1. Startseite
  2. Lokales
  3. Erding
  4. Flughafen München

Terminal-Anbau am Flughafen München: Kosten laufen aus dem Ruder - wird Reißleine gezogen?

Erstellt:

Von: Dirk Walter

Kommentare

Ein Flughafen
Eine Draufsicht auf den neuen Flugsteig, der noch ein Rohbau ist. © Herkner

Die Erweiterung des Terminal 1 (T1) erweist sich als Kostenfalle. Die geplanten 450 Millionen Euro übersteigt der neue Flugsteig deutlich.

Update vom 31. März, 21:22 Uhr: München – Der neue Flugsteig am Terminal 1 des Flughafens München wird nach jetzigem Stand „frühestens 2025“ in Betrieb genommen. Dies erklärte die Flughafen-Pressestelle nach einer Aufsichtsratssitzung. Wie berichtet muss der Flughafen auch gewaltige Kostensteigerungen schultern. Diese belaufen sich auf nun insgesamt über 600 Millionen Euro, hieß es. Gestartet war das Projekt mit geschätzten Kosten von 400 Millionen Euro, die 2018 auf 455 Millionen Euro nach oben korrigiert wurden.

Der Flughafen begründet die neuerliche Verteuerung, die der Aufsichtsrat mit ihrem Vorsitzenden, Bayerns Finanzminister Albert Füracker (CSU), bei einer Enthaltung zur Kenntnis nahm, mit „enormen Kostensteigerungen in der Bauwirtschaft“. Zudem wurde entschieden, den Zeitplan für den Innenausbau zu strecken.

Die verzögerte Inbetriebnahme sei wegen des stark reduzierten Flugbetriebs verkraftbar. „Wir gehen davon aus, dass sich das Verkehrsaufkommen am Münchner Airport ab 2024 – spätestens aber 2025 – wieder auf Vorkrisenniveau bewegt“, erklärte Flughafenchef Jost Lammers.

Nach wie vor hält der Chef der Geschäftsführung das Projekt für sinnvoll: Mit den „attraktiven neuen Aufenthaltsbereichen“ werde ein „Qualitätssprung im Terminal 1“ gelingen und damit „die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit des Münchner Five-Star-Airports“ gesichert.

Terminal-Anbau am Flughafen München: Kosten laufen aus dem Ruder

Erstmeldung vom 30. März, 17.23 Uhr: München – 320 Meter lang, 95 000 Quadratmeter Betriebs- und Geschäftsfläche auf drei Ebenen, zwölf Andockpositionen für Flugzeuge – der neue Flugsteig, der im 90-Grad-Winkel am Terminal 1 andockt, ist das größte Bauvorhaben am Flughafen München. Als der Aufsichtsrat im Juni 2018 die Freigabe für den Neubau erteilte, waren alle Beteiligten des Lobes voll.

Bayerns Finanzminister Albert Füracker sprach als Aufsichtsratschef von einem Vorhaben, das „den Ansprüchen der Passagiere an den Komfort und die Aufenthaltsqualität Rechnung“ trage. Der Airport habe nun „eine ausgezeichnete Entwicklungsperspektive“, sagte der damalige Flughafenchef Michael Kerkloh.

Flughafen München: Terminal 1 teurer als geplant

Vier Jahre später kommt der Aufsichtsrat am heutigen Donnerstag erneut zusammen – auf der Tagesordnung steht die galoppierende Kostenentwicklung des halb fertigen Neubaus, der weit ins westliche Vorfeld reinragt. Als der Flughafen die Investition 2017 bekannt gab, war noch von Baukosten in Höhe von 400 Millionen Euro die Rede. 2018 waren es dann 455 Millionen. Jetzt dürften es noch mal gute 100 Millionen mehr sein – womit die halbe Milliarde weit überschritten wird.

„Der aktuelle Sachstand bei der Realisierung des neuen Flugsteigs für das Terminal 1 ist morgen eines der Themen der Aufsichtsratssitzung der Flughafen München GmbH“, bestätigte gestern Flughafen-Sprecher Ingo Anspach. Zur Kostenentwicklung schweigt er.

Flughafen München: Horrende Baukosten-Steigerungen

Hauptgrund sind die gestiegenen Kosten im Bausektor. Die horrende Kostensteigerung konnte die FMG nicht vorhersehen – doch sie muss damit umgehen. Dem Vernehmen nach soll die Geschäftsführung dem Aufsichtsrat mehrere Vorschläge zum weiteren Vorgehen unterbreiten – auch ein Stopp der Bauarbeiten ist nicht gänzlich ausgeschlossen. Flughafen-Chef Jost Lammers hatte zuletzt, auch in einem Interview mit unserer Zeitung, deutlich gemacht, dass er den Abschluss des Rohbaus bevorzugt.

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s auch in unserem regelmäßigen Erding-Newsletter.

Der Innenausbau könnte aber auf Eis gelegt werden, bis der Flugsteig wirklich benötigt wird. Offizielle Sprachregelung ist bisher, dass der Flugsteig „frühestens 2023“ in Betrieb gehen könnte. Doch geht der Flughafen davon aus, dass erst 2024 das Vor-Corona-Niveau wieder erreicht sein wird – eine weitere Verschiebung der Inbetriebnahme ist daher wahrscheinlich.

München: Arbeitnehmer haben Zweifel an Terminal 1

Derzeit ist der Flughafen nur etwa zur Hälfte ausgelastet, ein Lichtblick ist indes der Sommer und hier zuerst der Osterreiseverkehr, der kräftig anziehen soll. Arbeitnehmer-Vertreter drängen darauf, daher den sogenannten Notlagen-Tarifvertrag komplett zu stornieren. Durch Einzelbestimmungen wie etwa eine Zahlung zur Zusatzversorgung haben die FMG-Beschäftigten teils empfindliche Lohneinbußen, auch wenn die im Tarifvertrag vorgesehene Arbeitszeitreduzierung um drei Prozent (mit entsprechendem Lohnabzug) derzeit nicht angewandt wird, wie der Pressesprecher betont. Angesichts des Aufwärtstrends bei Flügen und Passagierzahlen sei dies nicht mehr zeitgemäß, sagt Betriebsrats-Chef Johann Bachmayer.

Mitglieder der Gruppe „Rat“, der auch Bachmayer angehört, haben eine Unterschriftenaktion gestartet. Sie weisen daraufhin, dass der Flugzeugabfertiger Aeroground, eine 100-prozentige Tochter der FMG, jetzt wieder Leute im „Ramp and Baggage Handling“ (also zum Be- und Entladen der Flieger) sucht. Allein der Bedarf bis Sommer 2022 soll 100 bis 150 Personen betragen.

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Erding finden Sie auf Merkur.de/Erding.

Auch interessant

Kommentare