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Thomas Bihler ist seit 25 Jahren (Gründung-)Vorsitzender des Flughafenvereins.

Flughafenverein feiert 25-jähriges Bestehen – Hilfe weltweit, aber auch in der Region

Die soziale Ader des Moos-Airports

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Vor 25 Jahren wurde der Flughafenverein München gegründet. Er hilft vor Ort und weltweit. Wir haben mit Gründungsvorsitzendem Thomas Bihler gesprochen.

Flughafen – Es begann mit einer verrückten Idee: Der Flughafen im Erdinger Moos war gerade einmal vier Jahre alt, der Tower noch ein Neubau. Im Sommer 1996 reiften Überlegungen, Behinderteneinrichtungen im Umland zu unterstützen. 60 Mitarbeiter machten sich daran, einen 78 Meter langen Flickenteppich zu knüpfen. Die Länge war kein Zufall, sie entspricht der Höhe des Kontrollturms. Studenten und Schüler ebenfalls aus der Region gestalteten das Teppichband, das sich bis heute im Guinnessbuch der Weltrekorde hält. Höhenretter der Münchner Feuerwerk hängten das Kunstwerk auf. Danach wurde es in 78 Teilen versteigert – 17 000 Mark kamen damals für den guten Zweck zusammen. Und es war die Geburtsstunde des Flughafenvereins.

Gegründet hat ihn damals Thomas Bihler. Er steht dem Verein bis heute vor. Nun feiert er sein 25-jähriges Bestehen. Jedes Jahr hilft er weltweit, aber auch vor Ort – mit Geld, vor allem aber mit Sachspenden. Der engere Kreis besteht aus Bihler, seiner Stellvertreterin Marianne Huber, Nadja Fellermeier, Christine Steinlehner und Theo Kunze. Letzterer ist längst in Pension, kehrt aber täglich zu seinem Arbeitsplatz am Flughafen zurück, um den Verein zu koordinieren.

Doch das ist noch nicht das ganze Erfolgsrezept. Denn Bihler weiß auch die vielen tausend Mitarbeiter der FMG und anderer Firmen am Flughafen hinter sich. Wenn es darum geht, schnell Hilfe zu organisieren, reicht ein Aufruf an die Belegschaft. Unterstützung gewährt der Verein auch eigenen Kollegen, die plötzlich durch schwere Krankheit oder andere Schicksalsschläge in Not geraten sind.

Der Gründungsvorsitzende weiß auch die sozialen Netzwerke zu nutzen, um schnell viel Hilfe zu organisieren. Die Facebookseite des 700 Mitglieder starken Vereins zählt über 25 000 Follower. Ein Aufruf verbreitet sich da schnell. Bihler setzt zudem auf Prominente, die den Verein mit ihrer Mitgliedschaft oder als Förderer bekannt machen. Zu ihnen zählen unter anderem die Klitschko-Brüder, aber auch Ministerpräsident Markus Söder.

Der Flughafenverein hilft zum einen in seiner unmittelbaren Nachbarschaft. Nach der Flut 2013 flossen 20 000 Euro in den besonders stark betroffenen Landkreis Erding. Aber auch Einzelschicksale berühren Bihler. Während des Pressetermins organisiert er nebenbei per Handy eine Wohnung und die Übernahme der Kaution für eine junge Mutter, die vor ihrem gewalttätigen Mann geflohen ist und nun die Chance hat, ein neues Leben in Sicherheit anzufangen.

Wann immer in der Welt Katastrophen – etwa Erdbeben in der Türkei und Nepal – passieren, organisiert der Verein Hilfe, verschafft sich Platz in einem Flieger, um Hilfsgüter zu transportieren, oder chartert einen Sattelzug, an dessen Steuer dann nicht selten ein Flughafenmitarbeiter sitzt.

Ein Fokus liegt auch auf Lettland und der Ukraine, mehr als 100 Tonnen Hilfsgüter wurden dorthin transportiert. „Wir wollen vor allem Kliniken und Altenheimen unterstützen“, so Bihler.

Auch die Türkei gehört zu den Hilfeempfängern. Eher durch Zufall ist Bihler auf das Drama der Müllkinder von Ayvalik an der Grenze zu Griechenland gestoßen. Deren Schicksal rührt Bihler besonders an: „Die Familien leben in Zelten aus Planen und Fetzen, die Kinder wühlen zum Teil barfuß im Müll nach Verwertbarem“, schildert er. Umgehend organisierte er Schuhe und Kleider für die Kinder. „Wenn man in die dankbaren Gesichter der Mädchen und Buben blickt, weiß man, wofür man sich engagiert, sagt Bihler, der passenderweise auch Leiter der FMG-Abteilung „Soziale Angelegenheiten“ ist.

Aber auch vor der Haustür herrscht Not. Weltweit Beachtung fand seine Aktion, im Englischen Garten in München Jacken in Bäume zu hängen, damit sie von Bedürftigen genommen werden. Der Facebookaufruf vor drei Jahren wurde über 100 000 Mal geteilt, das Medienecho reichte bis ins Ausland.

Das Spendenkonto des Flughafenvereins bei der Sparkasse Erding hat die IBAN: DE12 7005 1995 0000 9663 33 und die BIC: BYLA DE M1 ERD.

ham

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