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Ungewohntes Ambiente: Die Kommission tagte coronabedingt in der Stadthalle. 

FMG will sich weiter nicht an Ultrafeinstaubmessungen beteiligen

Zahl der Lärmbeschwerden am Flughafen steigt „exorbitant“ 

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Die Zahl der Lärmbeschwerden im Flughafenumfeld ist in den vergangenen Monaten explodiert. „Das hatte ich noch nie“, sagt der Fluglärmschutzbeauftragte. Hitzig diskutiert wurde in der Sitzung der Fluglärmkommission einmal mehr das Thema Ultrafeinstaub.

Flughafen/Erding – Die Zahl der Lärmbeschwerden im Flughafenumfeld ist in den vergangenen Monaten explodiert. Das war am Donnerstag Thema in der Sitzung der Fluglärmkommission in der Erdinger Stadthalle. Einmal mehr im Fokus stand dabei der Ultrafeinstaub.

Die Kommission besteht aus Vertretern der Kommunen im Flughafenumfeld, Flughafenbetreiber, Fluggesellschaften und Bürgerinitiativen. Vor diesem Gremium sprach Fluglärmschutzbeauftragter Robert Biberger von einer „exorbitanten Steigerung“ der Beschwerden. „Das hatte ich noch nie“, meinte er. 1262 Beschwerden seien bei ihm zwischen November 2019 und Juni 2020 eingegangen. Pro Monat sei das ein Schnitt von knapp 158. Zum Vergleich: Zuvor waren es gerade mal knapp sechs.

Das Ganze relativiere sich aber, so Biberger, wenn man sehe, dass die Beschwerden gerade mal von 21 Personen eingereicht wurden. Meist gehe es um die hohe Lautstärke, direkte Überflüge von Häusern, Nachtflüge und Flüge in geringer Höhe.

Laut Hermann Blomeyer von der Flughafengesellschaft (FMG) waren es in den vergangenen zwölf Monaten im Schnitt 2,4 Nachtflüge in der Kernzeit zwischen 0 und 5 Uhr. Eine erfreuliche Entwicklung ist für ihn, dass die Zahlen älterer, verbrauchsstarker Flugzeuge abgenommen habe.

„Es gab keinen einzigen Verstoß wegen der Höhe“, versicherte derweil Sandra Teleki von der Deutschen Flugsicherung (DFS). Die Lautstärke sei ein persönliches Empfinden. Sie berichtete von einem emsigen Beschwerdeführer, der meinte, ihm sei gesagt worden, dass es was helfe, wenn man sich nur oft genug beschwere.

FAQ-Novum

Wie viel Lärm ist für die Anwohner zumutbar und wie viel nicht mehr? Eine schwierige Frage. Der DFS geht es nun darum, Transparenz bei den Bürgern zu schaffen. Deswegen hat sie ein 52 Seiten starkes Paket mit den meistgestellten Fragen und Antworten zusammengestellt. Diese FAQs sollen demnächst den Kommunen zur Verfügung gestellt werden. Wie man das Ganze dann an die Öffentlichkeit gibt, muss laut dem bis gestern Kommissionsvorsitzenden Tobias Eschenbacher, OB von Freising, noch geklärt werden. Teleki zufolge ist dieses „gesammelte Werk ein Novum“ und in Zukunft auch für andere Flughäfen angedacht.

Flugzeuge ohne Einfluss auf die Luftqualität?

Blomeyer sprach im Anschluss von „ausgezeichneten Werten“, was die Luftgüte in der Flughafenregion angeht. Aufhorchen ließ seine Feststellung, dass es trotz der deutlichen Abnahme des Flugverkehrs in der Corona-Zeit keinen Knick etwa bei den Stickstoffdioxid-Mittelwerten gegeben habe. „Wenn die Flieger wegfallen, ändert sich an der Luftqualität erst mal nix“, meinte Blomeyer. Die Feinstaubkonzentration habe im März und April sogar zugenommen. Grund: Saharastaub. Blomeyers Fazit: Das Wetter hat maßgeblichen Einfluss auf die Partikelkonzentration in der Luft, nicht der Flugverkehr.

Für Wolfgang Herrmann vom Bürgerverein Freising bedeutet diese Feststellung nur: „Das, was gemessen wird, spiegelt nicht das wieder, was von den Flugzeugen emittiert wird“, so der 2. Vorsitzende des Vereins.

Ultrafeinstaub-Messungen: „Bitte um Geduld“

Bei der Messung von Ultrafeinstaub (UFP) geht es immerhin etwas voran, wie ein Vertreter des Umweltministeriums erläuterte. Geforscht werde in Zusammenarbeit mit dem Helmholtz Zentrum München und der Uni Bayreuth. Doch nach wie vor sei nicht klar, wie sich Ultrafeinstaub auf den Menschen auswirke. „Deswegen bitte ich noch um Geduld“, so der Mann vom Ministerium.

An der UFP-Messung will sich die FMG weiter nicht beteiligen. Das betonte Josef Schwendner. Zum einen seien die Geräte nicht geeignet für vernünftige Messungen, zum anderen sei der Flughafen keine Forschungseinrichtung. Außerdem verwies er auf coronabedingte Reduzierungen.

Neuer Vorsitzender

Das verstehe er zwar, und der Flughafen gehe sicher auch rechtskonform vor, meinte Eschenbacher dazu. Aber UFP-Messungen hätte der Airport seiner Meinung nach schon integrieren können in seine Geräte. Zum Vergleich: In Frankfurt oder Düsseldorf wird am Flughafen offiziell gemessen.

In Freising tun das dafür Landkreis und Bürgerverein. Landrat Helmut Petz berichtete von aktuellen Werten in der Corona-Krise, in der der Flugbetrieb mitunter quasi vollständig zum Erliegen gekommen war. Das Ergebnis: Im Vergleich zur Vergangenheit habe die UFP-Konzentration in der Luft „fast nix“ mehr ausgemacht, so Petz.

Der noch recht neue Freisinger Landrat wurde zum Ende der Sitzung zum neuen Vorsitzenden der Kommission gewählt. Eschenbacher rückt als Stellvertreter nun ins zweite Glied. Zweiter Vize neben ihm bleibt Herbert Knur. Bislang gab es nur einen Stellvertreter.

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