Großer Bahnhof für neue alte Flugverbindung: Ola Hansson (Lufthansa), Meghan Gregonis, Generalkonsulin der USA in München, und FMG-Chef Jost Lammers (vorne, v. l.) feierten medienwirksam den Start nach Los Angeles.
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Großer Bahnhof für neue alte Flugverbindung: Ola Hansson (Lufthansa), Meghan Gregonis, Generalkonsulin der USA in München, und FMG-Chef Jost Lammers (vorne, v. l.) feierten medienwirksam den Start nach Los Angeles.

„Eine Ansteckungsgefahr an Bord ist quasi auszuschließen“

Lufthansa startet wieder in die USA: Flug für Flug zu alter Größe

  • vonTimo Aichele
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Die Lufthansa hat ihren Flugverkehr von München in die USA wiederaufgenommen.  „Eine Ansteckungsgefahr an Bord ist quasi auszuschließen“, sagt Carsten Hoffmann, Chef der Kabine bei der Lufthansa in München.

Flughafen– Maskenpflicht am ganzen Flughafen, leere Gänge, nur vereinzelt geöffnete Geschäfte, „Abstand halten“-Aufkleber am Boden, Automaten, in denen nicht Schokoriegel locken, sondern Schutzmasken – das war am Mittwoch das immer noch triste Umfeld für einen Neustart. Die Lufthansa hat ihren Flugverkehr von München in die USA wiederaufgenommen. Zur Feier der Nonstop-Verbindung nach Los Angeles sprachen Flughafenchef Jost Lammers, der Münchner Lufthansa-CEO Ola Hansson und die amerikanische Generalkonsulin zur versammelten Presse. So viel Prominenz wäre vor Corona höchstens für eine komplett neue Destination aufgeboten worden.

Die Airbus A 350 hob um 12.05 Uhr mit etwa 100 Passagieren an Bord ab, dreimal so viele hätten in dem modernen Langstreckenflugzeug Platz gehabt. Grundsätzlich ist eine Vollbelegung möglich und geplant, die geringe Auslastung der LH452 nach Los Angeles hatte am Mittwoch aber ihren Grund in US-Einreisebeschränkungen.

„Das muss sich alles einspielen“

Am Dienstag war bereits eine LH-Maschine des gleichen Typs von München nach Chicago geflogen. Beide US-Destinationen werden von nun an zunächst jeweils dreimal pro Woche von der bayerischen Landeshauptstadt aus angesteuert. Um das überhaupt möglich zu machen, müssen sowohl die Fluggesellschaft als auch der Airport Hygiene-Konzepte umsetzen.

Bis auf die vielen Masken bei Personal und Passagieren wirkt die Sicherheitskontrolle am Boden zunächst ganz normal. Bis aber jeder Kontrollierte alle seine Sachen verstaut und seinen Gürtel eingefädelt hat, entstehen schon mal kleine Staus. Die Verfahren würden laufend überprüft, sagte FMG-Sprecher Ingo Anspach: „Das muss sich alles einspielen.“

Maskenpflicht zumindest beim Ein- und Aussteigen

In den Lufthansa-Maschinen gilt wiederum zumindest beim Ein- und Aussteigen eine Maskenpflicht, an Bord wird aus der Vorschrift eine Soll-Bestimmung. Die Lüftungsanlage mit HEPA-Filter mache es möglich, alle Plätze zu belegen, erläuterte Carsten Hoffmann, Chef der Kabine bei der Lufthansa in München. „Alle drei Minuten wird die Luft an Bord komplett ausgetauscht. Damit haben wir eine Luft wie in einem OP-Saal“, sagt er. Außerdem habe man an Bord nur vertikale Luftströmungen. Das heißt, dass es nicht von Mensch zu Mensch ziehen kann. „Eine Ansteckungsgefahr an Bord ist quasi auszuschließen“, so Hoffmann.

„Rein medizinisch ist das nicht so schwer. Das hat aber mit Emotionen zu tun“, sagt auch Hansson. „Es gibt bisher keine bestätigten Übertragungen an Bord“, berichtet dazu Kapitän Raimund Müller, Flottenchef der Lufthansa. Er und seine Pilotenkollegen tragen im Gegensatz zum Kabinenpersonal keine Masken. „Man muss im Cockpit auch Gerüche wahrnehmen können“, sage er.

Nur 85 gewerbliche Flüge am Mittwoch - 7000 Mitarbeiter in Kurzarbeit

Alle Verantwortlichen hoffen nun auf einen wirtschaftlichen Steigflug in den nächsten Monaten. Die LH452 war am Mittwoch einer von nur 85 gewerblichen Flügen am Moos-Airport – zum Vergleich: In den Pfingstferien 2019 waren es laut FMG-Sprecher Florian Steuer an Spitzentagen 1200 Flugbewegungen. Von den rund 10 000 Beschäftigten der FMG sind etwa 7000 in Kurzarbeit. Der Anteil bei den 13 000 Lufthansa-Mitarbeitern in München ist ähnlich hoch.

Hansson sprach daher von einem „kleinen Lichtblick“. Um das Fliegen in Corona-Zeiten möglich zu machen, seien viele Verfahren eingeführt worden: Check-in über die Lufthansa-App oder Automaten, Desinfektionsmittel-Spender und vor allem Sicherheitsabstand. „Kontaktloses Reisen können wir gewährleisten“, sagte der Münchner Lufthansa-Chef.

Heute sechsmal pro Woche in den USA, früher allein 70 Verbindungen mit Lufthansa

„Wir werden in der weiteren Zukunft wieder das pulsierende Drehkreuz München erleben“, zeigte sich auch Lammers überzeugt. Aktuell gehe es sechsmal pro Woche in den USA, früher habe allein die Lufthansa 70 Verbindungen in die Vereinigten Staaten gehabt.

Zum Rettungspaket für die Kranich-Airline erklärte Lammers: „Dass die Lufthansa auf Start- und Landerechte verzichten soll, ist für mich nicht nachvollziehbar.“ Hier werde mit zweierlei Maß gemessen. Die EU-Kommission hatte als Bedingung für die Rettung durch den deutschen Staat mit insgesamt neun Milliarden Euro gefordert, dass die Airline in Frankfurt und München Start- und Landerechte für je vier Flugzeuge abgibt.

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