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Zwei Wochen Designarbeit stecken im Wiesnplakat 2021 von Maria Dick. Die 26-Jährige arbeitet als Grafikdesignerin für die FMG-Tochter Allresto. Die schafft es nun auf kreative Weise aufs Oktoberfest. Foto:

Maria Dick, die am Flughafen arbeitet, hat das Oktoberfest-Plakat 2021 entworfen

Die Wiesn im Herzen

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Das offizielle Plakat der Wiesn 2021 trägt die Handschrift des Flughafens, genauer gesagt von Maria Dick von der Allresto. Wer steckt hinter diesem kreativen Geist? 

Flughafen – Langeweile macht kreativ, sagt man. Auf Maria Dick trifft das zu. Sie hat in der Corona-Pandemie viel Zeit, und die nutzte sie sinnvoll. Die 26-Jährige ist Grafikdesignerin und arbeitet bei der Allresto. Die Gastro-Tochter der Flughafen München GmbH musste fast ihre gesamte Belegschaft in Kurzarbeit schicken. Dick saß also die meiste Zeit zu Hause in ihrer Münchner Wohnung und hatte dort viel Zeit zum Nachdenken. Dass das Wiesn-Plakat jedes Jahr neu ausgeschrieben wird, wusste sie. Doch zur Teilnahme hatte immer die Zeit gefehlt. Als sie im Lockdown von Freundinnen angesprochen wurde, doch an dem Wettbewerb teilzunehmen, da erwachten bei der jungen Frau die kreativen Geister.

Das Wiesn-Gen trägt sie ohnehin in sich. „Ich gehe leidenschaftlich gern aufs Oktoberfest“, verrät Dick, und: „Ich bin eigentlich jedes Jahr dort.“ Die Bierzelte schätzt sie weniger, die Mittagswiesn und die Oide Wiesn umso mehr.

Die erste Anregung erhielt Dick, als sie im September aus dem Fenster sah. In normalen Zeiten hätte sie die Massen in Richtung Theresienwiese pilgern sehen. 2020 waren nur sehr wenige Menschen unterwegs. „Aber mir ist aufgefallen, dass unglaublich viele in Tracht gekleidet waren.“ In Dirndl und Lederhose bekundeten viele Münchner ihre Verbundenheit zum größten Volksfest der Welt.

Das ließ die Grafik-Designerin philosophisch werden. „Man kann die Münchner vielleicht von der Wiesn fernhalten. Aber man kriegt die Wiesn nicht aus den Münchnern heraus“, ist die junge Frau überzeugt.

Diese Verbindung sollte die Grundlage für Dicks Motiv werden. Dabei wählte sie eine Kunst, die mit Münchner Tradition gar nicht so viel zu tun hat: Bei Tattoos sind Herzen, die von Dornenranken umgeben sind, ein beliebtes Bild. Doch Stacheln sprechen wahrlich nicht für eine friedliche Wiesn. Deswegen wurden bei ihr Hopfenranken daraus. Das Herz selbst, klar – aus Lebkuchen. Darunter eine resche Brezn, flankiert von zwei überschäumenden Masskrügen. „Das ist quasi ein Wiesn-Tattoo, das jeder Münchner in sich trägt“, erzählt sie.

„Zunächst habe ich ein Aquarellbild gemalt, das ich eingescannt und dann am Computer bearbeitet habe“, berichtet die 26-Jährige. Zwei Wochen lang tüftelte sie immer wieder an ihrem Motiv. Aus dem Freundeskreis kamen viele Anregungen und aufmunternde Kritik. Im Oktober sandte sie ihren Entwurf ein, diese Woche bekam sie die freudige Nachricht: Die Stadt München hat sich für ihr Bild entschieden.

Nun ist Dick nicht nur überglücklich, sondern kann sich auch über 2500 Euro Preisgeld freuen. Hinzu kommen Lizenzgebühren, damit die Landeshauptstadt ihr Motiv auf T-Shirts, Pullover, Krüge und Accessoires drucken darf. Sollte die Wiesn stattfinden, ist die 26-Jährige auch zum Anstich ins Schottenhamel-Zelt eingeladen. Und natürlich bekommt sie einen Krug mit ihrem Motiv.

„Ich würde mich nicht nur wegen meines Plakats wahnsinnig freuen, wenn das Oktoberfest stattfinden kann“, verrät sie, sagt aber auch: „Die Wiesn kann nur stattfinden, wenn sie sicher ist.“ Es würde keine rechte Gaudi aufkommen, wenn man fürchten müsse, sich mit Corona anstecken zu können.

Für Dick war der Gewinn ein Mutmacher in schwierigen Zeiten. Sie freut sich darauf, wenn sie sich wieder mit voller Kraft bei der Allresto reinhängen kann. Denn die vielen Restaurants, und vor allem das Airbräu, tragen ihre Handschrift – im wahrsten Sinne des Wortes. Alle Plakate, Speisekarten, Aufsteller und andere Dekogegenstände hat sie mit entworfen.

Bei der FMG-Tochter, immerhin Eigentümerin der weltweit einzigen Brauerei an einem Flughafen, ist man stolz auf die Kollegin. „Geschäftsführer Andreas Reichert hat mir schon persönlich gratuliert“, erzählt Dick lächelnd. Auf dem Oktoberfest darf bekanntlich nur Münchner Bier ausgeschenkt werden. Das heurige Wiesnplakat bringt das Airbräu auf einem besonders kreativen Weg auf das größte Volksfest der Welt.

ham

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