Startbahngegner Hartmut Binner führt Buch über Starts und Landungen am Moos-Airport. Auf der Grafik (oben) hat er für die Jahre bis 2010 die Flugbewegungen eingetragen. Bis 2025 schreibt er ein Wachstum von jährlich 1,5 Prozent weiter. Eine dritte Piste wäre bis 2025 nicht nötig, weil laut FMG die derzeitigen zwei Startbahnen 479 000 Flugbewegungen abwickeln könnten. Der Airportbetreiber wiederum beruft sich auf das Wirtschaftsgutachten des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts, das 536 000 Flugbewegungen im Jahr 2020 und 590 000 im Jahr 2025 prognostiziert. Grafik: privat; Foto: fmg

Nur München und Stuttgart bei Flugbewegungen im Minus

Flughafen - n punkto Wachstum war der Münchner Flughafen stets Klassenprimus unter den deutschen Airports. Diesmal dümpelt er bei der Entwicklung der Starts und Landungen im Tabellenkeller. Die FMG gibt sich gelassen, die Startbahngegner fühlen sich in ihren Argumenten bestätigt.

Eine Zahl, zwei Reaktionen. Während die Flughafen München GmbH (FMG) zumindest öffentlich die erneut zurückgehende Zahl der Flugbewegungen gelassen zur Kenntnis nahm, fordert Christian Magerl mit deutlichen Worten das Ende der Ausbaupläne am Münchner Flughafen. Die „Jubelarien“ der FMG während des Jahres würden beweisen, dass der Airportbetreiber zu keiner Einsicht fähig sei. „Unterm Strich bleibt von all dem Gewäsch nichts übrig“, kanzelt der Landtagsabgeordnete der Grünen die FMG ab.

Wie berichtet, fanden im vergangenen Jahr 1,8 Prozent weniger Flugbewegungen statt als 2009, das mit einem Minus von 8,3 Prozent im Vergleich zu 2008 ohnehin schon als das Katastrophenjahr der Luftfahrt bezeichnet wurde. FMG-Sprecher Ingo Anspach erklärte das erneute Minus mit den Sondereffekten des vergangenen Jahres und meinte dabei den Streik der Lufthansa-Piloten, die vielen Schneetage und insbesondere die Vulkanasche, die tagelang den europäischen Luftraum einäscherte.

Die Konkurrenz hat

bessere Zahlen

Allerdings: Mit diesen Effekten mussten auch die anderen deutschen Airports kämpfen, doch kaum einer hatte ein Minus zu verzeichnen (siehe Kasten). Selbst der große Konkurrent Frankfurt meldete einen Zuwachs von 0,2 Prozent. Die beiden Flughäfen Berlins verzeichneten sehr deutliche Zuwachsraten, Schönefeld wuchs um 6,9 Prozent und Tegel um 1,4 Prozent. Auch Düsseldorf, Hamburg und Köln hatten etwas mehr Flüge als 2009.

FMG-Sprecher Ingo Anspach erklärte die unterschiedliche Entwicklung mit „standorttypischen Eigentümlichkeiten“. Fluggesellschaften hätten im vergangenen Jahr verstärkt größere Flugzeuge eingesetzt. „Hier in München hat sich die Flottenumstellung in besonderer Intensität ausgewirkt.“ Wie berichtet, hat die Deutsche Lufthansa in einigen Verkehrssegmenten ihre Sitzkapazität verdoppelt.

Anspach hält das Zählen von Starts und Landungen für nicht entscheidend: „Der Wachstumstreiber ist nicht die Anzahl der Flugbewegungen, sondern die Passagiernachfrage. Das ist die treibende Kraft, und die Schere zwischen Flugbewegungen und Passagierzahlen geht langsam wieder zu.“ Anspach wollte die Fluggastzahl noch nicht nennen. „Sie liegt aber über dem nationalen Durchschnitt und weit über allen Erwartungen - auch über unseren Erwartungen.“ In einem Interview mit der Heimatzeitung war Flughafenchef Michael Kerkloh Ende Dezember von 34,6 Millionen Passagieren ausgegangen.

Neuer Sondereffekt

Luftverkehrsabgabe

Für Magerl ist dagegen entscheidend: „Da die Kapazität der Landebahnen eines Flughafens ausschließlich von den Flugbewegungen, nicht von den Passagierzahlen abhängt, ist die FMG von einer vermeintlichen Rechtfertigung einer dritten Bahn weiter entfernt denn je. Die Staatsregierung täte als Mehrheitseigner gut daran, dieses Milliarden Euro teure, völlig überflüssige Projekt endgültig zu beerdigen.“ Der Flughafen München habe offenbar vom Konjunkturboom nicht profitieren können. Magerl: „In ihrem nachgebesserten Prognosegutachten kommt Intraplan selbst bei allen drei Szenarien zu dem Schluss, bereits 2010 würde die Zahl der Flugbewegungen wieder steigen. Zudem setzt Intraplan einen Zuwachs an Passagieren in direkte Korrelation zu den Flugbewegungen. Beides ist falsch. Denn trotz weniger Flugbewegungen stieg die Zahl der Passagiere.“

Ob es damit allerdings auch heuer so weitergeht, sei fraglich, meint der Abgeordnete mit Verweis auf die Luftverkehrsabgabe, über deren Auswirkungen es sehr unterschiedliche Einschätzungen gebe. Magerl: „Eins hat jedenfalls noch kein Experte behauptet: Dass allein deswegen die Passagierzahlen erneut steigen werden.“ pir

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