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Waffe im Buch: das Asservat der Bundespolizei. Foto: (Bupo)

Pistolenversteck wie in Filmen

Pistole in Reiselektüre: Ahnungslose Passagierin freigesprochen

Was passiert, wenn man am Flughafen eine Pistole im eigenen Gepäck findet? Das hat ein Ehepaar aus Oberfranken erlebt.

Flughafen/Erding Wer in den Urlaub fliegt, hat nicht selten Bücher als Reiselektüre in Koffer oder Handgepäck verstaut. Erst einmal also nichts Besonderes. Im Februar erlebte ein Ehepaar aus Oberfranken so jedoch seinen ganz eigenen Krimi. Der endete jetzt vor dem Amtsgericht Erding.

Bei der Sicherheitskontrolle am Münchner Flughafen entdeckten die Beamten eine historische, aber schussfähige Reiterpistole samt Patrone – versteckt in einem Buch, in einem passend ausgeschnittenen Hohlraum, sodass sie von außen nicht auffiel. Daraufhin bekam die 59-jährige Ehefrau einen Strafbefehl aufgrund unerlaubten Besitzes und Mitführens einer Waffe. Ein Vergehen, das mit einem Freiheitsentzug von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe sanktioniert werden kann. Am Flughafen München ist es am Montagmorgen zu einer Notlandung gekommen. Im Cockpit einer Maschine von Tui Fly Belgien hatte sich Rauch entwickelt. 183 Passagiere waren an Bord.

Buch vom Trödelmarkt

Die Dame legte Einspruch ein und landete so vor dem Amtsgericht. Verteidiger war Rechtsanwalt Stefan Wagner aus Würzburg. Während der Verhandlung erzählte die Angeklagte, dass sie und ihr Mann oft auf Trödelmärkten unterwegs seien, um günstig Bücher zu kaufen. Dabei würden sie jedoch nur die Klappentexte lesen, darin blättern würden sie nie. So sei auch das betroffene Buch „Die Herrin der Burg“ in ihren Besitz gekommen. Ihrer Meinung nach stamme es wahrscheinlich aus einer Haushaltsauflösung oder einem Nachlass.

Das vermutete auch der Ehemann der Oberfränkin, der als Zeuge der Verteidigung aussagte. Am Abreisetag habe er noch das Buch in den Rucksack gesteckt, erinnerte er sich. Dabei sei das Buch aber nicht schwerer gewesen, und geklappert habe auch nichts. Als seine Frau bei der Sicherheitskontrolle dann aufgefordert wurde, den Rucksack zu öffnen, habe er sich ebenfalls noch nicht gewundert. Das passiere wegen seiner Medikamentenbox regelmäßig.

Ehepaar durfte weiterreisen

Doch dann fiel das Ehepaar aus allen Wolken: „Im Buch war eine kleine Waffe. Und ich dachte mir nur: Oh Gott, wie kommt die ins Buch?“, sagte die Angeklagte. Pistole und Roman wurden beschlagnahmt, erst dann konnten die Eheleute ihre geplante Reise nach Ägypten antreten.

Aufgrund der Erlebnisse kurz vor dem Start sei es jedoch ein „Horrorurlaub“ gewesen, so die 59-Jährige. Sie könne sich absolut nicht erklären, wie die Waffe in das Buch gelangen konnte.

Richterin Michaela Wawerla glaubte der Dame. Sie habe weder vorsätzlich noch fahrlässig gehandelt, erklärte die Amtsrichterin. Dem schloss sich auch Staatsanwalt Anselm Schmidt an. Zudem wüssten beide als erfahrene Flugreisende, dass es unmöglich sei, eine Waffe – egal, ob mit oder ohne Buch – durch das Röntgengerät zu schmuggeln, fügte er hinzu. Deshalb wurde die Oberfränkin freigesprochen. Die Kosten des Verfahrens der Staatskasse auferlegt.

Olivia Rademacher

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