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Der 54-Jährige Angeklagte begab sich ins kinderpornographische Milieu - seine Begründung: Er wollte dort als Polizist ermitteln.

Prozess vor Verwaltungsgericht München

Kinderpornos kosten Flughafen-Polizisten (54) den Job

Er war ein guter Polizist, der seit 1995 bei der Bundespolizei am Flughafen arbeitete. Er war Gruppenleiter, bekam Leistungsprämien.

Flughafen – Doch dann beging der 54-Jährige einen Fehler: Er begab sich im Internet ins kinderpornografische Milieu, besaß und verbreitete kinder- und jugendpornografisches Material und machte bei einem einschlägigen Chat mit. Deshalb hat ihn die Disziplinarbehörde aus dem Beamtenverhältnis entfernt.

54-Jähriger verteidigt sich, er habe privat ermitteln wollen

Das wollte er nicht hinnehmen und klagte vor dem Verwaltungsgericht München. Er hat eine ganz besondere Erklärung für seine Aktivität im Kinderporno-Milieu: Er habe privat ermitteln wollen, um Täter zu überführen.

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Als die Polizei im Saarland gegen ein Paar ermittelte, führte die Computer-Spur zu dem Polizeihauptkommissar. 2016 durchsuchte die KPI Erding seinen Computer und entdeckte dort das Material. Das Amtsgericht Erding verurteilte ihn im Dezember 2016 zu elf Monaten Haft auf Bewährung, die auch rechtskräftig sind. 

Angeklagter kämpfte mit den Tränen

Im März 2017 wurde er vorläufig des Dienstes enthoben, mit 15-prozentiger Gehaltskürzung. Im April 2018 wurde er aus dem Dienst entlassen. „Das Vertrauen ist endgültig zerstört“, sagte der Vertreter der zuständigen Bundespolizeidirektion.

Der 54-Jährige kämpfte vor Gericht mit den Tränen – und verteidigte sich. Er habe im Internet erst mal nur geschaut, „was das für Leute sind“, sagte er – und „ob jemand so doof ist, mir Fotos zu schicken“. Dann habe er entdeckt, was diese Leute schreiben und verschicken. „Das hat mich aufgeregt.“ Es sei keine böse Absicht gewesen, „auch wenn’s aus dem Ruder gelaufen ist“. Er sei „übermotiviert“ gewesen.

Sein Anwalt betonte, dass man im Kinderporno-Milieu auch selbst „liefern“ müsse, um Material zu bekommen. Das erhaltene Material habe der Polizist nicht dokumentiert, weil es zu viel gewesen sei und er keinen Drucker gehabt habe – und keinen Platz in der Wohnung.

Das Verwaltungsgericht sah den Fall wie die Disziplinarbehörde. Zwar könne man die Idee der Ermittlungsabsicht als gegeben annehmen, „aber was Sie hier unternommen haben, entbehrt so jeden Erfolg, dass es bei der Entfernung bleibt“, sagte die Vorsitzende Richterin. Seine Ermittlungen hätten in irgendeiner Weise dokumentiert werden müssen – in einem Ermittlungstagebuch, einer notariellen Notiz oder in Form von Screen-Shots, „um sich über jeden Verdacht erhaben zu machen“. 

Urteil: Polizist wird aus Dienst entfernt

Zudem handle es sich um Taten, die erheblich gegen den Polizisten sprechen würden. So habe er in einem Chat mit 13 Beteiligten mitgemacht, bei dem eine Animation vorgelegen habe. Außerdem: Ob das „Liefern“ von Material im Entblößen der eigenen Person liegt, glaube sie nicht.

Am Ende entschied das Gericht wie die Disziplinarbehörde: Der Polizist wurde aus dem Dienst entfernt. Von Nina Gut

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