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Die „Lebensader Luftfracht“ war während der Pandemie in großem Umfang abgeklemmt.

Pandemie wirkt sich aber längst nicht so stark aus wie beim Passagieraufkommen

Luftfracht bricht um die Hälfte ein

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Während des dreimonatigen Corona-Lockdown sind die Passagierzahlen am Münchner Flughafen zeitweise um 99 Prozent eingebrochen. Nicht ganz so verheerend wirkte sich die Pandemie auf die Luftfracht aus.

Flughafen – In den ersten sechs Monaten ging das Cargo-Aufkommen im Erdinger Moos um 46 Prozent zurück – fast die Hälfte. Diese Diskrepanz erklärt sich aus der Luftpost sowie aus Hilfsgütern, die ab März verstärkt geflogen wurden.

Dass zeitweise fast alle Passagiermaschinen am Boden bleiben mussten, verstärkte den negativen Effekt im Cargo-Bereich. Denn vor allem am Münchner Flughafen wird ein Großteil der Fracht mit eben diesen Maschinen befördert, die so genannte Beilade- oder „Bellyfracht“.

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) hat jetzt Zahlen über den Cargo-Verkehr vorgelegt. Im März ging das Volumen an den deutschen Airports – darunter ausgesprochene Frachtflughäfen – um zwölf, im April um 14 und im Mai um zehn Prozent zurück. „Größter Treiber des Rückgangs waren die weggefallenen Frachtkapazitäten in den Passagierflugzeugen“, meldet der BDL. Durch die coronabedingte Einstellung vieler Verbindungen hätten diese Kapazitäten auch für die Luftfracht nicht mehr zur Verfügung gestanden. Das habe „Auswirkungen auf die Konnektivität des Wirtschaftsstandorts Deutschland und stellt die Unternehmen und ihre Kunden vor enorme operative Herausforderungen“, teilt der Dachverband mit.

Daraus entstand ein riskantes Gefälle. Denn gerade während der Hochphase der Pandemie gab es laut BDL einen „Mehrbedarf für schnelle Auslieferungen“, vor allem Medikamente und Schutzausrüstung vorwiegend aus Fernost.

Während die Zahl der Gesamtimporte in den vergangenen Monaten rückläufig war, ist nach den Beobachtungen des BDL der Import von medizinischen und pharmazeutischen Erzeugnissen nach Deutschland in den Monaten März und April um 19 Prozent gestiegen. „Hierbei kommt der Luftfracht eine herausragende Rolle zu, denn in einer sich weiter beschleunigenden Weltwirtschaft ist der Transport eilbedürftiger Güter mit dem Flugzeug unerlässlich.“

BDL-Präsident Peter Gerber erklärt: „In der Krise zeigt sich die große Bedeutung der Luftfracht für den Wirtschaftsstandort Deutschland und auch für medizinische Versorgungsketten. Die Luftfracht ist eine Lebensader unserer Gesellschaft.“ Er appelliert, die Krise als Chance zu begreifen – und fordert „zügige Fortschritte“ bei der Digitalisierung der Frachtdokumente und dem Datenaustausch mit Behörden. Zudem fordert Gerber, Nachtflüge nicht weiter zu beschränken und Sicherheits-, Zoll- sowie Steuerverfahren zügig zu vereinheitlichen. Sonst gerate man im Vergleich mit der europäischen Konkurrenz ins Hintertreffen.

Am Flughafen München hatte es 2020 im Frachtbereich schon mit Schrumpfungen begonnen – noch vor Corona. Im Januar waren es knapp 26 000 Tonnen, ein Minus von 3,7 Prozent, im Februar mit 26 600 Tonnen ein Rückgang um ein Prozent. Im März betrug das Minus dann schon 37,5 Prozent (19 500 Tonnen), im April 82,5 Prozent (5000 t) und im Mai 75,5 Prozent (7300 t). ham

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