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Der A350 verbrennt 25 Prozent weniger Kerosin. Ein Schritt in Richtung klimaneutrales Fliegen?

Power-to-Liquid-Kraftstoff statt Kerosin

Der Traum vom sauberen Fliegen

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Ein neuer Kraftstoff könnte bald das Kerosin in den Fliegern ablösen. Noch ist die Produktion aber zu teuer.

Flughafen – Der Flughafen München will bis 2050 aus eigener Kraft seine Emissionen auf nahezu null reduzieren. Moderne Flugzeuge kommen schon heute mit bis zu einem Viertel weniger Kerosin aus. Dennoch steht der Luftverkehr beim Klimaschutz am Pranger. Industrie und Luftverkehrswirtschaft tüfteln daran, dass Flugzeuge eines Tages CO2-neutral fliegen.

Gegenwärtig ist der Luftverkehr für 2,8 Prozent aller CO2-Emissionen weltweit verantwortlich. Die Luftfahrt verfolgt nach Angaben des Bundesverbands der deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) das Ziel, langfristig komplett klimaneutral zu fliegen. „Dieses ist schwieriger zu erreichen als in anderen Wirtschaftsbereichen. Das liegt an langen Entwicklungszeiten bei Flugzeugen, daran dass alternative Technologien wie elektrisches Fliegen nicht oder nur in weiter Zukunft verfügbar sein werden und an der weltweit weiter wachsenden Nachfrage nach Luftverkehr“, teilt der BDL mit.

Regenerative Kraftstoffe statt Kerosin

Das langfristige Ziel der Emissionsfreiheit ist nach Auffassung von Experten nur erreichbar, wenn das fossile Kerosin durch regenerative Kraftstoffe ersetzt wird. Hierfür gibt es mehrere Ansätze. „Der auch ökologisch beste Weg ist ein strombasierter Kraftstoff, der im sogenannten Power-to-Liquid-Verfahren gewonnen wird“, meint der BDL.

Das funktioniert wie folgt: Aus regenerativ erzeugtem Strom, Wasser und CO2 wird ein synthetischer Kraftstoff gewonnen. Während der Herstellung wird der Atmosphäre CO2 entzogen, mit Wasserstoff zu einem synthetischen Rohöl verbunden und dann zu Kerosin weiterverarbeitet. Fliegt ein Flugzeug dann mit diesem Kraftstoff, stößt es dieselbe Menge CO2 aus – und bewegt sich somit unter dem Strich klimaneutral. Das Besondere: Der neue Kraftstoff ist mit Kerosin vergleichbar. Die Flugzeuge müssten also nicht umgerüstet werden.

Neue Technologie noch zu teuer

Das Problem sind die benötigten Mengen und die Preise. „Im Moment stehen sie nur begrenzt zur Verfügung und sind noch zu teuer“, teilt der Branchenverband mit. Die Technologie sei aber bereits erprobt und funktioniere.

Gefordert ist jetzt die Industrie: „Der wichtigste Ansatzpunkt ist es daher, industrielle Anlagen zur Herstellung von Power-to-Liquid- Kraftstoff zu errichten, damit dieser in nennenswerter Menge produziert werden kann“, schreibt der BDL. Dessen Mitglieder seien bereit, sich auch finanziell bei entsprechenden Pilotprojekten zu beteiligen.

Power-to-Liquid-Kraftstoff fünf mal so teuer wie Kerosin

Darüber hinaus schlägt die Luftfahrt vor, dass die Bundesregierung die Einnahmen aus der Luftverkehrsteuer künftig zugunsten der Produktion und der Markteinführung regenerativer Kraftstoffe verwendet. „Derzeit nimmt der Staat pro Jahr rund 1,2 Milliarden Euro Luftverkehrsteuer ein, ohne dass das Steueraufkommen gezielt für klimapolitische Zwecke im Luftverkehr eingesetzt wird“, kritisiert der Verband. Die neue Technologie habe nur eine Chance, wenn sie finanzierbar sei. Ein Liter Kerosin kostet 45 Cent, die gleiche Menge Power-to-Liquid-Kraftstoff hingegen 2,40 Euro. Bereits heute macht der Kraftstoff ein Viertel der gesamten Betriebskosten einer Airline aus.

Die Branche geht davon aus, dass der Umstieg mit einer Mischung beider Kraftstoffe beginnt.

Hans Moritz

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