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Erst gähnende Leere in den Terminals, nun in den Kassen. Ob die FMG Personal entlassen muss, ist noch völlig offen.

Flughafen-Geschäftsführung: „Prognosen sind schwierig“ – Betriebsrat weiß von nichts

Kündigungen am Flughafen: Es ist noch nichts entschieden

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Die Nachricht, dass im Aufsichtsrat der Flughafen München GmbH (FMG) über Massenentlassungen in Folge der Corona-Wirtschaftskrise gesprochen wurde, ist in Belegschaft und Region eingeschlagen wie eine Bombe. Der Betriebsrat wusste davon nichts.

Erding – Die FMG reagierte auf unsere Berichterstattung mit einer Erklärung. Die Begriffe „Entlassung“ und „Kündigung“ tauchen darin nicht auf, können aber hinein interpretiert werden. „Exakte Prognosen sind angesichts der fragilen Situation des Luftverkehrs momentan noch sehr schwierig. Vor diesem Hintergrund kann über mögliche Kapazitätsanpassungen am Airport auch erst in den nächsten Monaten im Detail entschieden werden“, heißt es. Alle Maßnahmen würden „in enger Abstimmung mit den FMG-Gremien und den Arbeitnehmervertretern sorgfältig geplant und sozialverträglich gestaltet“.

FMG „unverschuldet in die schwerste Krise“

Der internationale Luftverkehr sei unverschuldet in „die schwerste Krise seiner Geschichte geraten“. Die Situation sei „herausfordernd“. Die FMG rechnet „auch in den kommenden Jahren mit einem Verkehrsaufkommen unter Vorkrisenniveau“. Es seien zahlreiche Gegenmaßnahmen ergriffen worden, um Liquidität und Handlungsfähigkeit zu erhalten.

Der Betriebsrat des Konzerns wurde von der Nachricht kalt erwischt. Der stellvertretende Vorsitzende Orhan Kurtulan sagte unserer Zeitung: „Betriebsrat und Geschäftsführung sind am gleichen Tag wie der Aufsichtsrat zusammengesessen. Da war von Kündigungen keine Rede.“ Kurtulan wundert sich, dass die Aufseher schon jetzt abschätzen könnten, ob es Kündigungen aufgrund des Zusammenbruchs des Luftverkehrs überhaupt bedürfe. „Die Kurzarbeiterregelung geht noch bis März 2021, wir haben also noch acht Monate.“ Dabei habe sich der Konzern „sehr sozial und human“ gezeigt. Seine Hoffnung: Bis dahin könnte sich die Luftfahrt schon wieder einigermaßen berappelt haben.

Betriebsrat: Kündigungen waren kein Thema

„Natürlich sind wir in Sorge, aber im Gespräch mit der Geschäftsführung ging es vor allem darum, wie die Entwicklung momentan ist – und keineswegs um Entlassungen“, sagt der Vize-Chef der Mitarbeitervertretung. Den Vergleich mit dem Frankfurter Flughafen lehnt Kurtulan ab: „Die FMG ist ein öffentliches Unternehmen und nicht wie Fraport eine Aktiengesellschaft.“

An diese Konstellation klammern sich die rund 10 000 FMG-Beschäftigten. Staat, Bund und Landeshauptstadt dürften es sich in der Tat sehr genau überlegen, ob ausgerechnet sie als öffentliche Hand FMG-Chef Jost Lammers und Personalchef Robert Scharpf Kündigungen im bis zu vierstelligen Bereich unterschreiben lassen.

Landrat: Erding wäre nicht so schlimm betroffen

Landrat Martin Bayerstorfer erklärt, er habe einen Stellenabbau befürchtet. „Der Landkreis Erding ist da aber zum Glück nicht so stark betroffen. Denn nach einer statistischen Auswertung kommen die meisten Beschäftigten aus München, gefolgt von Freising.“ Um die Folgen der Krise zu dämpfen, werde man auf jeden Fall weiter versuchen, „die Wirtschaft mit Investitionen in Schwung zu halten“. Dennoch sei eine 20-prozentige Haushaltssperre unvermeidlich.

OB Gotz: Umso wichtiger sind alternative Arbeitsstätten

Erdings OB Max Gotz sprach von einer drohenden „schlimmen Entwicklung“. Denn viele FMG-Beschäftigte „durften davon ausgehen, einen sicheren Arbeitsplatz zu haben und haben im Vertrauen darauf Haus oder Wohnung erworben“. Gotz erwarte vor allem von Freistaat und Landeshauptstadt, als Miteigentümer „ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden“ und auf Kündigungen möglichst zu verzichten. Das gelte vor allem für die 600 Auszubildenden.

Auch die lokale Politik könne etwas tun, so der OB. „Jetzt zeigt sich, wie wichtig die Ansiedlung neuen Gewerbes ist, um Alternativen bieten zu können.“ Sollte es größere Entlassungen geben, müssten die bürgerlichen Netzwerke greifen.

IHK: Erholung wird lange dauern

IHK-Vizepräsident Otto Heinz hofft ebenfalls auf eine rasche Erholung, rechnet dafür aber mit mehreren Jahren. Kündigungen könnten in gewissem Umfang von der regionalen Wirtschaft kompensiert werden, da diese nach wie vor vom Fachkräftemangel geprägt sei.

Dennoch rechnet Heinz mit einem Einschlag in die Wirtschaft. Denn die FMG habe bisher in den Kreisen Erding und Freising Aufträge im Wert von 60 Millionen Euro jährlich vergeben, im Raum München von 250 Millionen Euro. „Wer vom Flughafen abhängig ist, wird lange auf eine Erholung warten müssen“, so Heinz.

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