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Bevor es in die Luft geht, prüft Kapitän Andreas Jasper beim Außencheck, ob Räder, Fahrwerke, Tragflächen und Triebwerke in Ordnung sind.

Deutschlands größte Airline will pünktlicher und grüner werden

Lufthansa jagt nach jeder Minute

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Nach einem pannen- und verspätungsreichen vergangenen Jahr will Lufthansa pünktlicher und grüner werden. Wir haben uns das am Beispiel des A 380 am Flughafen München angeschaut.

Flughafen – Wilken Bormann ist ein positiver Mensch, der die Dinge gelassen angeht. Doch vor einem Jahr verließ den Chef der Lufthansa am Münchner Flughafen die Leichtigkeit. Es war der Sommer der Verspätungen und Annullierungen, die in dem Chaos am ersten Sommerferien-Wochenende gipfelten, als eine unkontrolliert ins Terminal 2 gelaufene Passagierin den Flugbetrieb stundenlang lahmlegte.

Heute lacht Bormann wieder. Die Pünktlichkeit hat sich verbessert, die Flotte im Erdinger Moos wächst weiter. Zugleich will der 50-Jährige das Fliegen klimaschonender machen. Wie er all das unter einen Hut zu bringen versucht? Wir haben die Abfertigung zweier A 380, das größte Passagierflugzeug der Welt, begleitet – die Abendflüge nach Hong Kong und Peking.

Im Cockpit gibt‘s kein Papier mehr

Die „Wien“ steht (fast) abflugbereit am Satelliten des Terminals 2 an Deutschland zweitgrößtem Flughafen. Kapitän Andreas Jasper bricht zum Außencheck auf. Er nimmt die 22 Reifen, die mächtigen Fahrwerke sowie die vier mannshohen Triebwerke in Augenschein – tropft kein Öl, sitzen alle Lamellen gerade? Alles passt, die Passagiere kommen. Pünktlich um 19.15 Uhr schiebt ein Pushback-Fahrzeug den Riesenairbus aufs Vorfeld, von dort rollt der A 380 in Richtung Südbahn.

Ready for take off: Ein Schlepper bringt den Airbus A 380 „Wien“ in Startposition. Wenig später bricht er in Richtung Peking auf.

Direkt daneben steht die „Johannesburg“, ein zweiter der fünf im Erdinger Moos stationierten A 380. Hier führt Kapitän Georg Obermaier das Regiment. Papier gibt es im Cockpit schon lange nicht mehr – mal abgesehen von der Tankrechnung, die auf der Vielzahl an Hebeln und Knöpfen liegt. „Früher haben wir hier einen 40 Kilo schweren Koffer mit Handbüchern reingeschleppt“, erinnert sich Obermaier. Heute geht das alles digital.

Bei 400 Flügen läppert sich jede Verspätung

Felix Titze und Christoph Leffers werden beim Hong Kong-Flug nicht dabei sein. Sie gehören dem Team „Performance 2020“ an, das dafür sorgen soll, dass sich Bormann nicht wieder aufregen muss. Denn die Arbeitsgruppe soll sicherstellen, dass der Kranich wieder pünktlicher aus dem Nest kommt. Sie haben alle an einem Flug Beteiligten zusammengetrommelt, um gemeinsam auf die Jagd nach jeder Minute zu gehen. „Denn bei 400 Flügen am Tag kommt bei selbst nur kurzen Verzögerungen einiges zusammen“, sagt Leffers.

Besonders große Verzögerungen könnten nun bald auf die Passagiere der Lufthansa zukommen. Den Reisenden droht am kommenden Wochenende ein neues Flug-Chaos: Bei der Lufthansa soll am Sonntag an den Flughäfen in München und in Frankfurt am Main gestreikt werden. Doch die Airline reagiert mit einer Drohung an die Beschäftigten.

Ein Pünktlichkeitsleck – 15 regelmäßige Zeitfresser haben sie aufgespürt – haben sie schon gestopft: Der Pilot gibt jetzt früher das Einsteigen frei, wenn die Kabinen-Crew fertig ist. Und Lufthansa hält eigene Manager vor, die sofort bereitstehen, wenn es bei der Abfertigung hapert. Titze erklärt: „Damit haben wir einen eigenen Experten, der dann alle Schnittstellen vor dem Start im Auge hat.“

Bambus ist das neue Plastik

Früher ist Rebecca Emmerling selbst viel geflogen, als Purserin, also Chefin in der Kabine. Doch dann juckte ihr grüner Daumen. Ihr untersteht das Projekt „flying greener“. Sie gibt zu, richtig grün werde die Luftfahrt nie werden. Doch Emmerling greift nach jedem ökologischen Strohhalm. Nun wird bereits an Bord der Müll getrennt. „Denn in Deutschland können wir etwa Dosen, Becher und Flaschen recyceln.“ 

Als Chef der Lufthansa am Flughafen München setzt Wilken Bormann auf mehr Pünktlichkeit und mehr Flugzeuge.

Bisher musste alles verbrannt werden. Emmerling muss den Spagat schaffen, möglichst viel Einwegartikel aus Plastik zu verbannen, ohne mit Gläsern und Metallbesteck die Flugzeuge schwerer zu machen, was wiederum den Kerosinverbrauch erhöht. Bambus etwa ist ein Rohstoff, der sich zum Beispiel für Schüsseln verwenden lässt. Sie kann erste Erfolge verbuchen. Die Decken sind zum Beispiel nicht mehr alle in Plastikfolie eingeschweißt, sondern tragen nur noch Banderolen. Und sie freut sich über jeden Passagier, der beim zweiten Getränk – pro Langstreckenflug sind es im Schnitt neun – den Stewardessen sagt: „Schenken Sie einfach nach!“

100 Maßnahmen für die Pünktlichkeit

Doch zurück zur Pünktlichkeit: 100 Maßnahmen hat Deutschlands größte Fluggesellschaft dazu ergriffen. Es gibt unter anderem mehr Maschinen (auch als kurzfristigen Ersatz), mehr Personal und mehr Platz im Flugplan. Die Feuerprobe ist bestanden: Am ersten Ferienwochenende brachen allein vom Terminal 2 jeden Tag rund 100 000 Passagiere auf – „deutlich pünktlicher als vor einem Jahr“, freut sich der München-Chef.

Damals konnten 97,5 Prozent aller Flüge abgewickelt werden, heute sind es 99 Prozent. Und am letzten Prozent arbeite man, berichtete der Manager, der in der Landwirtschaft groß geworden ist. 85 Prozent der Verbindungen seien pünktlich gewesen. Auch der Flughafen und die Regierung von Oberbayern hätten ihre Prozesse optimiert. 

Lufthansa: Vier neue Langstreckenflugzeuge im neuen Jahr

Deswegen sieht Bormann Lufthansa reif für weitere Expansionen. Vier neue Interkontinentalmaschinen will er 2020 in München stationieren. Die A 380-Flotte mit jeweils 509 Sitzen und 23-köpfiger Besatzung soll von fünf auf sieben wachsen, die A 350-Familie von 15 auf 17. Gerade letztere steht bei der Kranich-Linie hoch im Kurs: Der A 350 verbraucht 25 Prozent weniger Kerosin, entsprechend erzeugt er weniger CO2-Ausstoß.

Bormann sagt, auf die Kurzstrecke München-Nürnberg könne er gerne verzichten. „Dann muss es aber eine gute Bahn-Verbindung geben.“ Genau deswegen habe man die Linie Köln-Frankfurt bereits eingestellt.

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Unterdessen wurde bekannt, dass die Lufthansa Sicherheitsbedenken bei einem bestimmten Airbus-Modell hat.  Der Sommer 2018 wird den meisten wegen monatelangen Badewetters in bester Erinnerung bleiben. Für den Luftverkehr war es hingegen eine schwierige Zeit.Denn selten hatten sich so viele Verspätungen und annullierte Flüge aufgetürmt wie im vergangenen Jahr

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Um ein Chaos am Münchner Flughafen wegen unkontrollierter Passagiere wie zu Beginn der Sommerferien zu verhindern, soll die Technik verbessert werden. Hier lesen Sie, wie.

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