+
Der neue Flughafenchef an seiner künftigen Wirkungsstätte: Jost Lammers im Schatten des Towers.

Der künftige Flughafenchef Jost Lammers stellt sich vor

Der neue Boss im Erdinger Moos

  • schließen

Der neue Chef des Münchner Flughafens ist im Erdinger Moos gelandet: Am Freitag stellte sich Jost Lammers erstmals den Fragen der Münchner Presse. Zum Jahreswechsel folgt der 52-Jährige auf Michael Kerkloh, der nach 17 Jahren den Tower von Deutschlands zweitgrößtem Flughafen verlässt.

Erding– Jost Lammers stammt aus einer handwerklich versierten Familie. Der 52-Jährige behauptet das auch von sich selbst. Das ist schon mal eine wichtige Voraussetzung für seinen neuen Job. Zwar betont Finanzminister Albert Füracker als Chef des Airport-Aufsichtsrats, der Münchner Flughafen bedürfe keines Sanierers. Dafür übergebe Kerkloh ein zu gut bestelltes Haus. Dennoch setzen beide auf Lammers’ Qualitäten als Renovierer. Die 28 Jahre, die der Flughafen auf dem Buckel hat, sind an vielen Stellen nicht zu übersehen – und müssen sukzessive behoben werden. Neu zu bauen gibt es aber auch noch jede Menge (siehe Bericht unten).

Das verlangt FMG-Chefaufseher Albert Füracker

Die Stellenbeschreibung, die Füracker verkündet, fällt da schon etwas konkreter aus. Drei Dinge verlangt der Chefaufseher. „Die FMG muss wirtschaftlich erfolgreich bleiben.“ Sprich: Der Schatzmeister des Freistaats erwartet auch in Zukunft satte Gewinne von der Flughafen München GmbH (FMG).

Zweitens soll Lammers dem Drehkreuz des Südens weitere Flügel verleihen – am Boden wie in der Luft. Denn die Erträge stammen immer mehr aus dem sogenannten Non-Aviation-Geschäft, also Einnahmen aus Handel, Gastronomie, Parken, Werbung.

Drittens verbietet er Lammers, bis Ablauf der Legislaturperiode die Pläne für die dritte Start- und Landebahn anzufassen. Das mit dem Koalitionspartner Freie Wähler ausgehandelte Moratorium gilt noch immer. Natürlich schiebt Füracker sofort den Hinweis hinterher, „dass die dritte Bahn dem Flughafen schon guttun würde“. Deswegen geht Lammers straffrei aus, als er sich hinter den Ausbau stellt. Nicht nur, weil die Kapazitätsgrenzen zu immer mehr Zeiten erreicht seien und der Flugverkehr weiter wachse, sondern auch, „weil München in einem zunehmend schärferen internationalen Wettbewerb steht“.

Seit 20 Jahren in der Luftfahrtbranche

Und von dem versteht der 52-Jährige eine ganze Menge. Seit 20 Jahren ist Lammers in der Luftfahrtbranche unterwegs. Vor zwölf Jahren übernahm er den Chefsessel des ungarischen Hauptstadtflughafens Budapest, dessen Passagierzahlen ebenfalls stark steigen. Zum Jahreswechsel geht es von der Donau an die Isar. Davor, ab 1998, war Lammers bei der Hochtief AirPort – und damit mit den Flughäfen Düsseldorf und Athen befasst. In der griechischen Hauptstadt wirkte Lammers an der Eröffnung des neuen Flughafens mit; am Rhein verantwortete er von 2004 bis 2007 die Bodenabfertigung.

Auch die Luftfahrt-Lobby kennt der Neue im Moos. Einmal ist er Kerkloh nämlich schon nachgefolgt: als Präsident des Europäischen Flughafenverbandes ACI. Dass Lammers kein Bayer ist, hört man sofort. An dieser Stelle darf der Hinweis nicht fehlen, dass der Münchner Flughafen mal wieder nicht von einem FC-Bayern-Fan geleitet werden wird. Lammers ist Schalker. Das verrät Kerkloh feixend. Der wiederum ist bekanntlich glühender Dortmund-Anhänger.

Geboren wurde Lammers 1967 in Oldenburg. Nach dem Abitur in Osnabrück absolvierte er eine Banklehre. Den Wehrdienst leistete er – wen wundert’s? – bei der Luftwaffe ab, ehe er Betriebswirtschaft und Wirtschaftswissenschaften in Bayreuth, Witten-Herdecke und San Diego studierte. Der berufliche Startschuss fiel 1994 bereits in der Mobilitätsbranche. Lammers blieb zunächst buchstäblich bodenständig – als Diplom-Ökonom bei einem Automobilzulieferer. Zwei Jahre später wechselte er zur Hochtief AG und dort schließlich in die Airport-Sparte.

Mit der Familie will er in die Region ziehen

Die, die mit Lammers schon an dessen neuer Wirkungsstätte zu tun hatten, loben ihren künftigen Chef als offen, interessiert und zugewandt. Genau so, verspricht er, werde er auch seinen künftigen Nachbarn begegnen. Einige Bürgermeister und Landräte habe er schon kennengelernt. „Ich werde auch den direkten Kontakt zum Umland suchen. Das ist mir ganz wichtig.“ Damit setzt er Kerklohs allgemein anerkannte Regionalpolitik fort. Lammers will ebenfalls mit Frau und beiden Söhnen in die Region ziehen – „irgendwo zwischen Hauptbahnhof und Flughafen“.

Alles sieht nach einem harmonischen Übergang aus. Kerkloh bekennt: „Ich freue mich, dass Jost der Nachfolger an ,meinem‘ Flughafen wird.“ Dass es mit der dritten Bahn nicht geklappt hat, beschäftigt den Scheidenden sehr. „Dieses Projekt geht weiter, das vererbe ich.“

Während er das sagt, verschicken die Grünen eine Mail mit dem Betreff: „Grünes Lastenheft“. Lammers solle die dritte Bahn beerdigen, kein Wachstum kaufen und für weniger Lärm und Abgase sorgen. Kerklohs Weg zur Klimaneutralität will Lammers fortsetzen. Bei den anderen beiden Punkten steht ihm die Arbeitsplatzbeschreibung Fürackers im Weg. Und der ist sein Boss.

Das könnte Sie auch interessieren: Der Flughafen München ist vom Bund der Steuerzahler jetzt heftig kritisiert worden. Der Bund klagt die Abschiebehaft an, die viel zu hohe Kosten mit sich bringe. Der Flughafen München wurde auf Google schon oft bewertet. Von kurios bis kritisch war alles dabei. (merkur.de)*

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks. 

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Münchner Flughafen eröffnet Wintermarkt - aber ein Service fehlt: „Wirklich sehr rückständig“
Weihnachten auf dem Airport: Am Münchner Flughafen ist es bereits Mitte November festlich. Doch es gibt auch Kritiker.
Münchner Flughafen eröffnet Wintermarkt - aber ein Service fehlt: „Wirklich sehr rückständig“
Grundstein für Gerd-Vogt-Sportpark gelegt
Vor nicht einmal zwei Wochen erhielt die im Bau befindliche neue Sportanlage mit Dreifachhalle in den Geislinger Ängern einen offiziellen Namen: Gerd-Vogt-Sportpark, …
Grundstein für Gerd-Vogt-Sportpark gelegt
Kommentar: Hohe Dämme, tiefe Spalten
In Erding wird um den Hochwasserschutz gerungen, in Moosinning steht die CSU vor einer Spaltung. Der Wochenendkommentar von Redaktionsleiter Hans Moritz.
Kommentar: Hohe Dämme, tiefe Spalten
100 Prozent für Wiesmaier und 16 ambitionierte Kandidaten
In der Aufstellungsversammlung der Wählergemeinschaft Reichenkirchen im Gasthaus Rauch erreichte Hans Wiesmaier als einziger Bürgermeisterkandidat wieder das …
100 Prozent für Wiesmaier und 16 ambitionierte Kandidaten

Kommentare