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Bis zu zwölf Flugzeuge können am geplanten Pier des Terminals 1 andocken. 2022 soll er in Betrieb gehen.

Gemeinderat Oberding

Die Milliarden-Baustelle der Flughafen GmbH

Immer, wenn es um neue Bauten am Flughafen München geht, ist das Bürgerinteresse groß. So auch in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats Oberding, als Josef Schwendner, Leiter der Bereiche Recht, Gremien, Compliance und Umwelt von der Flughafen München GmbH (FMG) vor zahlreichen Zuhörern einen Überblick über aktuelle und geplante Projekte in den kommenden fünf Jahren gab. „Dabei“, sagte der Referent, „bewegen wir uns im Milliarden-Euro-Bereich“.Tatsächlich wird viel gebaut am zweitgrößten deutschen Airport. 

VON FRIEDBERT HOLZ

Oberding –  „Alle diese Bauprojekte gehen aber von der jetzigen Dimension eines Flughafens mit zwei Startbahnen aus“, betonte Schwendner mehrfach.

Eine der größten Baustellen wird das erweiterte Vorfeld Ost sein, dessen Bau gerade begonnen hat und in zwei Jahren in Betrieb gehen soll. Hier werden nach Auskunft der FMG einmal 23 weitere Parkpositionen und zwei so genannte multiple Aircraft-Stand-Positionen den immer größer werdenden Passagier-Maschinen ausreichend Platz bieten.

„Wir brauchen diese Vorfelderweiterung dringend“, erklärte Schwendner dem Gemeinderat. Schon jetzt bestehe erheblicher Platzmangel, denn gelandete Maschinen, die nicht lange an den sogenannten Aussteige-Fingern stehen sollen, müssten ständig umgeparkt werden. „Das Umschleppen der gerade nicht benötigten Flugzeuge ist teuer. Doch Passagiere erwarten zunehmend, dass sie nach der Landung direkt an einem Gebäude aussteigen und nicht mit einem Bus fahren müssen.“ Zudem habe die Europäische Agentur für Flugsicherheit eine neue Vorschrift erlassen, nach der die Maschinen weiter auseinander geparkt werden sollen. Diese Erweiterung sei schon beim Bau des Satelliten geplant gewesen, jedoch habe sich die Baurechtserteilung verzögert.

Auf die mehrfache Frage nach Lärmschutz für Nachbarn sagte Schwendner: „Das Verwaltungsgericht sieht dafür keinen Grund. Trotzdem wollen wir entlang des Südrings um den Flughafen eine solche Maßnahme prüfen, Baumaterial dafür wäre vorhanden.“ Auch die Sorge, dass Landwirte während des laufenden Baus des Flughafenzubringers Ost ihre Felder nicht erreichen, wiegelte er ab: „Wir werden für jeden eine Lösung finden.“

Eine Lösung soll auch für eine temporäre Mietwagen-Abstellfläche gefunden werden. „An starken Tagen werden 3000 Autos an Reisende ausgegeben, da müssen wir handeln.“ Und so plant die FMG im östlichen Bereich des neuen Südrings eine 55 000 Quadratmeter große Fläche mit asphaltierten Fahrstreifen zwischen den Grünflächen, um dort 1800 Autos abstellen zu können. „Die Wasserversickerung ist gesichert. Und wenn bis voraussichtlich 2024 der neue Speicher für Mietwagen fertiggestellt ist, wird diese Fläche wieder geschreddert.“ Damit antwortete Schwendner auf eine Frage von Franziska Meier (CSU) zur Renaturierung.

Viele weitere Themen standen im Fokus der Flughafen-Präsentation: der Neubau einer Rampen-Gerätestation, der neue Flugsteig auf dem westlichen Vorfeld („rund 460 Millionen Euro teuer“), neue Parkmöglichkeiten auch für FMG-Personal nördlich des Hilton-Hotels, ein komplett neues Mietwagenzentrum südlich des Parkhauses P20, die Feuerwache Süd, eine neue Konzernzentrale für die Flughafen-Verwaltung neben dem Novotel-Hotel sowie ein Accor-Hotel südlich davon.

Schließlich beschäftigten der Ausbau des LabCampus, neue Parkhäuser und ein Logistikzentrum Räte und Zuhörer. „Solange nicht endlich der S-Bahn-Ringschluss und eine vierspurige Flughafen-Tangente Ost fertig sind, stellen unsere Ortschaften den Flaschenhals im Airport-Verkehr auf der östlichen Seite dar“, klagte Bürgermeister Bernhard Mücke. Darauf antwortet Schwendner lapidar, dass „der Flughafen mit der Umsetzung seiner Projekte sicher schneller ist als staatliche Baubehörden. Wir haben etwa den neuen S-Bahn-Tunnel Richtung Erding nur gebaut unter der Bedingung, dass hier zeitnah auch ein Zug fährt.“

Die FMG wolle aber auch Express-Bahnen nach Erding sowie in die Richtung Regensburg-Landshut, um den steigenden Zubringerverkehr von der Straße auf die Schiene zu bringen. „Warum dauert es bei der Bahn überhaupt so lange?“, fragte Schwendner. „In fünf Jahren bauen wir als FMG den halben Flughafen um. Aber vielleicht bekommen wir irgendwann auch eine Fünf-Sterne-Bewertung für unsere Infrastruktur“. Gemeinderat Johann-Peter Haun (CSU) dazu süffisant: „Bis dahin können wir als Umland aber nur schauen, wie wir mit steigendem Verkehr fertig werden.“

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