Viel Flugbetrieb am Moos-Airport – so hat es die FMG am liebsten. Die derzeitige Flaute ist für sie aber kein Grund, an den Ausbauplänen zu zweifeln. Erfahrungsgemäß erhole sich die Luftfahrt von Krisenzeiten schnell und mit überproportionalen Wachstumsraten. Diese Nachholeffekte bei den Passagierzahlen nach Krisenzeiten hat sie in einer Grafik dargestellt. Dabei angegeben: die durchschnittliche Veränderung pro Jahr in Prozent im Vergleich zum jeweiligen Vorjahreszeitraum. Foto/grafik: fmg

Luftfahrtkrise 2009: Parallelen zum Baustopp 1981

Flughafen - Der Münchner Flughafen hatte eine miese Woche. Fast 20 Prozent weniger Starts und Landungen verzeichnete die FMG zwischen 5. und 11. Januar. Mehr Sorgen bereiteten ihr allerdings Schlussfolgerungen, wie es sie Anfang der 80er Jahre schon einmal gab.

Sieben Jahre lang war es stetig nach oben gegangen, die Zahl der Flugbewegungen teilweise um über sechs Prozent gestiegen. Doch dann kam Anfang der 1980er Jahre die zweite Ölkrise, und die Zahlen stagnierten. Die Verkehrsprognose wurde nach unten korrigiert: auf 10,8 Millionen Fluggäste für das Jahr 2000. Für die Richter am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof war deshalb ein neuer Flughafen in der vorgesehenen Größe nicht mehr gerechtfertigt. Am 16. April 1981 verhängten sie den Baustopp im Erdinger Moos, der vier Jahre später wieder aufgehoben wurde.

Und tatsächlich schienen die Ergebnisse in den Jahren 1981 (1,7 Prozent weniger Flugbewegungen als 1980) und 1982 (- 4,4 %) den Richtern Recht zu geben, doch dann erholte sich die Luftfahrt. Und so verzeichnete der Moos-Airport im Jahr 2000 nicht 10,8 sondern 23,1 Millionen Fluggäste.

Diese Geschichte erzählen die Vertreter der Flughafen München GmbH (FMG) derzeit gebetsmühlenhaft. Die Angst vor der Parallele treibt sie um. Damals ging es um den Airport-Neubau, heute streitet die FMG um eine dritte Start- und Landebahn. Allerdings geht es jetzt auch nicht um ein Jahresminus von vier Prozent, sondern um zweistellige Minusraten – pro Woche. Die Zahl der Flugbewegungen ist laut einer Statistik der Deutschen Flugsicherung (DFS) in der zweiten Januar-Woche um 19,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Solche Schwankungen hat selbst der langjährige DFS-Sprecher Axel Raab noch nicht erlebt. Er schränkt aber ein, dass es in der dritten Januar-Woche schon besser aussieht: nur noch 8,9 Prozent weniger Flüge als 2008.

Die Zahlen will FMG-Sprecher Ingo Anspach gar nicht dementieren, vielmehr ärgern ihn die Schlussfolgerungen. „Es geht hier um Wochenergebnisse. Es ist doch absurd, damit eine 15-Jahre-Prognose zu widerlegen.“ Anspach bezieht sich auf das Gutachten der Firma Intraplan, die für das Jahr 2020 rund 57,3 Millionen Passagiere und 607 000 Flugbewegungen am Moos-Airport prognostiziert. Sie geht von einer durchschnittlichen Wachstumsrate des Passagieraufkommens von 4,5 Prozents über den Zeitraum 2006 bis 2020 aus.

„Der Weg dorthin ist aber nun einmal ein Wellental und keine lineare Geschichte“, sagt Anspach. In den Jahren von 1992 bis 2006 sei die Fluggastzahl sogar durchschnittlich um sieben Prozent gestiegen. Zwei miserable Luftfahrtjahr könne die FMG problemlos verkraften, ohne ihre Prognose nach unten schrauben zu müssen.

Schlechte Rahmenbedingungen wie die derzeitige Finanzkrise habe es schon immer gegeben, danach habe das Geschäft aber stets überproportional angezogen (siehe Grafik). 1991 etwa verzeichnete München nach dem ersten Golfkrieg 625 000 (5,5 Prozent) Passagiere weniger als im Vorjahr, 1992 waren es dann schon wieder 1,2 Millionen Fluggäste mehr (11,3 %). Auch die Krise nach den New Yorker Terroranschlägen und der Vogelgrippe war relativ schnell überwunden. Einem Minus von 483 000 Fluggäste (- 2 %) im Jahr 2002 folgte ein Plus von 1,02 Millionen (+4,4 %) Passagiere im Jahr 2003 und 2,62 Millionen (+ 10,8 %) 2004.

Auch die Schwankungen beim Rohölpreis hätten bisher die Nachfrage nicht gehemmt, rechnet die FMG in einem Politikbrief vor: „Trotz der Rohölpreissteigerungen um real 120 Prozent ist das Passagieraufkommen im Zeitraum 2003 bis 2007 nicht etwa gesunken, sondern deutlich gestiegen: weltweit um 32, in Europa um 33, in Deutschland um 28 und in München um 41 Prozent.“

Der Regierung von Oberbayern reicht dies allerdings nicht aus. Sie lässt das Intraplan-Gutachten von einem externen Fachmann überprüfen. pir

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