+
Gelbwestenprotest in Küchenkleidung: Zahlreiche Mitarbeiter der Lufthansa-Tochter LSG Sky Chefs protestierten gestern gegen den Verkauf ihres Betriebs. 

LSG-Protest am Flughafen

Lufthansa-Catering: Demo gegen Verkauf

  • schließen

Gerade bangen 35 500 Beschäftigte des Catering-Unternehmens LSG Sky Chefs um ihren Arbeitsplatz. Die Lufthansa will die Küchen-Tochter verkaufen und sich stärker auf ihr Hauptgeschäft - Luftfahrt - konzentrieren.

Flughafen – Die Lufthansa will ihre Küchen-Tochter LSG Sky Chefs verkaufen. Das Bieterverfahren läuft. Nun bangen 35 500 Beschäftigte um ihre berufliche Zukunft. Der zweitgrößte Caterer der Welt hat allein am Münchner Flughafen 1350 Stellen. Mehrere hundert Mitarbeiter schlossen sich am Donnerstag einer von der Gewerkschaft initiierten Protestkundgebung am Münchner Flughafen an.

Helmut Tolkstorf, Sprecher des Lufthansa-Konzerns in Frankfurt, bestätigt im Gespräch mit unserer Zeitung die Verkaufsabsichten. „Es gibt schon länger Überlegungen, ob Lufthansa der richtige Eigentümer der LSG ist. Im April hat der Vorstand beschlossen, den Verkauf anzustoßen“, berichtet Tolksdorf.

Lufthansa wolle sich stärker auf ihr Hauptgeschäft konzentrieren – Luftfahrt. „Hier wollen wir auch investieren, etwa in lärm- und emissionsarme Flugzeuge“, so Tolksdorf. Der neue Eigentümer solle das Catering als seine Hauptaufgabe betrachten – „und hier ebenfalls investieren“. Es gebe bereits mehrere Interessenten. Wann der Verkauf über die Bühne geht, und wer den Zuschlag erhält, stehe bislang noch nicht fest.

Deswegen könne Lufthansa derzeit nicht sagen, zu welchen Konditionen die Mitarbeiter, davon 7000 in Deutschland, weiterbeschäftigt werden. Derzeit stehen sie unter einem laut Tolksdorf „überdurchschnittlich dotierten“ Tarifvertrag zwischen dem Arbeitnehmerverband Luftverkehr und Verdi.

Gewerkschaft und Beschäftigte sind in Sorge, dass sie künftig im schlechtesten Fall mehr Arbeit für weniger Lohn verrichten müssen oder sogar ihren Job verlieren.

Das lassen sie sich nicht gefallen. Am Donnerstag rief Verdi zu einer Protestaktion gegen die Verkaufspläne auf, an der sich zahlreiche LSG-Mitarbeiter vor dem Betriebssitz an der Nordallee beteiligten. Die Veranstalter sprachen von etwa 400 Demonstranten. Sie traten in Kochbekleidung und – analog zu den Protesten in Frankreich – Gelbwesten auf. „Wir fordern den Verbleib der Catering-Tochter in der Lufthansa-Familie sowie den Erhalt aller Arbeitsplätze und Sozialstandards“, betonte Gewerkschaftssekretär Ulrich Feder. Unter dem Motto „Wir kochen vor Wut – LSG Not4sale“ hatte die Belegschaft bereits am Mittwoch vor der Lufthansa-Zentrale in Frankfurt demonstriert und dabei 4000 Unterschriften gegen den Verkauf übergeben. Auch Münchner Kollegen waren am Main dabei.

„Die LSG beschert dem Lufthansa-Konzern Stabilität und Millionengewinne und stärkt die Premium-Marke Lufthansa. Ein Verkauf wäre wirtschaftlich fragwürdig und sozial verantwortungslos“, empörte sich Feder.

Die insgesamt über 35 500 Beschäftigten produzieren etwa 700 Millionen Essen für 300 Airlines. In Deutschland konzentriert sich die Produktion vor allem auf die Flughäfen Frankfurt und München sowie in Düsseldorf, Köln, Alzey, Stuttgart, Hannover und Berlin. Auch die Lounges gehören dazu.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Beamten landen Coup am Flughafen: Passagierinnen mit „Luxus-Ware“ in neun Koffern abgefangen
Am Flughafen München haben Zollbeamte zwei Türkinnen kontrolliert. Insgesamt neun Gepäckstücke stellten die Beamten sicher und dürften nicht schlecht gestaunt haben.
Beamten landen Coup am Flughafen: Passagierinnen mit „Luxus-Ware“ in neun Koffern abgefangen
Hubertus Fraunberg: Neuer Vorstandsposten und eine Rüge vom Gauschützenmeister
Hubertus-Vorsitzender Gerhard Zehetner hat seine erste Amtszeit perfekt gemeistert. Nach der einstimmigen Wiederwahl von ihm und seinem Vize Günther Eschbaumer in der …
Hubertus Fraunberg: Neuer Vorstandsposten und eine Rüge vom Gauschützenmeister
Moosinnings CSU-Bürgermeisterkandidat Manfred Lex: „Es gibt einen Weg, oder wir machen einen“
Entschlossen und souverän präsentierte Manfred Lex, Bürgermeisterkandidat der CSU Moosinning,  sein Wahlprogramm. Der 64-Jährige hat klare Ziele für die Gemeinde. 
Moosinnings CSU-Bürgermeisterkandidat Manfred Lex: „Es gibt einen Weg, oder wir machen einen“
Berglerns Bürger-Solarkraftwerk: Wer macht mit?
Altbürgermeister und Ehrenbürger Herbert Knur war der Erste: Er griff sich eines der Formulare, die Helmut Babinger mitgebracht hatte, um abzuklopfen, wie viele …
Berglerns Bürger-Solarkraftwerk: Wer macht mit?

Kommentare