Hausverbot am Airport: fliegen ja, einkaufen nein

Flughafen - Verreisen darf er schon (gültiges Ticket vorausgesetzt), zum Einkaufen darf er den Flughafen nicht betreten. So musste ein 40-jähriger Obdach- und Arbeitsloser einen Monat Freiheitsstrafe wegen Hausfriedensbruch hinnehmen.

Wie er abrutschte, darüber machte der Angeklagte keine Angaben.

Der Mann erklärte lediglich, dass er seit fünf Jahren mit kurzen Unterbrechungen auf der Straße lebt. Wegen Hausfriedensbruchs im Flughafen wurde er zum ersten Mal 2006 straffällig. Schwer betrunken war ihm damals ein Platz im Airbräu verwehrt worden, woraufhin er bei der Autovermietung Hertz Kunden und Passanten belästigte.

Das damals ausgesprochene Hausverbot galt für das gesamte Flughafengelände, doch bereits ein Jahr später und dann in regelmäßiger Folge wurde er wieder im Zentralbereich aufgegriffen und gab zur Begründung an, dass er im Edeka-Markt einkaufen wollte. Zunächst waren Geldstrafen die Folge, für einen Einkaufsbummel im Mai gab es zuletzt eine Freiheitsstrafe von einem Monat auf Bewährung.

Wohl um den Tatbestand des Hausfriedensbruchs wissend, fand er sich erneut im September vergangenen Jahres im Zentralbereich ein. „Wenn ich da nicht einkaufen darf“, argumentierte er ganz logisch, „dann darf ich ja auch nicht verreisen“.

Dürfte er schon, sofern er im Besitz eines Tickets wäre, versprach ihm Richter Aksel Kramer, nur einkaufen darf er eben nicht, auch wenn anderswo die Geschäfte schon geschlossen sind und der Durst groß ist.

Derzeit muss der 40-Jährige seine Reisepläne sowieso auf die lange Bank schieben. Weil er die letzte Geldstrafe von 60 Tagessätzen nicht zahlte, sitzt er in der JVA Bernau eine Ersatzfreiheitsstrafe ab, und gut 20 Tage davon hat er gerade hinter sich gebracht. Nun kommt noch das Urteil des Amtsgerichts Erdings hinzu, denn wie auch die Staatsanwältin hielt Richter Kramer den Einkauf für eine Schutzbehauptung. Er verurteilte den Berber zu einem Monat Freiheitsstrafe ohne Bewährung.

Zumindest beim derzeit strengen Winter, kann sich der Obdachlose fast ein wenig freuen, denn die Zukunft nach der Haftentlassung schaut trübe aus. Er will erst einmal seinen Sack mit Kleidung abholen, den ein Spezi für ihn aufbewahrt, doch „wie es dann weitergeht, weiß ich nicht“. Dass er arbeiten könne, so die Nachfrage der Staatsanwältin, lässt er dahingestellt. „A bisserl scho’“, gibt er sich vorsichtig gegenüber möglichen Angeboten. (Gert Seidel)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare