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Isoliert, aber nicht vergessen

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Von: Hans Moritz

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In einem Teil des Munich Airport Hilton waren die Südafrika-Heimkehrer isoliert. © Hans Moritz

Aus dem Flieger direkt in die Isolation fernab von zu Hause – und das über Weihnachten. Dieses Schicksal ereilte über 70 Südafrika-Heimkehrer, die nach der Landung positiv auf die Omikron-Variante des Coronavirus getestet worden waren. Das Kriseninterventionsteam des BRK Erding blieb an ihrer Seite.

Flughafen - Wenn das Erdinger KIT nach einem plötzlichen Todes- oder Unglücksfall ausrückt, um sich um die Angehörigen zu kümmern, dauern die Einsätze meist nur ein paar Stunden. Gleich drei Wochen waren die Seelsorger ab Mitte Dezember gefordert. Sie standen den Südafrika-Heimkehrern bei, die bei der Einreise positiv auf Corona getestet worden waren und umgehend in Quarantäne mussten – im Hilton-Hotel am Flughafen.

Die Führungsgruppe Katastrophenschutz am Erdinger Landratsamt bat das KIT um Unterstützung, um die Reisenden trotz Isolation nicht alleine zu lassen. Jetzt konnte der Auftrag abgeschlossen werden, weil sich in dem Hotel keine Quarantänefälle mehr aufhalten. Omnikron hat sich längst in Deutschland eingenistet.

Iris Menzinger ist Leiterin des KIT und hatte täglich mit den Isolierten zu tun. „Natürlich konnten wir die Menschen nicht persönlich aufsuchen, aber wir haben täglich am Telefon Kontakt gehalten“, erzählt die zweifache Mutter. „Einige waren wirklich sehr dankbar für die Gespräche, weil wir neben den Familien die Einzigen waren, mit denen sie über ihre missliche Lage sprechen konnten.“ Die Situation sei eine Besondere gewesen, weil viele Isolierte Tage vorher wussten, dass sie Weihnachten nicht zu Hause bei ihren Lieben verbringen würden. „Man stellt sich das so schön vor“, sagt Menzinger, „ein paar Tage in einem Luxushotel. Doch das war es nicht.“ Denn die Reisenden durften ihre Zimmer unter keinen Umständen verlassen. Ihr Essen bekamen sie vor die Tür gestellt, ebenso Dinge des täglichen Bedarfs, um die sich ebenfalls das KIT kümmerte. Auch mussten sie jeden Tag einen Fragebogen der ärztlichen KIT-Leiterin Dr. Birgit Wahl ausfüllen. Schwerer erkrankte aber zum Glück niemand.

Menzinger freut sich, dass auch das Hotel alles unternommen habe, um den Gestrandeten ein möglichst schönes Fest zu bereiten. „Jeder bekam ein kleines Bäumchen und Lebkuchen.“ Und die Angehörigen schickten die Geschenke einfach ans Hotel, wo sie wiederum vor den Zimmertüren abgelegt wurden.

Dort fanden die Isolierten jeden Morgen auch den Münchner Merkur vor, eine kleine Aufmerksamkeit unseres Verlages. Das BRK organisierte Bücher und Zeitungen, auch in anderen Sprachen, um ein wenig Kurzweil zu bieten.

Notfallseelsorger Martin Garmaier fuhr sie jeden Tag ins Hotel. Im Hauptberuf ist er Stadtpfarrer von Erding. „Uns war es wichtig, das Gefühl zu vermitteln, dass sie zwar quasi eingesperrt, aber nicht vergessen sind“, berichtet Garmaier. „Wir waren immer erreichbar, hatten im Hotel ein eigenes Büro. Über die Wochen habe man teils schöne Beziehungen zueinander aufgebaut.

Auch für die Helfer gab es berührende Erlebnisse. Menzinger schildert, dass ein älteres Ehepaar die Lage mit Fassung getragen habe. Der Mittsiebziger habe ihr verraten, „dass sie in Südafrika eine tolle Zeit erlebt hatten und sich die Erinnerung jetzt nicht von der Quarantäne kaputt machen lassen“.

Garmaier erwischte einen älteren Herren, der sich aus dem Zimmer geschlichen hatte, um im Foyer seine Partnerin zu liebkosen. „Das geht natürlich nicht, auch wenn es menschlich nachvollziehbar ist“, meint der Pfarrer schmunzelnd. Die Konsequenz: Auch die Frau musste in Isolation.

Einige wenige hätten die Lage gar nicht ausgehalten – und seien getürmt, berichtet Garmaier. „Wir haben das daran gemerkt, dass das Essen vor den Zimmern stehen geblieben war.“ Um diese Fälle kümmerten sich Polizei und Erdinger Landratsamt.

Wer im Zimmer blieb, sollte sich zumindest ein bisschen bewegen. „Wir haben kleine Fitnessprogramme ausgeteilt“, sagt Menzinger. Und auch Wäschewaschen sei auf den Zimmern angesagt gewesen. Sie selbst seien nur in Schutzanzügen auf den Fluren gewesen.

Eines ärgert den Pfarrer: „Am Flughafen Frankfurt wurde weniger streng getestet, weil die PCR-Tests dort zu lange gedauert hätten.“ Dort kamen die Reisenden schneller nach Hause. Im Erdinger Moos bekam jeder Fluggast einen PCR-Test – und das Ergebnis binnen weniger Stunden.

Ein Fall bleibt besonders in Erinnerung: In einer Familie waren nach der Schilderung des Erdinger Gesundheitsamtsleiters Peter Stadick ein Elternteil und ein Kind positiv. Sie mussten am Flughafen bleiben, während die anderen beiden heimfahren durften. Mittlerweile sind sie wieder vereint.

ham

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