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Es ist höchste Eisenbahn

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Die Bahn
           soll’s richten. Das wünschen sich Max Gotz, Otto Wiesheu, Claudia Brauchitsch, Michael Kerkloh und Willi Kleine von Bahn-Chef Klaus-Dieter Josel (v. r.). 
            Foto: pir
Die Bahn soll’s richten. Das wünschen sich Max Gotz, Otto Wiesheu, Claudia Brauchitsch, Michael Kerkloh und Willi Kleine von Bahn-Chef Klaus-Dieter Josel (v. r.). Foto: pir

Flughafen - Anschluss ans Fernbahnnetz, der Ringschluss und eine Verbindung ins Chemiedreieck – jeder Talkgast hatte seinen eigenen Wunschzettel. Verkehrsguru Otto Wiesheu bremste die Euphorie.

Moderatorin Claudia von Brauchitsch hatte ihre prominenten Gäste im Griff. „Jetzt nicht übermütig werden“, zügelte sie Wacker-Chef Willi Kleine, als er vom besseren Güterverkehr ins Chemie-Dreieck träumte. „Keiner nimmt mehr das Wort Transrapid in den Mund“, ermahnte sie die gesamte Runde. Doch das Schlusswort zur Diskussion um eine verbesserte Schienenanbindung des Münchner Flughafens klaute ihr Otto Wiesheu: „Man soll das machen, was als erstes möglich ist. Und das ist der Erdinger Ringschluss.“ Eine bessere Flughafen-Anbindung in die Münchner Innenstadt, sagte der ehemalige bayerische Verkehrsminister, werde dagegen noch lange auf sich warten lassen, „denn hierzu gibt es noch nicht einmal ein Raumordnungsverfahren.“

Damit hatte der alte Polit-Fuchs nicht nur das letzte Wort in der Diskussionsrunde „Talk am Tower“, die am Montagabend im Terminal 1 aufgezeichnet wurde. Er setzte zumindest ein dickes Ausrufezeichen. Zuvor hatte München TV-Anchorwoman von Brauchitsch charmant und schlagfertig, aber vergeblich versucht, das Thema Bahnanschluss zum Flughafen vom Abstellgleis zu holen.

Ihre Gäste sangen ihr Klagelied „Im Westen (wahlweise im Osten) nichts Neues“. Der bayerische Bahnchef Klaus-Dieter Josel verwies auf ein Gutachten, dass im November Neues zur Anbindung der Innenstadt an den Airport bringen soll (siehe Bericht im Bayern-Teil). Kleine betonte als Vertreter der Wacker-Werke Burghausen die Wirtschaftskraft Südostbayerns: „Jeden Tag fliegen Hunderte aus dem Chemiedreieck in die Welt raus. Mit dem Zug braucht man bis zu drei Stunden an den Flughafen.“ Das sei unwürdig für eine Region, in der 25 Unternehmen rund 25 000 Menschen beschäftigen und jährlich über acht Milliarden Euro umsetzen. Seine Forderung: der rasche Ausbau zwischen München und Mühldorf.

Flughafenchef Michael Kerkloh pflichtete dem bei. Er hält die Verbindung in den bayerischen Osten mit S-Bahn-Ringschluss, Walpertskirchener Spange „allein schon aus Gründen der Beschäftigungsentwicklung“ für nötig. Die Flughafen München GmbH generiere ihre Arbeitskräfte aus der Stadt und dem Landkreis München sowie aus Freising, aber nicht so stark aus dem Kreis Erding. Da sind wir um den Faktor 3 kleiner“, sagte der Airportchef. Der Grund: Ein Arbeitsplatz müsse in 30 bis 45 Minuten erreichbar sein.

„Wir brauchen aber auch langfristig einen Fernbahnanschluss“, forderte Kerkloh und erinnerte daran, dass alle vergleichbaren Großflughäfen eine vorbildliche Verknüpfung mit der Bahn hätten. Erdings Bürgermeister Max Gotz wollte nichts von einer Fernbahnanbindung hören. Jetzt gehe es um die Infrastruktur östlich den Flughafens, „wo nichts, aber auch gar nichts gemacht wurde“. S-Bahn-Ringschluss und Walpertskirchener Spange müssten her.

Wiesheu, der einstige Verkehrsminister, mahnte zur Geduld und fuhr eine Retourkutsche. Die Flughafentangente hätte man gern schnell gebaut, „aber das ist an den Einsprüchen der Bürger und der Gemeinde gescheitert. Für jeden Meter gab es eine Klage“, sagte Wiesheu.

Wiesheu warnte auch davor, Wunschvorhaben durchzudrücken. Ostbayern zum Beispiel wolle die Marzlinger Spange, die aber nicht nur aus ökologischen Gründen eine schlechte Lösung wäre. Und er erinnerte an Uralt-Pläne eines Flughafen-Shuttles von Landshut bis Pasing. „Aber das wäre zu teuer geworden. Allein der Umbau des Pasinger Bahnhofs hätte 400 Millionen Euro gekostet“, sagte Wiesheu. Investitionen in die Infrastruktur würden sich betriebswirtschaftlich nie rechnen. „Aber volkswirtschaftlich rechnen sie sich schon.“

Der Fernsehsender München TV strahlt die Diskussion „Talk im Tower“ am Donnerstag um 20.15 Uhr aus. Wiederholt wird die Sendung am kommenden Freitag um 20 und 22 Uhr sowie am Sonntag um 13.30 Uhr

(Dieter Priglmeir)

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