+
Stellten das Traunsteiner Modell in Landshut vor: Gener alstaatsanwalt Reinhard Röttle, Justizminister Georg Eisenreich und Leitender Oberstaatsanwalt Alfons Obermeier (v. l.). 

Die GSG 9 der Landshuter Justiz

„Traunsteiner Modell“ soll internationale Kriminalität aufhalten

Eine neunköpfige Spezialabteilung soll Kriminelle dazu bringen, einen großen Bogen um Bayern zu machen. Justizminister Eisenreich stellte in Landshut das Traunsteiner Modell vor.

Flughafen/Landshut Der Münchner Flughafen ist auch ein Einfallstor für internationale Kriminalität. Mit einer neunköpfigen Spezialabteilung will die Staatsanwaltschaft Landshut die Schlagkraft gegen die grenzüberschreitende Organisierte Kriminalität (OK) erhöhen. Im Visier hat sie insbesondere Schleuserbanden sowie Drogen- und Waffenhändler.

Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (CSU) stellte jetzt die Einführung des sogenannten Traunsteiner Modells bei der Landshuter Staatsanwaltschaft vor. Die Kriminalität, so der Minister, mache nicht an Ländergrenzen Halt, die Kriminellen seien in Netzwerken organisiert und agierten digital. „Unsere Aufgabe ist es, Schritt zu halten. Wir sind im Kampf gegen die OK bereits erfolgreich, Bayern ist in der Bundesrepublik Spitze.“

Erhöhte Schlagkraft

Eines der öffentlichkeitswirksamsten Verfahren sei das kürzlich vor dem Landshuter Landgericht mit hohen Freiheitsstrafen gegen fünf Angeklagte abgeschlossene Verfahren um 1,8 Tonnen Kokain in Bananenkisten gewesen.

Aber, so der Minister: „Wir erhöhen die Schlagkraft. International vernetzte und personell verstärkte Spezialabteilungen, das sei das sogenannte Traunsteiner Modell. Dazu gehörten fachliche Spezialisierung und die Zusammenarbeit mit den Staatsanwaltschaften der Nachbarländer.

Verbrechen darf sich nicht lohnen

„Verbrechen darf sich nicht lohnen, deshalb haben wir nach Festnahmen auch die Beute im Blick. Sie muss sichergestellt beziehungsweise müssen Erträge aus Straftaten konsequent abgeschöpft werden.“ In München sei deshalb eine eigene Zentralstelle zur Koordinierung der Vermögensabschöpfung eingerichtet, die die Gerichte und Staatsanwaltschaften bei der Anwendung der neuen gesetzlichen Möglichkeiten unterstütze.

Für die Einführung des Traunsteiner Modells in Niederbayern hätten Besonderheiten gesprochen, erklärte der Minister: So ende in Niederbayern die „Balkan-Route“ bei Schleusungen, außerdem erfordere der Flughafen als internationales Drehkreuz besondere Aufmerksamkeit.

Kriminelle sollen einen Bogen um Bayern machen

Bei der Landshuter Staatsanwaltschaft hat man durch Umstrukturierung und personeller Verstärkung eine neunköpfige Spezialabteilung geschaffen. In der sind im Bereich OK mit Alexander Ecker ein besonders versierter Oberstaatsanwalt, dazu ein Staatsanwalt als Gruppenleiter und sieben Staatsanwälte im Eingangsamt tätig. Diese Spezialabteilung führt nicht nur Ermittlungsverfahren im Zuständigkeitsbereich der Landshuter Staatsanwaltschaft durch, sondern übernimmt und bündelt auch besonders komplexe Verfahren der Staatsanwaltschaften Passau und Deggendorf.

Dabei, so Eisenreich, werde sie vertieft mit den europäischen Polizei- und Justizbehörden, vor allem auch mit den anderen Staaten an der Balkanroute sowie mit Eurojust und Europol zusammenarbeiten. „Wir wollen, dass Kriminelle einen großen Bogen um Bayern machen.“

145 Schleuser zwischen Januar und August festgenommen

Generalstaatsanwalt Reinhard Röttle begrüßte die Einführung des Traunsteiner Modells in Landshut. Insbesonders dankte er für die Schaffung der entsprechenden Struktur mit „ausreichenden Stellen und den richtigen Leuten, wobei die Landshuter Strafverfolger bereits bislang erfolgreich gegen die OK gekämpft haben“.

Allein in diesem Jahr habe die Bundespolizei von Januar bis August 145 Schleuser festgenommen, aber: „Wir wollen nicht nur sie, meist die kleinsten Räder in der Organisation, sondern auch die Hintermänner und Profiteure. Dazu bedarf es der internationalen Zusammenarbeit.“

„Unsere Zielrichtung ist die grenzüberschreitende Kriminalität in jeder Form, vor allem wenn es um Strukturen geht, kommen wir ins Spiel“, machte Leitender Oberstaatsanwalt Alfons Obermeier deutlich. Man habe bereits viele Kontakte ins Ausland, beispielsweise nach Albanien, Serbien, Rumänien und Griechenland geknüpft. „Jetzt haben wir das notwendige Personal. Das ist die Voraussetzung dafür, die OK noch intensiver zu bekämpfen, zum Nutzen der Bürger und ihrer Sicherheit.“

Walter Schöttl

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Münchner Flughafen eröffnet Wintermarkt - aber ein Service fehlt: „Wirklich sehr rückständig“
Weihnachten auf dem Airport: Am Münchner Flughafen ist es bereits Mitte November festlich. Doch es gibt auch Kritiker.
Münchner Flughafen eröffnet Wintermarkt - aber ein Service fehlt: „Wirklich sehr rückständig“
Flughafen München: Gesuchter Sexualstraftäter gefasst - weil er einen groben Fehler machte
Am Flughafen München ist ein Mann festgenommen worden, dem eine Sexualstraftat zur Last gelegt wird. Der Mann war zunächst geflohen - beging dann aber einen groben …
Flughafen München: Gesuchter Sexualstraftäter gefasst - weil er einen groben Fehler machte
100 Jahre Krieger Kirchasch: Kirchenzug und neues Trauerband
Den Krieger- und Soldatenverein Kirchasch gibt es seit mittlerweile 100 Jahren. Entsprechend groß fiel das Programm am gestrigen Volkstrauertag aus.
100 Jahre Krieger Kirchasch: Kirchenzug und neues Trauerband
Das Internet-Fenster zu Dorfens Geschichte
Dorfen hat eine reiche Geschichte. Der Historische Kreis erforscht und bewahrt sie. Die Erkenntnisse sind auf der neu gestalteten Internet-Seite des Vereins …
Das Internet-Fenster zu Dorfens Geschichte

Kommentare