu leisten. An einem Strand in einer Urlaubsregion habe er einen angeblichen Banker „Maurice“ getroffen und die von ihm übergebenen Bankformulare ausgefüllt. Beim Rückflug sei ihm ein Karton mit angeblichen medizinischen Geräten zugesteckt worden, die er in Amsterdam an zwei Afrikaner übergeben habe.

Angeklagter: „Ich habe von nicht gewusst“

Zurück in Schleiz habe er dann eine Mail erhalten, dass das Erbe noch nicht ausbezahlt werden könne. Er müsse nach Johannesburg reisen, um dort erneut Formulare auszufüllen. Er habe auch diese Reise angetreten. Dort sei es zu einem Treffen mit einer „Marie“ gekommen. Nachdem er erneut von ihr übergebene Bankunterlagen ausgefüllt hatte, sei ihm offenbart worden, dass er nach Sardinien fliegen müsse, dort würde die Erbschaft ausgezahlt. Für den Flug sei ihm der Trolley mit einem angeblichen Geschenk für einen italienischen Anwalt mitgegeben worden.

Der Angeklagte erklärte, er habe aus Misstrauen sogar den Koffer geöffnet, aber nur einen folkloristischen Umhang entdeckt.

Vorsitzender Richter Markus Kring machte deutlich, dass er ihm die Naivität nicht abnehme: „Kam es Ihnen nicht spanisch vor? Ein englischer Anwalt mit einer ungarischen E-Mail-Adresse, der ein spanisches Erbe verwaltet und Unterlagen mit großen, bunten Wappen wie aus einem Märchenbuch liefert?“

Richter und Staatsanwältin: „Viel zu naiv“

Naivität ließ auch Staatsanwältin Dr. Cordula Spitzer nicht gelten. Nach eigenen Aussagen habe sich der Angeklagte schon lange mit internationalen Geschäften beschäftigt, das habe sich wohl auch auf den internationalen Drogenhandel bezogen. Seine Geschichte sei „dubios, verworren, haarsträubend“. Dass er einen Drogenschmuggel für möglich gehalten und sich damit abgefunden habe, zeige sich schon darin, „dass Sie vor dem Abflug in Südafrika den Kofferinhalt inspiziert haben“.

Die Staatsanwältin beantragte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und zehn Monaten. Verteidiger Dr. Georg Karl macht dagegen für seinen Mandanten „grobe Fahrlässigkeit“ geltend und verwies darauf, dass sein Mandant nie mit dem Heroin in Kontakt gekommen sei. Der 58-Jährige sei nach seinem geschäftlichen Scheitern auf der Suche nach einem Strohhalm gewesen und habe sich an die Erbschaftsgeschichte geklammert. Für den Fahrlässigkeitsverstoß sei höchstens eine Bewährungsstrafe zu verhängen.

Die Kammer kam – wie die Staatsanwältin – zu dem Ergebnis, dass zumindest ein bedingter Vorsatz vorgelegen habe und verhängte wegen Beihilfe zum illegalen Handeltreiben und versuchter Durchfuhr eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren. „Er hat zumindest damit gerechnet, Illegales zu transportieren, wollte es aber weder wissen noch wahrhaben“, so Richter Kring.

 WALTER SCHÖTTL

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