Eine Frau hält ihr Smartphone in die Kamera, mit dem sie sich zuvor am Flughafen für den Coronatest angemeldet hat (Symbolbild).
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Eine Frau hält ihr Smartphone in die Kamera, mit dem sie sich zuvor am Flughafen für den Coronatest angemeldet hat (Symbolbild).

Wir berichteten bereits am Montag

Coronavirus-Test-Skandal am Flughafen: Mutter wird bei Hotline nur ausgelacht - jetzt gesteht Ministerium Ausmaß

  • Klaus-Maria Mehr
    VonKlaus-Maria Mehr
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Mutter und Tochter (5) kamen extra früher aus Mallorca zurück und meldeten sich bereits im Vorfeld bei der Teststation am Flughafen München an. Fünf Tage nach dem Fall wird nun das Ausmaß klar.

  • Eine 42-Jährige kam mit ihrer Tochter (5) von einem Freundschaftsbesuch auf Mallorca zurück und ließ sich am Flughafen München auf Covid-19 testen.
  • Die Teststation betreibt die Firma Ecolog International: In spätestens 48 Stunden sei der Test da, wurde der Frau aus dem Raum Ingolstadt zugesichert.
  • Als sie nach 60 Stunden nachfragte, hörte sie Gelächter am anderen Ende der Leitung.

Update, Freitag, 11. September: Wieder ein Skandal-Bericht um die Firma Ecolog, die an den bayerischen Flughäfen für den Freistaat die Coronatests durchführt. Am Flughafen Nürnberg arbeitete offenbar ein mit Corona infizierter Ecolog-Mitarbeiter. Seine Kollegen erfuhren durch private Chats davon. Inzwischen gibt es einen zweiten Fall.

Nach unserem Flughafen-Bericht: Söder-Regierung gesteht Panne ein - 10.000 Fälle

Update, Freitag, 4. September: Bereits am Montag berichteten wir über das Schicksal einer Mutter aus dem Raum Ingolstadt, die mit ihrer jungen Tochter tagelang zuhause ausharrte und trotz 48-Stunden-Zusage vergeblich auf ihr Corona-Testergebnis wartete. Heute meldet sich nun das Gesundheitsministerium zu Wort und nennt das erschreckende Ausmaß der Test-Panne, die am Montag noch keiner bestätigen wollte. Cornelia S. ist bei Weitem kein Einzelfall. Rund 10.000 Reisende an allen drei bayerischen Flughäfen sind von der Panne betroffen.

Wer mal einen Blick auf die Diskussion, oder besser: den Shitstorm unter dem PR-Facebook-Post der Firma Ecolog gewofen hat, könnte schon vorher geahnt haben, dass es sich hier nicht um Einzelfälle handelte (der Post ist weiter unten im ursprünglichen Artikel eingebettet). Die Firma Ecolog hat übrigens nie auf unsere schriftliche Anfrage von Montag (31. August) reagiert.

Ursprünglicher Artikel vom 31. August: Flughafen München - Dass sich Cornelia S.* (42) aus dem Raum Ingolstadt mal so hilflos fühlt, hätte sie nie geglaubt. Dass sie sich dann am Telefon belügen und auslachen lassen muss, wie sie sagt, ließ sie dann vollends verzweifeln.

Corona-Test-Drama am Flughafen München: Mutter und Tochter warten und warten auf Ergebnis

Dabei hatte alles so unproblematisch angefangen. Weil sie eine Freundin eingeladen hatte, flog sie mit ihrer Tochter (5) nach Mallorca. Bekanntermaßen inzwischen ein Corona-Risikogebiet. S. kennt Mallorca, machte sich wenig Sorgen. „Ich habe mich dort sicherer gefühlt als in Deutschland, die passen wirklich auf.“

Trotzdem flog die Mutter mit ihrer Tochter einige Tage früher zurück als geplant, um rechtzeitig für ihre Arbeit einen gültigen Corona-Test zu haben. Und am Flughafen München funktionierte am Tag ihrer Rückreise auch alles reibungslos. Am Mittwoch (26. August) landete Cornelia S. samt Tochter. Das Anmeldeformular der Firma Ecolog hatte sie bereits im Vorfeld ausgefüllt.

Corona-Test-Drama am Flughafen München: Bei Ankunft lief alles reibungslos

So ging alles ganz schnell. Mit dem QR-Code, den man bei der Anmeldung erhält, weist man sich quasi aus und kriegt ein kleines Blatt mit orangen Aufklebern. Dann geht's in einen mit Trennwänden sichtgeschützten Bereich, wo ein freundlicher, vollverpackter Mitarbeiter einem das Stäbchen in den Rachen steckt.

In 24 Stunden, maximal 48, so sicherte man ihr seitens Ecolog zu, habe sie das Testergebnis. Dann begann das lange Warten und der Telefonmarathon. Zum Verständnis: Der Flughafen München hat mit der Firma Ecolog nichts zu tun. Die Firma wurde als externer und privater Dienstleister vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) beauftragt, um unter anderem die Teststationen am Flughafen zu managen. Und nach den bekannten Anfangsschwierigkeiten und Test-Skandalen in ganz Bayern, laufen die Testverfahren zwischenzeitlich meist reibungslos, die Ergebnisse sind oft schon nach etwa 30 Stunden da. Alles geht digital, via Smartphone und Mail und normalerweise auch schnell. Nicht so bei Cornelia S. und ihrer Tochter. Und sie beiden sind nicht allein. Bezeichnet sind beispielsweise die Kommentare unter einem Post auf Facebook von Ecolog.

„Wir warten seit fünf Tagen. Ans Telefon geht keiner“, ist da beispielsweise zu lesen. „Bei aller Liebe... irgendwann hätten wir doch gern mal unser Ergebnis.“

Corona-Test-Drama am Flughafen München: Nach 30 Stunden fragt Cornelia S. mal nach...

Nach 30 Stunden fragte Cornelia S. zum ersten Mal nach, dann nach 40, dann nach 60. Inzwischen bekam auch ihr Mann berufliche Probleme, weil die Firma ihn nicht mehr in die Arbeit ließ, bis Cornelia S. und Tochter einen negativen Test vorweisen konnten. Als Produktionsmanager ist Home-Office schwierig.

Cornelia S. begann, die Nummer in regelmäßigeren Abständen zu wählen. „Insgesamt bestimmt 75 Mal hintereinander.“ Meistens gab es ein kurzer Freizeichen, dann den Belegtton. „Als hätte jemand kurz abgehoben und dann aufgelegt.“

Corona-Test-Drama am Flughafen München: Skurrile Gespräche mit Telefon-Hotline von Ecolog

Wenn S. doch jemand an die Leitung bekam, erwarteten sie teils skurrile Gespräche. Die meisten Anrufe wurden anfangs mit „Verstehen ihr Problem, aber können nix tun“ abgewiegelt. Als S. hartnäckiger wurde, wurden auch die Reaktionen kreativer. Ein Gesprächspartner gab sich als Schichtleiter aus, sagte, er werde sich sofort kümmern. „Die Frau beim nächsten Anruf sagte mir dann, es gäbe gar keine Schichtleiter bei ihnen."

Corona-Test-Ergebnis kommt nicht an: Mutter wird am Telefon belogen und ausgelacht

Dann, Stunde 65 nach dem Test, das Telefonat, das Cornelia S. wirklich nervös machte: „Mit ihrer Testreihe ist etwas sehr schiefgelaufen“, behauptete die Ecolog-Frau laut S. am anderen Ende der Leitung in gebrochenem Deutsch. Cornelia S. wollte wissen, was schiefgelaufen sei. Das konnte die Frau nicht sagen, nur, dass ihre Probe nochmal getestet werden würde. „Ich wollte dann ihren Namen wissen.“ Sie bekam einen. „Luise Schmidt“.

„Sie heißen doch nicht wirklich so“, sagte S. ins Telefon. Die Antwort laut S.: „Nein so heiße ich nicht.“ Und jetzt müsse sie das Gespräch auch beenden. „Meine Sprechzeit ist abgelaufen.“ Im Hintergrund hörte S. Gekicher. S., eine Mutter, die sich Sorgen macht und auf der offiziellen Hotline nach dem Testergebnis von sich und ihrer Tochter erkundigt, wird ausgelacht.

Da kam dann die Verzweiflung. S. suchte in einer Mallorca-Facebook-Gruppe um Hilfe. Und siehe da, vielen ging es genauso. Einer wartet schon elf Tage, andere an anderen Flughafen und mit anderen Testfirmen warten seit fünf Tagen, in diesem Fall allerdings „mit Ansage“. Andere hatten ihr Ergebnis schon nach zwölf Stunden bekommen. „Komplett willkürlich ist das.“

Corona-Test am Flughafen München: Mit ein bisschen Ehrlichkeit wäre alles halb so wild gewesen

Nach vier Tagen war das Testergebnis dann da: negativ. Da hatte sich S. und ihre Tochter aber schon andernorts testen lassen. „Mich stört nicht die Wartezeit, sondern diese Hinhaltetaktik und die offensichtlichen Lügen." Hätte man ihr von Anfang an oder irgendwann am Telefon gesagt, es könne auch 90 Stunden dauern, der Andrang ist groß. S. hätte sich damit abgefunden und arrangiert. Aber so erlebte sie vier Tage Quarantäne-Hölle und Ungewissheit zuhause mit ihrer fünfjährigen Tochter und ihrem Mann, der ihretwegen nicht mehr zur Arbeit durfte.

Wir haben ebenfalls versucht, bei Ecolog anzurufen. Mehrmals. Allerdings gab's nie ein Freizeichen. Eine Antwort auf unsere schriftliche Anfrage steht noch aus.

*Der Name wurde geändert. Der korrekte Name ist der Redaktion bekannt.

Eines der bekanntesten Traditionshäuser in Notzing - das Hotel Kandler - muss wegen Corona seine Tore schließen.

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